Menschen im Tal: Bernward Schlinker – der letzte Kino-Betreiber am Tegernsee

Von Redaktion

Bernward Schlinker betreibt in Weissach das letzte Kino im Tegernseer Tal

Das mittlerweile einzige Kino im Tegernseer Tal liegt in Weissach. Beschaulich eingebettet zwischen dem dortigen McDonalds und einem Supermarkt im Untergeschoss des Ärztezentrums.

In Weissach steht aber kein Kino-Center, wie man sie aus Tölz oder Hausham kennt. Mit 200 Plätzen und zwei Sälen trifft es die Beschreibung „Programm-Kino in Familienbetrieb“ am besten. Der Besitzer Bernward Schlinker betreibt es seit über 20 Jahren.

Wie er dazu kam und wie es sich anfühlt der letzte verbliebene zu sein, hat uns Herr Schlinker in einem kurzen Gespräch erzählt:

Sie betreiben das Kino hier in Weissach seit über 20 Jahren. Wie lange sind Sie schon insgesamt im Kinogeschäft tätig?
Man kann sagen: ich bin im Kino groß geworden. Mein Großvater hat sein erstes Kino vor über 100 Jahren aufgemacht. Seither leben wir vom Kino. Mein erstes Eigenes habe ich dann 1962 oder 1963 hier in Tegernsee gehabt – wann das genau war, weiß ich leider nicht mehr. Zu der Zeit gab es noch 8 oder 10 Kinos hier im Tal. Naja, das war eben eine andere Zeit.

Was hat sich seither im Kinogeschäft geändert?
Bis darauf, dass ich der einzig verbliebene bin? Eigentlich nicht viel. Man kommt irgendwie über die Runden.

Kommen Ihre Besucher hauptsächlich aus dem Tal?
Viele schon. Die verteilen sich ganz gut auf die Gemeinden. Wir haben aber auch viele Besucher aus Österreich. Aus Bad Tölz. Und sogar aus Bayrischzell kommen manche. Das freut mich fast am meisten. Immerhin fahren die bis hier raus, anstatt einfach nach Hausham ins Kino-Center zu gehen. Das wäre viel näher für die.

Was denken Sie, an was das liegt?
Wir spielen anspruchsvolles Kino und die besten Mainstream-Filme. Einfach Filme, die auch zu unserem Kino passen.

Sie haben in unserem kurzen Vorgespräch von Prominenten gesprochen, die immer wieder in Ihr Kino kommen. Können Sie uns da Namen verraten?
Ungern. Aber Gunther Sachs ist ab und an bei uns. Maria Furtwängler kommt vorbei, wenn Sie in Ihrem Haus in Bad Wiessee ist. Und Uli Hoeneß war zweimal hintereinander da. Dann aber nie wieder. Keine Ahnung warum. Vielleicht hat er jetzt ein eigenes Kino in seiner Villa.

Warum kommen die „großen Namen“ gerade zu Ihnen?
Ganz einfach wegen den Filmen.

Vielleicht auch noch wegen etwas anderem?
Keine Ahnung. Fragen Sie sie. Ich denke die Filme sind Grund genug. Meinen Sie nicht?

Eine ganz andere Frage. Werden Sie von der Gemeinde oder der TTT in irgendeiner Form unterstützt? Gerade als „Angebot für Touristen und Einheimische“?
Das ist eigentlich ganz in Ordnung. Ich darf überall Plakate aufstellen. Natürlich wäre es für das Geschäft bestimmt gut, wenn mich die TTT auf deren Webseite mit aufnehmen würde. Das würde bestimmt noch ein paar Besucher bringen.

Sind Sie eigentlich gerüstet für das digitale Zeitalter, Stichwort 3D-Kinos?
Ich sag mal so. Wir sind dran. Das kostet aber viel Zeit und Geld, da die Vorlaufzeiten bei mindestens 6 Monaten liegen. Bis zum Jahresende haben wir aber vielleicht schon was.

Und wie fühlt es sich an der „letzte verbliebene“ zu sein?
Einsam.

Herr Schlinker, wir danken für das Gespräch.

Hier noch einige Impressionen aus dem Kino.

Einer der beiden Säle mit neuer Bestuhlung
Der Popcorn-Verkauf. Daneben die Kasse
Die Kasse
Nachmittags-Vorstellung


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