Landkreis Miesbach ist Spitzenreiter in Oberbayern

Deutschlandweit gehen die Corona-Zahlen runter. Anders sieht’s im Landkreis Miesbach aus: Wir sind Spitzenreiter in ganz Oberbayern. Doch woher kommen all diese Infektionen? Das Landratsamt versucht sich nun an einer Erklärung und kündigt außerdem mögliche Konsequenzen für die Gemeinde Gmund an.

Die Inzidenz im Landkreis Miesbach liegt noch immer weit über 100. / Quelle: Landratsamt

Die heutige 7-Tages-Inzidenz im Landkreis Miesbach beträgt 141. Damit sind wir zwar den dritten von fünf benötigten Tagen in Folge unter dem Schwellenwert von 150, aber noch weit entfernt vom ersehnten Schwellenwert 100. Das Landratsamt betont:

In Oberbayern ist Miesbach der einzige Landkreis mit einer Inzidenz von über 100. Weitere Öffnungsschritte sind zum Bedauern vieler Branchen noch nicht absehbar.

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Doch was macht das aktuelle Infektionsgeschehen im Landkreis aus? „Durch das Gesundheitsamt wird das Infektionsgeschehen täglich bewertet. Ein diffuses Infektionsgeschehen ist dann vorhanden, wenn es vereinzelte Cluster gibt, aber die Mehrheit der Neuinfektionen nicht auf ein einzelnes Ereignis zurückzuführen ist“, so die Erklärung des Landratsamts Miesbach.

Corona-Ausbruch in Asylunterkünften und Kita

Den Landkreis beschäftigten derzeit verschiedene kleinere und größere Cluster. „Die weitere Verbreitung des Virus in den Asylunterkünften in Valley und Otterfing konnte trotz sofortiger Quarantänemaßnahmen erst jetzt gestoppt werden“, heißt es weiter. Die Quarantäne für beide Einrichtungen werde aber in den nächsten Tagen aufgehoben. Aufgrund einer Infektion in einer KITA-Gruppe in Schaftlach befindet sich diese und drei weitere Mitarbeiter in Quarantäne.

Private Feiern tragen zum Infektionsgeschehen bei

Doch auch privat breitet sich Ungeduld aus. Immer mehr Menschen treffen sich zum gemeinsamen Essen, Feiern oder zu anderen Anlässen. Das Landratsamt macht in diesem Zusammenhang deutlich:

Ärgerlich ist, dass vermehrt private Feiern im größeren Stil stattfinden. Maifeiern, Geburtstage und andere nicht erlaubte Zusammenkünfte an denen unwissentlich infizierte Personen teilgenommen haben.

Jede einzelne trage zum aktuellen Infektionsgeschehen in den Gemeinden und damit zur hohen Inzidenz bei. „Da das Landratsamt von einigen Feiern nicht durch die Betroffenen in Kenntnis gesetzt wurde, möchten wir nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Aufgabe des Contact Tracing Team die Ermittlung der Kontaktpersonen ist.“

Das CTT sei auf wahrheitsgemäße Angaben angewiesen. Nur so lassen sich Infektionsketten frühzeitig durchbrechen. Fehlende oder gar falsche Angaben bei den Gesprächen mit dem CTT, lassen das Infektionsgeschehen wachsen.

Gmunder Sitzung wird kommunalrechtlich geprüft

Mittlerweile sind insgesamt 24 Infektionen auf das Cluster der Gemeinderatssitzung in Gmund zurückzuführen. Dabei sind Stand heute zwölf Personen direkt der Sitzung und zwölf Infizierte dem familiären Umfeld der Sitzungsteilnehmer zuzuordnen. „Die weiteren Neuinfektionen in Gmund sind keinem direkten Clustergeschehen zuordenbar. Vielmehr zeigen die hohen Neuinfektionen im Gemeindebereich wie leicht das Virus und seine Mutationen übertragbar ist.“

Das Landratsamt habe nun eine kommunalrechtliche Prüfung der ausschlaggebenden Gemeinderatssitzung in Gmund veranlasst. Hierbei werde geprüft, inwieweit gegen geltenden Regelungen verstoßen wurden und welche Konsequenzen dies nach sich zieht.

Britische Mutation hochansteckend

Einen weiteren Anteil der Infektionen im Landkreis machen Familien aus. Es sei nach Angaben des Landratsamts zu beobachten, dass gerade die Britische Mutation sehr leicht übertragen wird. Hat das Virus ein Familienmitglied infiziert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass innerhalb weniger Tage die ganze Familie infiziert ist. Um das Gewicht dieser Aussage zu untermauern, allein im Zeitraum 13.05.-16.05 wurden neun infizierte Familien mit bis zu fünf Familienmitgliedern gemeldet.

Insgesamt ziehen sich die Infektionen durch alle Altersklassen. „Stark vertreten ist die Altersgruppe 15-59“, heißt es seitens des Landratsamts. Bei den Landkreisbürgern über 80 Jahren gebe es nur sehr wenige Infektionen. Diese positive Entwicklung sei in erster Linie auf den Impffortschritt zurückzuführen.

Landrat fordert mehr Impfstoff

Als Reaktion auf die hohen Zahlen hat Landrat Olaf von Löwis im persönlichen Gespräch mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek und in einer Videokonferenz mit Ministerpräsident Markus Söder und den Alpenlandkreisen mehr Impfstoff für den Landkreis gefordert. Löwis macht deutlich:

Ziel muss es sein, die Infektionszahlen schnellstmöglich zu reduzieren. Mehr Impfstoff für den Landkreis ist ein wichtiger Schritt, um dauerhaft und langfristig niedrige Neuinfektionen zu erreichen. Kurzfristig hilft nur die Einhaltung der bekannten Hygieneregeln. Wir müssen auf die Umsicht und Vorsicht der Menschen vertrauen.

Erste Rückmeldungen seien ernüchternd. Die Impfstoffverteilung erfolgt durch den Bund und in nächster Zeit seien die Liefermengen für Bayern so gering, dass die Zweitimpfungen prioritär behandelt werden müssen. Das Credo lautet daher aktuell: Jede erkannte Infektion vermeidet weitere Neuinfektionen. Nur so kann die 7-Tage-Inzindenz dauerhaft sinken. Deshalb der Appell des Landratsamts: „Nutzen Sie das kostenlose Test-Angebot, um andere und sich selbst zu schützen.“

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