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„Oma Else startet durch“ - Letocha mit neuem Roman

Liebenswert langwierig

Von Rose Beyer

Sie sieht aus, wie man sich eine Oma eben so vorstellt: Brille, grauer Dutt, etwas fülliger von der Statur her, Blümchenkleid, Gesundheitsschuhe. Oma Else muss Thomas Letocha wohl an seine eigene Großmutter erinnert haben. So genau beschreibt der am Tegernsee geborene Autor die Hauptdarstellerin seines neuesten Romans.

Gebürtiger Tegernseer, Wahl-Münchner und -Berliner und Autor Thomas Letocha
Gebürtiger Tegernseer, Wahl-Münchner und -Berliner: der Autor Thomas Letocha.

Erwartete die Hauptfigur Else Westermann, genannt „Oma Else“, im ersten Band des Autors „Oma Else kann’s nicht lassen“ anfangs nicht mehr viel vom Leben, so ist nun im neuen, zweiten Band „Oma Else startet durch“ alles anders.

Auch dieses Buch beginnt, wie schon der erste Band, mit einer scheinbar ausweglosen Situation, in die sich Oma Else manövriert hatte. In seiner gewohnt spannend-unterhaltsamen Art schildert der Autor – der Tegernseer Thomas Letocha – im Rückblick, wie es Else schafft, in diese zu hineinzugeraten.

Mein Gott, Else, wie hast du das wieder hingekriegt? In meinem fortgeschrittenen Alter sollte man sich darauf konzentrieren, beim Essen nicht die Zähne zu verlieren, oder etwa darauf, einen Bus zu erklimmen. Aber was mache ich? Ich muss hier rumschleichen, um schließlich durch eine halb offene Kellertür in dieses Haus einzudringen und damit in der totalen Dunkelheit zu landen.

Dabei ist es erstaunlich, wie ein Mann um die 50 in die Rolle einer Frau mit über 80 Jahren schlüpfen kann. Fast würde man sich wünschen, der Schriftsteller, der als Regisseur auch zahlreiche Fernsehporträts und Dokumentationen realisiert hat, hätte „Oma Else“ verfilmt.

Jüngere Männer und ein Haus am Mittelmeer

Seit einigen Jahren ist Letocha auch als Romanautor tätig und umreißt mit amüsanter Situationskomik und grotesken Ereignissen die schrullige Hauptperson in all ihren Zügen. Sie, die sich trotz künstlicher Hüfte noch einwandfrei bewegen kann. Die viel übrig hat für das andere Geschlecht und offensichtlich auch bei jüngeren Männern noch gut ankommt. So genießt sie die Zeit mit dem wesentlich jüngeren Mario in ihrem kürzlich bezogenen Häuschen am Mittelmeer. Doch Mario verschwindet und es tritt ein neuer Mann in Elses Leben.

Ich muss zugeben, dass er mir irgendwie zu gefallen begann. Seltsam, aber es war so. Und während ich sinnierte, fiel mir auch ein, an wen mich mein unbekannter Besucher erinnerte. An einen berühmten Schauspieler, dessen Vorname Hardy ist.

Im Laufe der Geschichte bekommen die Leute um Else herum die Namen bekannter VIPs, weil sich die alte Dame so schlecht Namen merken kann. Aus Hans, einem Fremden, den Else eines Tages auf ihrem Sofa vorfindet, wird kurzerhand „Hardy“ (Krüger). Eine junge Tramperin wird zu Janis (Joplin).

oma_else

Reichlich bepackt mit ihren eigenen Erinnerungen und Meinungen geht es für Else, Hardy und Janis per VW-Bus vom Mittelmeer an die Nordsee. Einzig mit dem Ziel, den plötzlich ohne ein Wort verschwundenen Mario wiederzufinden. Nicht nur durch Hardys rasanten Fahrstil kommt wieder Schwung in Elses Leben und auf einer turbulenten Reise findet sie schließlich ihr großes Glück.

… streckenweise ein wenig langwierig

Mit genauen Beschreibungen skizziert der Autor seine Hauptdarsteller. In einer Art Rentner-Roadmovie lässt Letocha „seine Oma“ abenteuerliche Dinge erleben. Ganz abnehmen kann man ihm nicht alle Ereignisse. So ist sowohl Trampen als auch der Diebstahl ihres Fahrzeugs innerhalb kurzer Zeitspanne möglich.

Die Geschichte fängt interessant an. Und auch wer den ersten Band nicht gelesen hat, kann den Charakter der Oma Else und ihr Vorleben schnell erfassen. Streckenweise könnte man – verstrickt in die ausschweifenden Erinnerungen, Überlegungen und Meinungen von Oma Else – das Buch vor beginnender Langeweile auch mal weglegen.

Doch insgesamt dominieren die anregenden Szenen, die die Hauptdarstellerin als sympathische Protagonistin erscheinen lassen. Nicht nur die Charaktere, sondern auch die Handlungsorte werden genau beschrieben. Wer vom Tegernsee kommt, hätte sich vielleicht den einen oder anderen Bezugspunkt zur Ursprungsheimat des Autors gewünscht. Aber wenigstens kommt Oma Else auf dem Weg vom Mittelmeer – zumindest theoretisch – auch am Tegernsee vorbei.


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