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Investor reagiert "durchaus positiv" auf Anfrage der Stadt Tegernsee

Mitarbeiterwohnungen für den See?

Von Sabiene Hemkes

Wohnungsnot bringt den Tegernseer Stadtrat auf ganz neue Gedanken. Ein Investor soll der Seegemeinde bei der Unterbringung von Mitarbeitern aus sozialen Einrichtungen am südlichen Tegernsee unter die Arme greifen. Bürgermeister Hans Hagn gibt hier einen Einblick in den geplanten Deal.

Enstehen in der Perronstrasse jetzt dringend benötigte Personalwohnungen für das südliche Tegernseer Tal?

Am 20. April haben wir über die überraschende Aussage vom Tegernseer Gesundheitsinvestor Claus Burkhart berichtet. Burkhart, der in Bad Tölz sein „Frischzellentherapie-Zentrum“ betreibt, baut im Tegernseer Süden seit 2017 ein Sanatorium und eine Rehaklinik. In einer Antwort auf eine TS-Anfrage informierte er, dass die Stadt in gebeten habe zu prüfen, ob er nicht Personalwohnungen statt Rehabetten erbauen wolle.

In einer ersten Stellungnahme bestätigte Bürgermeister Hans Hagn gestern die Anfrage der Stadt. In einem Interview mit der TS spricht der Bürgermeister über die Motivation für den überraschenden Schritt der Tegernseer Räte.

TS: Wann kam Ihnen (dem Stadtrat) die Idee, bei Herrn Burkhart bezüglich der Personalwohnungen vorzusprechen?

Hans Hagn: Seit 2020 sind einige KollegInnen und ich über unser Kreistagsmandat als Aufsichtsräte des Seniorenzentrums „Der Schwaighof“ bestellt.

Uns allen wurde nach Übernahme der Aufgabe seitens der dortigen Leitung schnell klar gemacht, dass eines der Hauptprobleme der Mangel an Betriebswohnungen ist.

Durch die räumliche Nähe kam mir die Idee Herrn Burkhart anzusprechen.

TS: Bei den Vorgaben der Stadt für die Bebauung hieß es 2015/2016 noch, dass es ausgeschlossen sei, dass auf dem Gelände des ehemaligen Erholungsheimes überhaupt Wohnungen entstehen.

Hans Hagn: Das ist korrekt. Wir wollten und wollen hier keine hochpreisigen Eigentums- oder Mietwohnungen. Wir brauchen Wohnungen, die einer bestimmten Zielgruppe dienen sollen.

Es ist ja auch im Interesse der Klinikbetreiber vor Ort, dass die Mitarbeitenden Wohnraum haben. Es handelt sich hier dann ja durchaus um einen Standortvorteil.

TS: Warum sind nun Wohnungen so viel dringender benötigt als Betten oder Jobs am Tegernsee?

Hans Hagn: Um eine Arbeitsstelle besetzen zu können, muss für die Mitarbeitenden auch Wohnraum zur Verfügung stehen. Durch die neuen Hotelprojekte werden schließlich auch Arbeitsplätze geschaffen, die nicht von Einheimischen übernommen werden. Daher würde diese Maßnahme auch der Entlastung des Wohnungsmarktes dienen.

TS: Handelt es sich bei diesen Wohnungen explizit um Personalwohnungen oder sind auch Eigentums- oder gar Einheimischen-Wohnungen möglich?

Hans Hagn: Wie bereits erläutert, soll dieser Wohnraum für eine bestimmte Zielgruppe zur Verfügung stehen. Daher werden Eigentumswohnungen oder frei vermietbare Wohnungen nicht möglich sein. Dies wird vertraglich gesichert.

TS: Sollten dort Personalwohnungen entstehen: Für welche Betriebe sind diese Personalwohnungen nötig/angedacht?

Hans Hagn: In erster Linie denke ich hier natürlich an das Seniorenzentrum sowie die Klinikgebäude vor Ort. Aber auch an Gastronomiebetriebe aus der näheren Umgebung.

TS: Ist geplant, die Wohnungen nur Tegernseer oder auch anderen Unternehmen im Landkreis Miesbach zur Verfügung zu stellen?

Hans Hagn: Wenn ich hierauf Einfluss nehmen könnte, dann nur für Betriebe der näheren Umgebung, um damit auch den Verkehr verringern zu können. Ob und wie wir hier Einfluss nehmen können, muss noch geklärt werden.

TS: Wie hat Herr Burkhart auf Ihre Anfrage reagiert?

Hans Hagn: Zunächst zurückhaltend. Nachdem einigem Nachdenken dann durchaus positiv.

TS: Stimmt es, dass es 48 Zwei-Zimmerwohnungen werden sollen, wie Herr Burkhart uns geschrieben hat?

Hans Hagn: Hierzu müssten Sie bitte Herrn Burkhart fragen. Derzeit sind wir in Vorgesprächen und werden, im Falle einer Einigung, die Angelegenheit dann öffentlich im Stadtrat beraten. Zu diesem Zeitpunkt wird dann auch bekannt sein wie viele Wohnungen in welchen Größen entstehen.

TS: Bei 48 Wohnungen wird aber doch ein Gebäude der drei geplanten gar nicht ausreichen, oder? Wird der Bau eines zusätzlichen Gebäudes in Erwägung gezogen?

Hans Hagn: Auf keinen Fall. Es soll eines der genehmigten Gebäude für diesen Zweck dienen. Das Gebäude darf nicht größer werden als bereits genehmigt.

TS: Wie gestaltet sich die Parkplatzsituation, sollten die Wohnungen realisiert werden? Die geforderten Parkplätze für die beiden Gebäude der Klinik reichen bei 48 zusätzlichen Wohnungen doch nicht mehr aus?

Hans Hagn: Auch das bedarf noch der Prüfung und Beratung im Stadtrat.

TS: Wie geht es weiter – vorausgesetzt, der Investor kommt Ihrer Anfrage nach?

Hans Hagn: Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen müssen geklärt werden.

Nachdem wir hier nicht von hochpreisigem Wohnraum sprechen, wird die Wirtschaftlichkeit eines der Hauptkriterien für den Investor sein.

Seitens der Stadt würde dann der entsprechende Vertrag erstellt sowie das weitere Verfahren angestoßen. Das letzte Wort hat schließlich der Stadtrat.

Wir danken Hans Hagn für das Interview


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