Grünes Zentrum Holzkirchen eingeweiht - Minister fordert Transparenz
“Öffnet eure Stalltüren”

von Rose Beyer

Grünes Zentrum. Der Name trügt. Zwar geht es in dem frisch eingeweihten Gebäude durchaus um Landwirtschaft, Ökologie und Natur. Und auch wenn bei der gestrigen Einweihung mindestens ein Vertreter der Grünen zur Einweihungsfeier kam – mit den “Grünen” hat das Zentrum nichts zu tun.

Einzug geglückt - Schlüssel übergeben - es darf gefeiert werden
Einzug geglückt – Schlüssel übergeben – es darf gefeiert werden.

Der erste Arbeitstag für die meisten der 70 Mitarbeiter des Grünen Zentrums war bereits Anfang Januar. Der Rohbau stand im Sommer davor. Jetzt wollte man den Einzug in das Gebäude am Holzkirchner Rudolf-Diesel-Ring gebührend feiern.

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Dabei scheint der Komplex ein Ort zu sein, an dem die Angestellten gerne arbeiten und Land- und Forstleute zur Beratung kommen. Eine ganze Reihe von Institutionen hat sich niedergelassen. Darunter das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), die Landwirtschaftsschule, die Waldbesitzervereinigung Holzkirchen oder der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern. Mit knapp zehn Millionen Euro hat der Verband als Bauherr das 5.000 Quadratmeter Nutzfläche umfassende Zentrum finanziert.

Schritt für Schritt zum Grünen Zentrum

Es war ein langer Weg bis zur Einweihung. Die Initialzündung für ein einziges Grünes Zentrum hatte Johannes Hütz gegeben, der damalige Amtschef des Landwirtschaftsamtes. Besser gesagt der beiden Ämter. Denn bevor es das neue Zentrum gab, leistete man sich in Miesbach und Wolfratshausen jeweils ein Landwirtschaftsamt und eine eigene Landwirtschaftsschule. Nachdem sich Hütz mit dem damaligen Bürgermeister Josef Höß zusammengetan hatte, war die Idee für ein Zentrum der kurzen Wege geboren.

Gestern – am Tag der offiziellen Einweihung – waren alle am Bau Beteiligten, Mitarbeiter sowie Vertreter aus Politik, Kirche und Behörden gekommen, um sich ein Bild zu machen vom Ergebnis. Neben Landrat Wolfgang Rzehak waren auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Staatsminister Helmut Brunner, Alexander Radwan sowie BBV-Präsident Walter Heidl gekommen.

Nach dem kurzen Gottesdienst und der Segnung wechselten sich Blasmusik und Festreden ab. Zum Schluss pflanzte man gemeinsam einen von Minister Brunner mitgebrachten Walnussbaum, ein Symbol für reichen Erntesegen.

Waren gekommen, um sich das Grüne Zentrum nebenan anzusehen: die Besucher im eigens aufgestellten Festzelt
Waren gekommen, um sich das Grüne Zentrum nebenan anzusehen: die Besucher im eigens aufgestellten Festzelt

Neben AELF-Chef Stefan Gabler sowie den Kreisbauernobmännern Hans Hacklinger (Miesbach) und Peter Fichtner (Bad Tölz) freute sich auch BBV Präsident Walter Heidl über den Meilenstein. Heidl betonte, wie wichtig es ist ist, die Landwirtschaft in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Die Bauern müssten wissen, dass sie gebraucht werden.

Und das Grüne Zentrum in Holzkirchen sei eine optimale Plattform sich zu präsentieren. Der besondere Vorteil sei, dass das neue Zentrum Organisationen, Verbände und Behörden unter einem Dach zu einem modernen, gut erreichbaren Dienstleistungszentrum zusammenführt. Auch wenn es ein langer Weg mit intensiven Diskussionen gewesen war, jetzt hätte man ein großes Miteinander im Zentrum.

Brunner warnt vor grenzenlosem Wachstum

Eine Lanze für Grüne Zentren – inzwischen gibt es zwölf bayernweit – brach auch Staatsminister Helmut Brunner. Als Zielsetzungen nannte er Zusammenarbeit und fachliche Kompetenzbündelung. So sollen denn auch die Chancen für die heimische Landwirtschaft wachsen. Laut Brunner soll jeder Betrieb – es gibt 2.300 im Einzugsgebiet Holzkirchen – seine Entwicklungsmöglichkeit bekommen:

Unsere Landwirtschaft ist modern, aber auch wertkonservativ.

So brachte der Minister es auf den Punkt. Neben den wirtschaftlichen Aspekten sei aber die landwirtschaftliche Philosophie auch eine Geisteshaltung. „Wie gehen wir mit dem um, was wir ererbt haben“, das stünde im Mittelpunkt eines Betriebes. Von „wachsen oder weichen“ – der Prämisse früherer Politiker – halte er nichts. Vielmehr sollten Betriebe über Diversifizierung und über mehrere Standbeine nachdenken. Dann spiele die Größe eines Betriebes nicht mehr die entscheidende Rolle.

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Drei Herausforderungen bewegen die Bauern laut Brunner besonders: die unbefriedigende Preispolitik. Die zunehmende Bürokratie in der Landwirtschaft mit Herausforderungen wie Mindestlohn und Arzneimittelgesetz. Aber auch gesellschaftliche Diskussionen wie Klima-, Boden- oder Wasserschutz sowie Tierwohl. „Wir haben das Gefühl dass sich immer mehr Menschen einmischen.”

So kritisierte er es. „Oder positiv ausgedrückt: die Gesamtbevölkerung nimmt mehr Anteil.“ Von den Verbrauchern forderte er mehr Akzeptanz an der Landwirtschaft. Von den Landwirten die Bereitschaft, sich auch an Öffentlichkeitsarbeit zu beteiligen: „Öffnet Stall und Hoftore und sucht das Gespräch mit Verbrauchern.“

Mit seinem Plädoyer für die „grüne“ Bauweise des Zentrums – der Komplex wurde in energetisch vorbildlicher Passiv-Holzhausbauweise erstellt – bot Brunner der nachfolgenden Staatsministerin Ilse Aigner ein Trittbrett für ihre kurze Rede zum Thema Energiewende und Kulturlandschaft. Sie machte darauf aufmerksam, dass die Landwirtschaft das prägende Element für unser Land sei.

Hier die Fotostrecke von der Einweihungsfeier:

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