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Wie eine Waakirchnerin ein altes Handwerk aufleben lässt

Mieder mal anders

Von Rose Beyer

Mit dem Stichwort „Mieder“ verbinden viele Menschen ein kunstvoll genähtes Kleid – zum „Ausrucka“ an den diversen Festtagen im Tal.

Doch die altehrwürdige Miedertechnik kann man auch ganz anders interpretieren. So wie Barbara Wimmer aus Waakirchen.

Taschen und mehr verkauft Barbara Wimmer auf den Märkten
Taschen und mehr verkauft Barbara Wimmer auf den Märkten.

Ein Einfamilienhaus in Waakirchen. Handgestrickte Schafwollkissen auf der Kachelofenbank in der Stubn. Dort packt Barbara Wimmer gerade ihre Ware, die sie demnächst auf den Märkten in der Region anbieten will.

Sie riecht nach frischem Leder. „BaWi“ – ihre Initialien – wählte die gebürtige Waakirchnerin als Namen für ihr Kunsthandwerk. „Zu der Idee kam ich wie die Jungfrau zum Kind“, erinnert sich die 57-Jährige. Als sie ein Geburtstagsgeschenk für ihre Schwester gebraucht hatte, fand sich nicht das Rechte.

Altes Handwerk neu interpretiert

Warum nicht einfach selbst ein Geschenk anfertigen? Barbara Wimmer setzte sich an ihre Nähmaschine und entwarf ihre erste Handtasche in Miedertechnik. Das war im Jahr 2010. Hellauf begeistert waren Freunde und Bekannte von dem Modell.

Sowas gibt’s noch nicht, mach’ doch mehr draus!

Barbara Wimmer nahm das als Aufforderung. Die Technik der Miederschneiderei bildet die Grundlage für ihre Produkte: Taschen, Hosenträger, Gürtel und Geldbörsen. Es ist eine uralte Technik, die sie von einer erfahrenen Schneiderin gelernt hat. Das Material ist meist schwarze Altlasseide. Aber auch andere, gedeckte Farben nimmt die Waakirchnerin gern.

Vier Lagen sind es, die „BaWi“ zusammenfügt: Seide, Baumwollgewebe zur Festigung, Baumwollkörper und Steifleinen. Auf dieses werden die Muster aufgezeichnet und dann abgesteppt. Zwischen Baumwollkörper und Steifleinen füllt sie später in aufwendiger Handarbeit unter anderem Reiskörner ein. Ihre Nähmaschine, eine Pinzette, eine Stahlnadel zum Vorstechen des Steifleinens und ihre Brille sind die wichtigsten Werkzeuge, die sie hat. Zum Schluss alles noch fein versäubert. Dann kann das Miederteil weiterverarbeitet werden.

Die Technik ist aufwändig, macht aber auch viel Spaß
Die Technik ist aufwändig, macht aber auch viel Spaß.

An die acht Stunden investiert Wimmer in ein Miederteil. Eine Tatsache, die erklärt, warum sie ihre Produkte niemals in Serie produzieren könnte. Die Technik sei zu aufwändig. Waren ihre ersten Taschen noch komplett aus Stoff, so ergab sich auf einem Trachtenmarkt bald die Zusammenarbeit mit einem Feintäschner, der BaWis Miederteile weiterverarbeitet.

Heute fertigt die Waakirchnerin ihre Stoffarbeiten nach ihren Vorstellungen – und denen der Kunden. Feintäschner Uli König integriert sie in die rinds- und kalbsledernen Taschen. „Das macht sie unempfindlicher und kompakter“, erklärt Wimmer. Alle Taschen, die sie entwirft, sind Unikate. Und das ist auch Absicht. „Es sollen Einzelstücke bleiben.“

Wann „BaWi“ auf welchen Märkten verkauft – und dort auch ihre Nähtechnik präsentiert – erfährt man unter www.bawi-kunsthandwerk.de.


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