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Zusammenarbeit mit Beratungsagentur Project M kurzfristig beendet

Landkreis gibt Beratern den Laufpass

Von Maximilian Kranl

Unzählige Präsentationen, Masterpläne, Fusionspläne: Berater aus München sollten dem Landkreis Miesbach zu mehr Premium im Tourismus verhelfen.

Mit der misslungenen Fusion zur neuen Alpenregion sind auch die gemeinsamen Pläne geplatzt.

Kooperation beendet: Project M-Geschäftsführer Cornelius Obier (links) wird den Landkreis nicht mehr beraten.

Sehr viel Arbeit wurde in den geplanten Zusammenschluss der Tourismusregionen Tegernsee und Schliersee gesteckt: Ob TTT-Chef Georg Overs, ATS-Chef Harald Gmeiner, die Gemeinden, das Landratsamt oder die Berater von Project M – Zeit, Geld und Nerven haben sie alle investiert, für ein Projekt, das schließlich vom Schlierseer Gemeinderat gekippt wurde. Nachdem der Schock erstmal überwunden ist, heißt es für die Verantwortlichen Konsequenzen zu ziehen.

Eine der ersten lautet: Die Zusammenarbeit zwischen TTT (und ATS) und der Beratungsagentur Project M wurde Mitte April beendet. Dies teilte Project M-Geschäftsführer Cornelius Obier auf Nachfrage mit. Dort wie auch im Landkreis wird zwar betont, dass das Ende der Zusammenarbeit von Anfang an vereinbart gewesen sei. Entweder die Fusion klappt oder sie scheitert, auf jeden Fall ist die Sache für Project M gelaufen, sobald über die Fusion abgestimmt wurde – so das Credo.

So viel Harmonie scheint aber zumindest merkwürdig: Denn obwohl die Zusammenarbeit offiziell bereits beendet wurde, hat sich Project M verpflichtet, bei der Nachbearbeitung erstmal mit an Bord zu bleiben. Entscheidend ist dabei, dass die Berater kein Honorar mehr für ihre Arbeit bekommen – was nach Ende des Monats noch an Kalkulationen, Gesprächen und Beratung anfällt, macht die Agentur unentgeltlich.

Project M übernimmt Teil-Verantwortung

Auch wird deutlich: Die Verantwortlichen von Project M sind mit dem Ausgang der Fusion nicht glücklich und nehmen das Scheitern auch auf ihre Kappe. Die Frage, was schief gelaufen ist, beschäftigt also nicht nur TTT und ATS, sondern auch die eigenen Reihen des Dienstleisters. Eine erneute Zusammenarbeit in Zukunft sei seitens Project M zwar nicht ausgeschlossen, doch nur dann möglich, wenn sich am Gesamtkonzept etwas maßgeblich ändert, betont man bei Project M. Das obliege jedoch erstmal allein dem Landkreis: Hier müssen die Weichen neu gestellt werden.

Außerdem mutet der Zeitpunkt, zu dem sich der Landkreis und Project M getrennt haben, sehr kurzfristig an. Eigentlich hatte man mit der endgültigen Abstimmung über die Fusion ja erst in den nächsten Monaten gerechnet. Das wäre demnach auch das angepeilte Projektende gewesen. Nachdem der Schlierseer Gemeinderat seine Entscheidung vorgezogen hat, haben es die Touristiker aus dem Landkreis ihnen wohl gleich getan und der Zusammenarbeit ein vorzeitiges Ende gesetzt.

All das ist bemerkenswert, da damit eine aus touristischer Sicht durchaus eingespielte Partnerschaft zu Ende geht. Schließlich war Project M schon seit 2008 im Landkreis aktiv und hat bereits die Integration der ehemaligen TIs der Talgemeinden in die TTT mitgestaltet. Zu dieser Zeit sei von Landrat Kreidl auch das Ziel einer landkreisweiten Lösung für den Tourismus gesetzt worden – dem Vernehmen nach mit einer Deadline bis 2014. Project M hat mit seiner Beratertätigkeit die sogenannte Vollintegration – also den Beschluss, alle Gemeinden touristisch zu vereinen – folglich von Anfang an begleitet.

Masterplan: keine volle Schlagkraft ohne Fusion

Seit diesem Beschluss hat Project M den viel zitierten Masterplan für die Alpenregion Tegernsee-Schliersee ausgearbeitet. Er umfasst 12 Projekte, von denen die Fusion nur eines darstellt. Mit der Fusion selbst war Project M dann ab Anfang 2013 befasst – zunächst mit dem Grundsatzbeschluss und seit November mit der Detailausarbeitung.

Der Masterplan beinhaltet neben der Fusion auch Projekte wie das Branding als Premium-Region oder die neue Beschilderung der Wanderwege. Elemente, die auch ohne die Fusion Bestand haben und eine Verwendung finden werden. Die volle Schlagkraft werden sie, so ist zu hören, ohne die Fusion aber nicht entfalten. Für die Verantwortlichen im Landkreis bedeutet das: umdenken und einen Neuanfang wagen. Dafür muss man sich von alten Strukturen und Konzepten trennen – mit Project M ist der erste Schritt getan.


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