„500.000 Übernachtungen mehr pro Jahr. Und daran werden wir uns auch messen lassen.“

Von Redaktion

Georg Overs im Gespräch

Ergänzung vom 21. Dezember / 14:33 Uhr
Wie angekündigt, haben wir die wichtigsten, kritischsten und am meisten gestellten Fragen zum Masterplan Tourismus aus den fünf Gemeinderatssitzungen zusammengetragen und dem Chef der TTT, Georg Overs, in einem Gespräch gestellt:

Tegernseer Stimme: Herr Overs, schaffen es TTT und ATS nicht mehr alleine, den Tourismus in der Alpenregion Tegernsee Schliersee anzukurbeln? Warum brauchen Sie externe Beratung?

Georg Overs (TTT): Wir könnten es alleine schaffen. Aber zum einen braucht man externe Hilfe, weil das Wort des Propheten im eigenen Land nicht immer was gilt. Gewisse Wahrheiten werden eben nicht gerne gehört. Und wir können uns da auch nicht immer so weit aus dem Fenster lehnen, wie wir es manchmal tun müssten.
Das zweite ist, dass wir der Meinung sind, dass vorhandene Fehlentwicklungen zügig aufgeholt werden müssen. Mit Project M, die uns beim Masterplan unterstützt haben, können wir gewisse Ziele einfach schneller erreichen.
Im übrigen ist das auch die Meinung der Gesellschafter, die dieser externen Beratung zugestimmt haben.

Tegernseer Stimme: Ist der Masterplan schon ausgereift oder doch eher ein Schnellschuß?

Georg Overs (TTT): An diesem Masterplan wurde über 1 Jahr gearbeitet. Insofern ganz klar kein Schnellschuß. Im übrigen reden wir hier von einem sehr fortgeschrittenen Planungsstand, denn jede Zahl in diesem Plan ist kalkuliert und hinterlegt.

Tegernseer Stimme: Der Großteil des Masterplans befasst sich mit Marketing und Planung. Wo bleibt die Umsetzung?

Georg Overs (TTT): Sobald im Januar der Plan in allen Gemeinden des Landkreises endgültig beschlossen ist, geht es los. Es werden Ausschreibungen gemacht, Aufträge vergeben und Personal eingestellt. Und dann wird sich die Wirkung entfalten.

Tegernseer Stimme: Beim Punkt Wintererlebnis wurde der Personalaufwand mit einer halben Million Euro angegeben. Finden Sie das nicht ein wenig übertrieben? Was ist darin enthalten?

Georg Overs (TTT): Wintererlebnis ist eines der wichtigsten der 12 Projekte, da wir in dieser Zeit die größten Belegungslücken haben und die Imageanalyse ergeben hat, dass die Region nicht ausreichend für den Winterurlaub steht. Daher haben wir ja schon jetzt diverse Maßnahmen ergriffen wie das Winteropening, die Weiße Woche, das Langlaufevent in Kreuth und einiges mehr.
Hier gilt es gemeinsam mit den Leistungsträgern neue Produkte zu entwickeln. Und hierfür ist Personal erforderlich, da wir dies ganz gerne in der Region bearbeiten möchten, und nicht einer Agentur überlassen.
Es sind also durchschnittliche Personalkosten von zwei Personen für 4 Jahre hinterlegt. Hinzu kommen noch einige Projekt- und Infrastrukturkosten. Als Beispiel möchte ich hier das landkreisweite Loipenkonzept anführen, welches bei uns im Tal gerade umgesetzt wird. Dieses muss dann im Endeffekt auch auf die übrigen Loipen und Gemeinden ausgedehnt werden. Und das kostet Geld und Zeit!

Tegernseer Stimme: Wird der barrierefreie Tourismus im Konzept berücksichtigt?

Georg Overs (TTT): Der barrierefreie Tourismus ist kein Leitprojekt und wird daher – wie gehabt – im vorhandenen Rahmen bearbeitet werden. Zugegeben in einer bergigen Region wie der unseren kein einfaches Thema.

Tegernseer Stimme: Kann es passieren, dass die Beherbergungsbetriebe bei „schlechter“ Leistung durch das Leitprojekt teilweise für unmündig erklärt werden?

Georg Overs (TTT): Wir wollen und müssen Betten bewahren. Da geht es also einerseits um Bestandspflege aber auch Bestandsausbau. Das bedeutet: Wir werden – zukünftig etwas verstärkter – die Betriebe beraten und bei ihrer Entwicklung unterstützen.
Jemanden bevormunden oder sogar vom Markt nehmen kann und wird die TTT oder die ATS nicht. Und das wäre auch das falsche Signal.

Tegernseer Stimme: Der Masterplan kostet voraussichtlich 900.000 Euro pro Jahr. Ist dieser Betrag nach oben hin gedeckelt?

Georg Overs (TTT): Ja, es handelt sich hierbei um eine Obergrenze.

Tegernseer Stimme: Auf die fünf Talgemeinden kommen also nochmals Kosten – zusätzlich zu denen, die Sie bereits erheben – hinzu. Wie ist das gerechtfertigt?

Georg Overs (TTT): Vieles von dem was im Budget für den Masterplan einkalkuliert ist, hätten die Gemeinden so oder so bezahlen müssen. Zum Beispiel die Verbesserung der Infrastruktur in den Leitprojekten. Und das gilt gerade für die Orte im Tegernseer Tal, wo es ja schon entsprechende Bereitschaft gab.
Die Rechtfertigung für die Kosten resultiert am Ende aber aus der Steigerung der Übernachtungszahlen. 500.000 in 10 Jahren. Das ist zwar ein ambitioniertes Ziel. Aber daran werden wir uns messen lassen. Entscheidend ist aber wie immer die Wertschöpfung aus Übernachtungs- und Tagestourismus.

Tegernseer Stimme: Müssen denn die Beherbergungsbetriebe im Tal mit der Umlage der Kosten über den Kurbeitrag rechnen?

Georg Overs (TTT): Erhöhungen sind im Moment nicht geplant. Die Summen werden einzig und allein aus dem Gemeindehaushalt finanziert.

Tegernseer Stimme: Auch eine Frage, die immer wieder kommt: Wie ist das Controlling geplant und wer übernimmt die Kontrolle über Zeit und Budget?

Georg Overs (TTT): Wir sind angehalten Unterlagen für die Gemeinden zur Verfügung zu stellen, die eine Kontrolle überhaupt erst ermöglichen. Und letztendlich kommt die Kontrolle beim Masterplan von den Organisationen, die das ganze bezahlen. Also aus den Gemeinden, dem Landkreis und schlussendlich auch durch die Sparkasse, die ja ein Drittel der Kosten übernimmt.

Ursprünglicher Artikel vom 19. Dezember mit der Überschrift: Masterplan Tourismus am Tegernsee oder das PROJECT M: „Liebe sieht anders aus“

Der Masterplan hat in den letzten beiden Wochen die Gemeinden rund um den Tegernsee beschäftigt.

Zugegebenermaßen, das Thema PROJECT M – wie der Masterplan Tourismus auch genannt wird – ist nicht mehr brandaktuell. Es stand in den letzten 2 Wochen sogar schon ein paar Mal in der Zeitung. Geht es doch um ein landkreisweites Leuchtturm-Projekt mit hohen Kosten und einem großen Spannungspotential.

Warum also so spät? Aus zwei Gründen: Erstens hatte Rottach-Egern als letzte der 5 Talgemeinden erst in der vergangenen Woche entschieden ob es beim Masterplan mitmacht und zweitens wollten wir wirklich alle Informationen zusammentragen und den Lesern zur Verfügung stellen, bevor wir über das Thema schreiben.

Denn einfach wird es nicht werden den Masterplan umzusetzen. So zumindest der Eindruck aus den in den letzten beiden Wochen stattgefundenden Gemeinderatssitzungen der Talgemeinden. Die Räte hatten einerseits viele Fragen. Aber andererseit noch mehr Kritik auf Lager. Teilweise hatten die Diskussionen zum Masterplan das Ausmaß einer grundsätzlichen Abrechnung mit der Arbeit der TTT angenommen. Zweifel an Kompetenz und Führungsfähigkeit der Verantwortlichen eingeschlossen.

Bis 2020 sollen die Übernachtungszahlen um 500.000 steigen

Sicher, der Plan ist ehrgeizig. Und mit 900.000 Euro jährlich bis zum Jahr 2014 auch kein Schnäppchen. In dieser Summe sind zwar die Infrastruktur- und Planungskosten für Beschilderung und Möblierung von Routen und Wegen, Personalkosten, Marketingkosten und Beratungskosten enthalten. Aber die Mittel für dieses Projekt sind zusätzlich zu den laufenden Kosten des normalen Tourismusmarketings aufzubringen. Und das bedeutet heruntergebrochen auf die einzelnen Gemeinden im Tegernseer Tal: 20.000 bis 30.000 Euro pro Jahr zusätzlich. Abhängig von der Größe der Gemeinde.

Das Ziel dabei ist es den Landkreis Miesbach touristisch auf Vordermann zu bringen und zu einer „Premium-Destination“ zu entwickeln. Oder um es mit Zahlen und den Worten von Georg Overs, Chef der TTT, auszudrücken:

Wir möchten landkreisweit die Zahl der jährlichen Übernachtungen bis zum Jahr 2020 von 2,5 auf 3 Millionen steigern.

Um das zu erreichen hat sich der Landkreis zwölf Leitprojekte einfallen lassen:

1. Marken sichtbar werden lassen
2. Gemeinsame Marketing- und Mediaplanung
3. Informationsoffensive
4. Integration Tourismusstrukturen
5. Umsetzung
6. Infrastruktur
7. Entwicklung der Beherbergungsbetriebe
8. Entwicklungsplanung Wandern
9. Entwicklungsplanung Mountainbike
10. Entwicklungsplanung Gesundheit
11. Wintererlebnis
12. Entwicklungsplanung Nordlandkreis

Aber nicht nur die Projekte sind teilweise umstritten, sondern auch und vor allem die Zusammenführung der TTT und der ATS (Alpenregion Tegernsee-Schliersee) wird von vielen Gemeinderäten sehr kritisch beäugt.

Wichtigstes und am meisten kritisiertes Vorhaben: Zusammenführung der Organisations- und Marketingstrukturen

Und da ist es auch egal ob in Kreuth, Tegernsee, Gmund, Rottach-Egern oder Bad Wiessee diskutiert wurde. Die Befürchtung, dass durch die Zustimmung zum Masterplan auch gleichzeitig „der Weg in Richtung Zusammenführung der ATS und der TTT geebnet wird“ war allgegenwärtig.

10 Fragen auf die es auch klare Antworten geben muss

Zwar bemühten sich die Bürgermeister, teilweise unterstützt vom omnipräsenten Georg Overs, um größtmögliche Aufklärung und wiederholten immer wieder, dass hier kein Automatismus geschaffen werde. Doch meistens blieb der emotionale Durchbruch aus.
Die Gemeinderäte stimmten zwar am Ende mehrheitlich für das Konzept und für die Kostenübernahme. Doch „Liebe sieht anders aus“ so eine Aussage eines Rates, geäußert gegenüber der Tegernseer Stimme. Genauso wie eine andere Aussage, die so mehr oder weniger in jeder Sitzung fiel und die das Dilemma klar auf den Punkt bringt:

Zuerst soll die TTT doch bitte schön ihre Hausaufgaben machen und für mehr Übernachtungen im Tal sorgen. Danach kann man sich irgendwann mal wieder mit irgendeier Integration beschäftigen.

Die drängendsten Fragen aus den fünf Gemeinderatssitzungen haben wir zusammengetragen und um ein paar eigene Fragen ergänzt. Herausgekommen sind dabei 10 „offene“ Punkte:

– Schaffen es TTT und ATS nicht alleine, den Tourismus im Tegernseer Tal und in Schliersee anzukurbeln?
– Ist der Masterplan schon ausgereift?
– Der Großteil des Masterplans befasst sich mit Marketing und Planung. Wo bleibt die Umsetzung?
– Beim Punkt Wintererlebnis wurde der Personalaufwand mit einer halben Million Euro angegeben. Finden Sie das nicht ein wenig übertrieben? Was ist darin enthalten?
– Wird der barrierefreie Tourismus im Konzept berücksichtigt?
– Werden die Beherbergungsbetrieb durch das Leitprojekt nicht für unmündig erklärt?
– Der Masterplan kostet voraussichtlich 900.000 Euro. Ist dieser Betrag nach oben hin gedeckelt?
– Wie ist das Controlling geplant? Wer übernimmt die Kontrolle über Zeit und Budget?
– Auf die fünf Talgemeinden kommen nochmals Kosten – zusätzlich zu denen, die Sie bereits erheben – hinzu. Wie ist das gerechtfertigt?
– Müssen die Beherbergungsbetriebe im Tal mit der Umlage der Kosten über den Kurbeitrag rechnen?

Diese 10 Fragen haben wir Georg Overs in einem ausführlichen Gespräch vorgelegt. Seine Antworten gibt es in einem eigenen Artikel am Dienstag.

Das komplette Konzept kann man sich übrigens auch als PDF herunterladen. Gerade die Analyse der Vergangenheit und des Status Quo ist sehr interessant. Wird einem doch klar vor Augen geführt, warum und in welchem Maße es mit den Übernachtungszahlen im Landkreis aber auch ganz explizit im Tegernseer Tal zurückgegangen ist.

Der Masterplan für den Landkreis Miesbach zum runterladen.


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