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Moosbach soll neuer Lagerhalle weichen

Bund Naturschutz kritisiert Vorhaben

Von Redaktion

Ökonomischer Pluspunkt oder ökologisches Problem? Der Baustoffgroßhändler Stang plant in Moosrain eine neue Lagerhalle und hat schon vor längerem einen Antrag auf Änderung des Bebauungsplans gestellt. Von Seiten der Gemeinde gibt es dafür nun grünes Licht.

Doch nicht jeder sieht das Vorhaben positiv: Neben den Grünen übt auch der Bund Naturschutz Kritik und wirft der Gemeinde vor, das vorhandene Biotop den wirtschaftlichen Erfordernissen zu opfern.

Der Moosach soll künftig links des Gebäudes vorbeigeführt werden.
Die Firma Stang in Moosrain will eine neue Lagerhalle errichten. Dafür muss der Moosbach verlegt werden.

Der Baustoffhandel Stang will in Moosrain eine neue Halle bauen und damit seine Lagermöglichkeiten vergrößern. Dies ist notwendig, da sich der Betrieb laut Geschäftsführung in letzter Zeit sehr positiv entwickelt und das Umschlagsvolumen deutlich zugenommen hat. Die neue Halle soll 41 mal 22 Meter groß werden. Wie berichtet ist das Vorhaben jedoch nicht ganz unumstritten, da der Bachlauf des Moosbachs dafür verlegt werden muss.

Trotz allem hat die Gemeinde Gmund den Neubau jedoch nun endgültig auf den Weg gebracht. In der Sitzung des Ortsplanungsausschusses am vergangenen Dienstag wurde das Vorhaben genehmigt. Es erfolge nun noch die öffentliche Auslegung, auch müsse ein wasserrechtliches Verfahren abgewartet werden, so Christine Lang vom Gmunder Bauamt.

Wie Georg Rabl, Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Gmund, bereits im April 2013 im Gemeinderat betonte, trägt das Projekt zur „Standortsicherung und Wirtschaftsförderung im Ortskern“ bei und sei daher eine sehr sinnvolle Sache.

„Ein ökologischer Skandal“

Doch nicht jeder kann sich für die Baupläne begeistern. Für Grünen-Gemeinderätin Helga Wagner ist das Ganze „ein ökologischer Skandal.“ Der Moosbach soll nach den neuen Plänen zukünftig nicht mehr rechts, sondern links an einem kleinen Wald am Rande des Grundstücks vorbeiführen. Für Wagner rechtfertigten die mit dem Bau verbundenen und für die Gemeinde gewinnbringenden Gewerbesteuern keinesfalls einen solchen Eingriff in die Natur.

Der Bund Naturschutz und die Untere Naturschutzbehörde hatten bereits im Zuge der ersten, frühzeitigen Auslegung im Juni 2013 Einwände gegen das Projekt erhoben. In der Stellungnahme des Bund Naturschutz, die der Tegernseer Stimme vorliegt, heißt es:

Der Bund Naturschutz (BN) lehnt die vorliegende Planung ganz entschieden ab. Er hält sie wegen der damit verbundenen Zerstörung geschützter Landschaft, insbesondere geschützter Biotope, für nicht mit den Bayerischen Naturschutz- Gesetzen und Bestimmungen vereinbar.

Im weiteren Verlauf des Gutachtens wird diese Haltung auch detailliert begründet. Demnach sei der Moosbach als schützenswerter Biotop kartiert. Da der rechte Uferbereich durch den bereits bestehenden Bau schon jetzt zum Teil stark gestört ist, fürchtet man durch eine Verlegung weitere negative Auswirkungen für das Biotopgebiet. Es sei unverständlich, so der BN weiter, dass die zuständigen Behörden hier beim Bau und Betrieb des derzeitigen Firmengeländes einen Schutz des kartierten Biotops nicht durchsetzen konnten. „Die Zerstörung dieses Biotops auf knapp 100 m Länge ist nicht hinnehmbar“, heißt es in der Stellungnahme.

Der Bach wird auf der anderen Seite um das Waldstück herumgeführt.
Der Bach wird auf der anderen Seite um das Waldstück herumgeführt / Quelle: Gemeinde Gmund

Durch den Bau der neuen Halle befürchten die Vertreter des Bund Naturschutz nun eine Zerstörung der vorhandenen bachbegleitenden Vegetation. „Der zu beseitigende Auwald-Teil kann mit Sicherheit nicht einfach an neuer Stelle wieder hergestellt werden. Wertvolle Pflanzengesellschaften würden verloren gehen“, betont der stellvertretende Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Miesbach, Werner Fees.

„Wegzwacken“ und wiedergeben

Die Verlegung des Bachlaufs diene alleine dem Ziel, Bauland zu schaffen, so Fees weiter. Er wirft der Gemeinde Gmund daher eine unzureichende Planung und eine fehlende Berücksichtigung der Schutzbestimmungen für die Biotopfläche und das angrenzende Landschaftsschutzgebiet vor. Aus dem Gmunder Rathaus hieß es gestern, dass ein entsprechender Umweltbericht gerade überarbeitet werde. „Wichtige Punkte sind hierbei unter anderem die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP), die Grünordnung sowie eine notwendige Ausgleichsfläche“, so Bauamtsleiterin Christine Lang.

Firmengeschäftsführer Harald Stang ist sich indes bewusst, dass „der Natur was weggezwackt wird“. Ein sensibler Umgang mit der Umwelt sei seiner Firma aber sehr wichtig. Man wolle daher der Natur lieber mehr zurückgeben als weniger und habe selbst den Kontakt mit dem Bund Naturschutz gesucht, betont Stang. „Wir leben hier, arbeiten hier und sehen unsere Zukunft hier.“ Er blickt der noch anstehenden weiteren Auslegung daher optimistisch entgegen.

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