Letzte Chance für Champagner-Dieb

von Michael Dalock

Zigaretten, Schmuck und Champagner gehören zu seinem Diebesgut: Der 46-Jährige, der unter anderem inWiessee beim Klauen erwischt wurde, hat einige Vorstrafen. Dennoch war es für das Amtsgericht eine knifflige Entscheidung: Gibt’s ein letztes Mal Bewährung?

Auf frischer Tat in Bad Wiessee erwischt: Ein Kleinkrimineller musste sich vor dem Amtsgericht in Miesbach verantworten.
Auf frischer Tat in Bad Wiessee erwischt: Ein Kleinkrimineller musste sich vor dem Amtsgericht in Miesbach verantworten.

Eine große Nummer war Florin S. nicht, eher der klassische Kleinkriminelle. Acht Verurteilungen hatte er schon hinter sich, nun stand der 46-Jährige wegen dreier Diebstahldelikte in Miesbach vor Gericht. Seit 1993 wurde er immer wieder gefasst und verurteilt. Seine “Spezialität” war klassischer Ladendiebstahl: eine Digitalkamera, Zigaretten, Schmuck, Alkohol, eine Autobatterie, Parfum.

Supermarkt-Mitarbeiter schnappen den Dieb

Zuletzt wurde der Münchner im Edeka Bad Wiessee beim Diebstahl von Champagner-Flaschen im Wert von über 390 Euro von zwei Mitarbeitern erwischt und aufgehalten. Die Polizei fand in seinem Auto dann weiteres Diebesgut: Auch in Tölz ließ er offenbar Champagner mitgehen, zudem warf ihm die Staatsanwaltschaft Handel mit gestohlener Ware vor. Dabei ging es um Jacken, die der Mann aus einem Outlet-Center in Bernau am Chiemsee entwendet hatte – immerhin im Wert von fast 1.200 Euro.

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Gleich am Anfang gestand Florin S. alle Taten. Er räumte sogar ein, die Jacken selbst gestohlen und nicht nur angekauft zu haben. Auch die Ausflüchte, die er gegenüber der Polizei bei der Festnahme in Bad Wiessee gemacht hatte, korrigierte der Angeklagte. Er wolle reinen Tisch machen und neu anfangen, so sein Anwalt. Dazu habe er auch selbständig einen Therapieplatz gefunden und die erste Sitzung bereits hinter sich gebracht.

Spielsucht und Depressionen: Rückfall nach Schicksalsschlägen

Bis 2009 litt der Angeklagte unter Spielsucht und Depressionen, die in Rumänien stationär und danach in Deutschland ambulant erfolgreich behandelt worden waren. Der Angeklagte erklärte seinen erneuten Rückfall mit schwierigen Lebensumständen. Nach einem Unfall habe er im Koma gelegen, jetzt könne er nur noch halbtags als Friseur arbeiten. Seine Frau lebt von ihm getrennt. Am schlimmsten sei jedoch, dass seine Tochter an Leukämie erkrankt sei.

Die Staatsanwaltschaft nahm das zur Kenntnis, forderte aber aufgrund der Vorstrafen eine Gesamtstrafe von 10 Monaten Freiheitsentzug ohne Bewährung. Florin S.’ Anwalt machte hingegen das volle Geständnis und die begonnene Therapie geltend und forderte eine Gefängnisstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Auch Richter Walter Leitner meinte, dass es sich beim Strafmaß hauptsächlich um die Frage handele, ob erneut eine Bewährung bewilligt werden sollte. 10 Monate Freiheitsentzug mit vier Jahren auf Bewährung lautete letztendlich das Urteil.

Leitner hatte sich entschieden, dem Angeklagten noch eine allerletzte Chance zu geben. In der Urteilsbegründung erklärte er, dass mit dem „überschießenden Geständnis“ – einem Geständnis also, das die Anklage übertreffe – und der gezeigten Reue deutlich geworden sei, dass der Kriminelle es mit seinem Willen zum Wandel seines Lebensstils ernst meine. Dazu kamen die besonderen Lebensumstände, die eigene Krankheit und die der Tochter, die den Angeklagten belasteten. Dafür habe er nun die Therapie angefangen, deren Durchführung eine der Bewährungsauflagen wurde.

Deutliche Warnung: Das war das letzte Mal

Zum Ende sprach der Richter den Angeklagten noch einmal direkt an und erklärte, dass er aber vor allem Glück gehabt habe. Bei der vorhergehenden Verurteilung sei nur eine erhöhte Geldstrafe ausgesprochen worden. Richter Leitner erklärte: „Der Sprung von Geldstrafe zu Freiheitsstrafe ohne Bewährung ist dem Gericht zu hoch. Daher erfolgt jetzt die Freiheitsstrafe mit langer Bewährungszeit.“

Er machte dem Dieb aber auch klar, dass ihm beim nächsten Mal nichts mehr helfe: “Dann wollen Sie es wissen und dann werden Sie es auch erfahren.”

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