Bund Naturschutz ruft zur "Earth Night" auf
Lichter aus am Tegernsee!

von Filiz Eskiler

Lichtverschmutzung nimmt immer weiter zu, Vorgaben des Volksbegehrens Artenvielfalt werden nicht überall umgesetzt und Insektenarten sind zunehmend bedroht. “Earth Night” ist eine Aktion, die zur Eindämmung der Lichtverschmutzung aufrufen möchte. Was steckt dahinter?

Die Aktion “Earth Night” ruft bundesweit dazu auf, am 7. September alle Lichter zu reduzieren oder auszuschalten – für eine natürlich dunkle Nacht.

Die Nacht ist für viele Insekten ein Kampf ums Überleben: „Straßenlampen, Autoscheinwerfer, Leuchtreklame, Flutlichter auf Parkplätzen, Tankstellen und Sportanlagen, Strahler auf Baustellen, Gewerbeflächen und Baudenkmäler – für nachtaktive Insekten können solche Lichtquellen zu Todesfallen werden, denn sie führen zum Zusammenbruch ihres angeborenen Orientierungsvermögens”, so die Kreisgruppe Miesbach des BUND Naturschutz. Eine bundesweite Aktion macht nun auf diese Tatsache aufmerksam.

Die Initiative „Paten der Nacht“ setzt sich ehrenamtlich für die Eindämmung der Lichtverschmutzung ein, und hat deshalb die Aktion “Earth Night” ins Leben gerufen. Gemeinsam mit dem BUND Naturschutz (BN) möchte man zum Umdenken bei künstlichen Lichtquellen anreizen. Dafür sei es höchste Zeit, verdeutlicht Manfred Burger, der Vorsitzende der BN Kreisgruppe Miesbach: „Von den in Deutschland vorkommenden Insektenarten sind etwa 70 Prozent nachtaktiv. Viele davon sind bereits in ihrem Bestand gefährdet“. Er fordert einen Umstieg auf Beleuchtungsalternativen, eine Verkürzung der Beleuchtungsdauer oder in bestimmten Fällen ganz auf nächtliche Beleuchtung zu verzichten. Außerdem stellt der BN fest:

Leider haben noch nicht alle Kommunen die Vorgaben des Volksbegehrens Artenvielfalt umgesetzt, dass Bauten der öffentlichen Hand zwischen 23 Uhr und der Morgendämmerung nur noch in Ausnahmefällen beleuchtet werden dürfen. Wir fordern deshalb alle Kommunen auf, das umzusetzen und unnötige Beleuchtung wo immer es geht dauerhaft abzuschalten.

Aber auch andere Institutionen und Einzelpersonen sind nicht ausgenommen, und können die Lichtverschmutzung reduzieren. Im Zuge der “Earth Night” sind alle Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, am 7. September, passend zu Neumond, ab 22 Uhr alle Lichter zu reduzieren oder abzuschalten. Weitere Informationen über die Hintergründe der Aktion könnt ihr hier nachlesen.

Todesfalle Licht – worin liegt das Problem?

Wieso künstliches Licht für so viele nachtaktive Insekten eine Todesfalle ist, liegt daran, dass sie auch bei sehr geringer Lichtstärke sehen können und sich vom Licht angezogen fühlen. Nachtaktive Schmetterlinge können beispielsweise auch den ultravioletten Teil des Lichtspektrums wahrnehmen. Sie reagieren am stärksten auf Licht, das der Mensch gerade noch als violett wahrnimmt, aber auch auf kurzwellige UV-Strahlen, die für uns schon unsichtbar sind. „Viele Lampen, die neben dem sichtbaren auch dieses UV-Licht ausstrahlen, ziehen deshalb Nachtfalter und andere Nachtinsekten besonders stark an und locken sie in riesigen Scharen aus ihren eigentlichen Lebensräumen heraus”, erklärt der Kreisgruppenvorsitzende.

Haben Insekten die künstliche Lichtquelle erst einmal entdeckt, umfliegen sie das Licht bis zur völligen Erschöpfung oder sie kollidieren mit der Lampe, werden angesengt und verletzen sich dabei tödlich. “Wer vor Erschöpfung zusammengebrochen ist, fällt oft seinen Fressfeinden zum Opfer. Nachtjäger wie Spitzmäuse, Igel, Kröten, Laufkäfer und Spinnen haben mit den erschöpften Insekten leichtes Spiel”, so die Kreisgruppe Miesbach. “Bei Tagesanbruch räumen dann die Vögel unter den noch immer erstarrt verharrenden Insekten auf, die sich an Hauswänden ausruhen oder am Boden liegen”. Dieser Kreislauf hat schließlich zur Folge, dass vor allem in der Stadt ganze Insektenpopulationen in kurzer Zeit zusammenbrechen können. “Das Massensterben der zum Licht gelockten Tiere kann nicht wettgemacht werden. Selbst scheinbar naturnahe Lebensräume in der Stadt verarmen so”, macht der BN deutlich.

Klare Forderungen

Die Kernforderungen bestehen daher darin, die Notwendigkeit von Beleuchtungen abzuklären, technische Maßnahmen zu treffen und die Ausrichtung und Platzierung von Leuchten anzupassen (jede Leuchte sollte grundsätzlich zum Boden gerichtet sein). Außerdem sind zeitliche Begrenzungen beim umweltgerechten Betrieb und weitere zusätzliche Maßnahmen gefragt, um dem Insektensterben Einhalt zu gebieten.


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