Kripo-Chef: "Wir haben bestimmt noch 40 bis 50 Ordner Arbeit vor uns"

Mord in Rottach: Tatmotiv Habgier?

Von Nina Häußinger

Der grausame Mord ist aufgeklärt. Nun geht es unmittelbar weiter zum nächsten Fall. So zumindest suggeriert es das Fernsehen. Die Realität im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an der Rottacher Boutiquebesitzerin Ursula M. ist dabei komplexer und wesentlich arbeitsausfwändiger, das macht Kripo-Chef Johann Schweiger klar.

Alleine die Befragungen von zehn bis 20 Personen aus dem Umfeld der 48-Jährigen Täterin dürften noch einige Zeit andauern. Und dann ist da auch noch die Schuldfähigkeit der Frau. Man könne, so Schweiger, nicht alles glauben, was gesagt wird. Beweise müssen her. Und das erfordert akribische Ermittlungsarbeit.

Ganz rechts: Hans Schweiger, Leiter der Kripo Miesbach ehrt den Zeugen eines Überfalls.

Der ganze Landkreis atmet auf und ist froh, dass der Mord an der Boutiquebesitzerin Ursula M. nach wochenlangen Ermittlungen endlich aufgeklärt wurde. Die Polizei hat ihre größte Pflicht erfüllt und die Mörderin, eine 48-Jährige Wiesseerin gefunden. Damit, könnte man meinen, ist deren Arbeit erfüllt.

Ganz so einfach ist das aber doch nicht, wie uns Kripo-Chef Johann Schweiger vor zwei Tagen bereits kurz erklärt hat. Heute konnten wir mit Schweiger ein ausführliches Gespräch zu dem weiteren Ablauf der Ermittlungen führen:

Das läuft ja nicht wie bei den Kriminalfällen im Fernsehen, wo man von einem zum nächsten Fall hüpfen kann. Wir müssen alles genau nachprüfen und auch schriftlich festhalten.

Gerichtsmedizin geht allen Spuren nach

Als Erstes müssen alle Gegenstände der Mörderin sichergestellt werden, erklärte der Kripo-Chef weiter. Vom Handy bis zum Laptop werde alles auf Spuren untersucht. Dazu kommen dann die Spuren vom Tatort selber, die laut Schweiger im Moment noch bei der Gerichtsmedizin liegen.

Alle Gegenstände müssten dann in eine sinnvolle Reihe gebracht werden, so dass am Ende alles zusammenpasst.

Die Spuren am und im Umfeld des Tatortes sind noch nicht alle ausgewertet.

Parallel dazu werden Personen aus dem direkten Umfeld der Täterin befragt. Verwandte und Freunde sollen alles über Kindheit, Jugend, Entwicklung und eventuelle Einschnitte im Leben der 48-Jährigen berichten, um so die Ursache der Tat zu konkretisieren. Das auf den ersten Blick offensichtliche Motiv Habgier ist dabei noch lange nicht ausgemacht. Schweiger sieht dafür vor allem das Umfeld der Frau als wichtigen Indikator:

Es müssen immer noch zwischen zehn und 20 Leute befragt werden. Danach ziehen wir Bilanz, auch in Absprache mit der Staatsanwaltschaft. Wenn das immer noch nicht genügt, werden es noch mehr Personen, die sich einer Befragung unterziehen müssen.

Prüfung der Schuldfähigkeit

Eine sehr wichtige Komponente, sei auch die Schuldfähigkeit der Frau. Um diese zu prüfen wird ein ärztliches Artest erstellt, dass eventuelle psychische Beeinträchtigungen und die damit verbundene Schuldmilderung offen legen soll. Zudem müsse das Geständnis unbedingt auf Dinglichkeit untersucht werden. Schweiger ist da der Meinung:

Man kann ja nicht einfach glauben, was gesagt wird. Man muss es auch hinterfragen und beweisen.

Nächste Woche will sich die Kripo laut Schweiger noch einmal mit der Staatsanwaltschaft zusammen setzen, um alles zu besprechen und den weiteren Weg der Ermittlungen abzustecken.

Schweiger hofft, dass bis spätestens Mitte März der komplette Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben werden kann, um dann auch den Rechtsanwälten, die in den Fall involviert sind, Akteneinsicht zu gewähren.

Bis dahin muss die Kripo jedenfalls zusätzlich zu den Befragungen und der Spurenuntersuchung noch jede Menge Schreibarbeit erledigen. „Wir haben bestimmt noch 40 bis 50 Ordner aufzubereiten“, so Schweiger.


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