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Holzkirchner Geschäfte rüsten auf

Langfingern ein Bein stellen

Von Laura Lorefice

Ladendiebstahl ist alles andere als ein Kavaliersdelikt und für den Einzelhandel ein oft unterschätzter Schaden. Doch die Holzkirchner Geschäfte rüsten aus aktuellem Anlass in Sachen Sicherheit jetzt auf. 

Die jüngst eröffnete Modeboutique "Dresscode" wird Videoüberwacht um Ladendiebstähle zu vermeiden. /Bild: ll
Keine Chance für Ladendiebe: Die jüngst eröffnete Modeboutique „Dresscode“ wird videoüberwacht /Bild: ll

Ladendiebstahl ist ein großes Thema – auch in Holzkirchen. Erst letzte Woche kam es in dem Traditions-Modehaus Jennerwein zu einem solchen Fall. Gleich vier Oberteile verschwanden an einem Tag. Ein Täter konnte durch eine Mitarbeiterin noch an der Tür gefasst werden. Die Warensicherungsanlage schlug Alarm.

Jährlich entstehen dem Geschäft circa 0,2 bis 0,3 Prozent Verluste durch Ladendiebe, erzählt Betreiberin Stephanie Jennerwein. Doch damit ist jetzt Schluss. Das Personal ist – nicht zuletzt durch den jüngsten Diebstahl – äußerst sensibilisiert und nimmt jede Kundin und jeden Kunden genau unter die Lupe. Jennerwein betont:

Unsere Mitarbeiter wurden speziell geschult. Zudem werden wir unsere bereits vorhandene Warensicherungsanlage verschärfen.

Somit wird jeder Langfinger bereits an der Tür erkannt.

Laut einer Studie entstanden dem deutschen Einzelhandel im vergangenen Jahr Verluste durch Warenschwund von rund fünf Milliarden Euro. Ladendiebstahl wird als Hauptursache angegeben. 2015 wurden deutschlandweit über 390.000 Ladendiebstähle angezeigt. Im Landkreis Miesbach gab es 2015 – im Zeitraum von Januar bis einschließlich Oktober – insgesamt 93 Diebstähle im Einzelhandel. 2016 waren es 86 Fälle, wie Andreas Guske, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, auf Nachfrage erklärt.

Auch in dem Holzkirchner Schreibwarenladen von Roland Strohmeier „wird immer mal wieder“ was geklaut, so der Betreiber. 2004 wurden gleich drei Türen aufgebrochen und Zigaretten sowie Stangenware mitgenommen. „Das ist schnelles Bargeld“, weiß Strohmeier. Der Schaden belief sich damals auf 628.000 Euro. Vier Jahre später kamen erneut Diebe. Diesmal durch das Schaufenster, durch welches ein schwerer Stein geworfen wurde. Der Schaden hier: 18.000 Euro. Die Kasse blieb jedesmal unberührt, da diese am Abend von den Mitarbeitern täglich leergeräumt wird. Seitdem hat das Schreibwarengeschäft verstärkte Sicherheitstüren und verriegelte Schlösser.

Härteres Vorgehen gegen Täter

Ebenso musste die jüngst eröffnete Modeboutique Dresscode in ihrem jungen Bestehen schon Erfahrungen mit Ladendieben machen. Betreiberin Natalie Fischhaber erzählt: „Ich war naiv und habe die Ware draußen am Eingang aufgehängt. Da wurden dann die zwei teuersten Jacken geklaut“.

Misstrauisch wurde sie, weil sich eine Kundin verdächtig lange am Eingangsbereich aufhielt und schließlich nichts kaufte. Als sie vor die Tür ging, um nach der Kundin zu sehen, war es schon zu spät. Doch die Polizei sei informiert, so Fischhaber. Zudem habe sie ihren Laden mit Überwachungskameras ausgestattet, weitere Sicherungsmaßnahmen werden hinzukommen. Teure Ware, die draußen ausgestellt wird, gehört der Vergangenheit an. Die Teile, die noch am Eingang hängen, stehen unter besonderer Beobachtung. Unternehmerin Jennerwein weiß:

Meist sind es die Kunden, von denen man es nicht denkt.

Doch solange man „vermeintlichen Dieben“ nichts nachweisen kann, ist die Polizei machtlos. Ein härteres Vorgehen gegen die Täter fordert auch der Handelsverband Deutschland (HDE). Immer weniger Händler würden nämlich einen Diebstahl bei der Polizei melden, so der Verband, weil die Strafverfahren oft ohnehin eingestellt werden würden.

Doch da sind die Gerichte auf die Gesetze angewiesen. Denn das jeweilige Strafmaß hängt nicht nur von der Schadenssumme und des Alters des Täters ab, sondern unter anderem auch von dessen Vorstrafen. Und jemand, der sich bislang nichts hat zuschulden kommen lassen, darf zunächst einmal auf mildernde Umstände hoffen. Doch ein Diebstahl in Holzkirchen – einem kleinen Ort in welchem sich Bürger, Unternehmer und Kunden persönlich kennen und die Ladenbesitzer ihre Sicherungsmaßnahmen nun ordentlich aufgerüstet haben – ist keine gute Idee.


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