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Tierschützer wollen mehr Unterstützung

Kröten spielen Miesbacher Roulette

Der Frühling steht vor der Tür und mit ihm die Amphibienwanderung. Immer wieder stellt sich dabei die Frage, wie intensiv Kröten und Molche geschützt werden müssen. Tierschützer aus dem Landkreis sind sich sicher: “Die Kröten spielen Miesbacher Roulette.” Das sollen die Behörden verhindern.

Kröten, Frösche und Molche ziehen im Frühling los um sich einen Partner und eine Stelle zum Laichen zu suchen. / Archivbild

Kröten, Frösche und Molche ziehen im Frühling los, um sich einen Partner und eine geeignete Stelle zum Laichen zu suchen. Dabei suchen die Amphibien vor allem die Gewässer auf, in denen sie selbst groß geworden sind. Doch die Reise in die Heimat ist nicht ganz ungefährlich, wenn die Tiere auch Straßen überqueren müssen.

Die Amphibien sind besonders nachts unterwegs, da dann die Luftfeuchtigkeit höher ist und sie nicht so schnell austrocknen. Außerdem sind die Tiere sehr langsam. Eine Kröte kann um die 15 Minuten brauchen, um eine Straße zu überqueren.

Kröten-Tunnel sind beliebt

Zum Schutz der Tiere werden jedes Jahr auch im Landkreis Miesbach Zäune und Schilder aufgestellt. Eine besondere Art der Schutzzäune besitzt zum Beispiel alle paar Meter einen in den Boden eingegrabenen Eimer. Wenn die Amphibien dann am Zaun entlang laufen, fallen Sie in den Eimer und können am nächsten Morgen von freiwilligen Helfern über die Straße gebracht werden.

Auch Kröten-Tunnel sind inzwischen beliebt. Beim Bau von neuen Straßen, die in der Nähe eines Gewässers sind, wird ein Tunnel unter der Straße als Verbindung genutzt. Die Schutzzäune werden dann als Lenkpfade aufgestellt und die Kröten, Frösche und Co. kommen gefahrlos auf die andere Seite.

Behörden und Tierschützer geraten aneinander

Natürschützer und die Behörden geraten in dieser Zeit oft aneinander. Auch hier im Landkreis gibt es aktuell wieder Unstimmigkeiten. Die freiwillige Naturschützerin Rita Thelen hat einen Brief an den Landrat verfasst. Dabei geht es um die ausgebaute Kreisstraße MB 17. Zusammen mit Werner Fees will sie einen Schutzzaun für Amphibien bei Bruck aufstellen lassen.

„Vom 11. März bis zum 16. April vergangenen Jahres konnten bei Bruck rund 270 Frösche, Kröten und Co. von der Straße gebracht werden, davon waren rund 32 Prozent tot“, so Thelen in ihrem Brief. Weiter erklärt sie, dass heuer „vom 15. Bis 17. März 2019 (…) dort bereits rund 80 Amphibien von der Straße gebracht“ wurden, davon waren ebenfalls schon rund 34 Prozent bereits tot. Fees erklärt zu diesen Zahlen:

Die Tiere spielen nicht Russisches, sondern Miesbacher Roulette. Jedes dritte ist tot.

Wie es Thelens Brief zu entnehmen ist, soll es außerdem eine „Privatinitiative“ geben, um an den Straßen einen „privat beschafften Amphibien-Schutzzaun“ aufzustellen. Dies sei auch „mit den Grundstückseigentümern abgestimmt.“ Das Landratsamt solle das aber untersagt haben, meint sie.

Laut Pressesprecher des Landratsamts Birger Nemitz handle es sich an der besagten Stelle aber laut Zählungen um „maximal 200 Tiere“. Dies habe sich auch seit Jahren nicht geändert. Beim „stark frequentierten Weiher bei Neukirchen wurde ein Schutzzaun errichtet“, so Nemitz. Die geschilderte Situation an der Kreisstraße MB 17 bei Bruck sei dem Landratsamt außerdem bestens bekannt.„Damals wie heute können wir die Behauptungen nicht nachvollziehen”, betont er, “wo genau Frau Thelen einen weiteren Zaun aufstellen möchte, ist uns leider nicht bekannt, da von ihrer Seite keine Kommunikation mit der Naturschutzbehörde stattfindet.“ Des weiteren seien auch die Grundstücksinhaber nicht genannt worden.

Viele Amphibien sollen durch Zäune geschützt werden / Archivbild

Weiter sei „eine straßenrechtliche Anordnung erforderlich“. Denn „es geht auch um die Sicherheit der Absammlerinnen und Absammler, welche auch in der Dämmerung unterwegs sein dürften. Auch die anderen Verkehrsteilnehmer müssen geschützt werden.“ Außerdem brauche man erstmal ausreichend freiwillige ehrenamtliche Helfer, die den Zaun und die Sammelbehälter am Zaun regelmäßig absammeln.

Von denen soll es aber laut Thelen mehr als genug geben. „Wir haben viele Freiwillige, die Gruppe im Kinderland, die den neuen Zaun in Neukirchen betreut, ist da nur der Anfang.“ Das was ihnen noch fehlt sei allein die Erlaubnis vom Landratsamt.

Unverständnis auf beiden Seiten

„Das Landratsamt hat offenbar Schwierigkeiten“, meint Fees. „Wir als Naturschützer sehen die Tiere. Das Landratsamt sieht vor allem die juristischen Gesichtspunkte.“ Er verstehe das Landratsamt und er findet die Arbeit des Landratsamt „schon gut“. Es müsse nur eben mehr geschehen. Er sieht seine „Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass da draußen was nützliches passiert.“

Er erwartet „amtliche Hilfe für diese Tiere“, denn vor allem auf der Kreisstraße passiert etwas meist den Fröschen und „für diese ist das Landratsamt zuständig.“ Für ihn sieht die jetzige Situation so aus: „Es gibt einen Zaun und der läuft. Aber nur einen Kilometer weiter gibt es keinen Zaun.“ Irgendwas scheint für ihn da nicht zu stimmen. Laut seiner rechtlichen Kenntnis, sollte „die Zahl der toten und lebendigen Tiere“ für einen Zaun reichen.

Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde haben sich laut Nemitz wiederholt ein Bild vor Ort gemacht. Auch ein Mitarbeiter der diese Strecke zweimal täglich passieren muss, soll die Behauptungen der Naturschützer nicht bestätigen können.

In Kreuth sollen rund 14.000 Amphibien wandern

Die Naturschutzbehörde konzentriere sich laut Nemitz auf die Schwerpunkte. „An anderen Orten im Landkreis wird mit viel größeren Populationen gerechnet. Zum Beispiel in Kreuth wird von rund 14.000 Kröten und Fröschen ausgegangen“, so der Sprecher des Landratsamtes.

„Sowohl aus Personalgründen, als auch aus organisatorischen Gründen, als auch aus Kostengründen können wir nicht überall Zäune errichten.“, so der Pressesprecher zum Abschluss: „Neben Zäunen gibt es auch noch weniger aufwändige Maßnahmen, wie das Aufstellen von Warnschildern. Insgesamt kann man sagen, dass dem Schutz der Amphibien im Landkreis Miesbach eine große Bedeutung beigemessen wird. Allerdings ist es – so wie überall anders auch – notwendig, hier mit Maß und Taktgefühl vorzugehen.“


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