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Studie zum Tourismus im Landkreis mit interessanten Ergebnissen

Nord-Landkreis hinkt hinterher

Von Rose Beyer

Gut 6.300 der 96.000 Landkreis-Bewohner leben vom Tourismus und rund 427 Millionen Euro erwirtschaftet die Branche im Landkreis pro Jahr.

Doch das meiste Geld bleibt am Tegernsee und am Schliersee. Für die Nord-Gemeinden bleibt wenig.

Bei der Präsentation der Studie (v.li.): Dr. Mathias Schrön, Georg Overs, Harald Gmeiner, Dr. Bernhard Zeiner
Bei der Präsentation der Studie (v.li.): Mathias Schrön, Georg Overs, Harald Gmeiner, Dr. Bernhard Zeiner.

Der Tourismus stellt einen der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren im Landkreis Miesbach dar. „Er bedeutet wesentlich mehr als nur Zahlen“, so Harald Gmeiner, Geschäftsführer der ATS, bei seiner Präsentation im Waitzinger Keller. Trotzdem befasste man sich in erster Linie damit.

So hatten die Touristiker um Gmeinder und seinen TTT-Kollegen Georg Overs beim Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr eine Studie erstellen lassen. Drei Bereiche hatten die Wissenschaftler analysiert: das Tegernseer Tal, die Marktgemeinde Schliersee und den Landkreis Miesbach.

Auffallend hoch erscheinen dabei die Tagesreisen, die in den Landkreis unternommen werden. Auf 7 Millionen summierten sich die Aufenthaltstage im vergangenen Jahr. Gerade im Tegernseer Tal sind sie signifikant angestiegen. 2013 betrugen sie 3,4 Millionen. Das sind 100.000 mehr als noch 2009, verglich der TTT-Chef. Obwohl Overs sich natürlich freut, dass das Tal für Ausflügler attraktiv ist, wolle man hier hier keinen Schwerpunkt setzen:

Eine weitere Erhöhung der Tagesurlauber ist ausdrücklich nicht unser Ziel.

Man müsse die Naherholungstouristen besser verteilen, findet Overs. Wie das funktionieren kann, dazu gab es allerdings keine klaren Aussagen. Jedenfalls stellte Overs klar, er sei „sehr, sehr froh, dass sich die Zahl der Tagesurlauber stabilisiert.“

Diese steigende Anzahl ist gerade für den Nordlandkreis von Nachteil. Schließlich bekommt man in Holzkirchen nur den ansteigenden Verkehr zu spüren. Vom Tourismus profitiert man jedoch kaum. Neben Tegernsee und Schliersee bleiben für den gesamten restlichen Landkreis nur 2,7 Millionen Ausflügler im Jahr übrig. Und wenn es um Verkehrsprobleme geht, ist noch keine Lösung in Sicht.

Weniger Umsatz bei Tagestouristen

Große Unterschiede gäbe es laut Studie bei den Ausgaben der unterschiedlichen Besuchertypen. Ein Gast bei der Tagesreise gibt durchschnittlich nur 19,50 Euro aus. Ein Hotelgast dagegen 117,50 Euro. Freilich ist es hauptsächlich der Gastronom, der an einem Übernachtungsgast verdient. Immerhin bleibt dabei das Geld im Landkreis. Während vor allem 5-Sterne-Hotel-Gäste ein ganz spezifisches Ausgabeverhalten haben, geben beispielsweise auch Kongressteilnehmer viel Geld aus – doppelt so viel wie „normale“ Urlauber.

Der Tegernsee: Anziehungspunkt für zahlreiche (Tages-)Urlauber
Der Tegernsee: Hauptanziehungspunkt, vor allem für zahlreiche (Tages-)Urlauber.

Grundsätzlich, so die Aussage von Harald Gmeiner, gehe es den Touristikern nicht nur ums Geld, sondern auch darum, die Lebensqualität für die hier lebende Bevölkerung durch die Umsätze aus dem Tourismus zu erhalten. Gmeiner denkt dabei vor allem an die Nahversorgung, aber auch an Einrichtungen wie etwa Schwimmbäder. Sehr viele Arbeitsplätze hängen am Tourismus. Gut 6.300 Einheimische können durch die landkreisweiten Einnahmen aus dem Tourismus leben.

Zieht man von den 6.300 Arbeitsplätzen die am Tegernsee (3.900) und Schliersee (1.100) ab, so kommt man drauf, dass von den 66.000 Einwohnern in den Nord-Gemeinden lediglich 1.300 vom Tourismus leben können. Insgesamt generiert der Tourismus im Landkreis einen Bruttoumsatz in Höhe von 427 Millionen Euro. Die fünf Talgemeinden haben mit 260 Millionen Daran jedoch den Löwen-Anteil. Der restliche Landkreis zusammen kommt mit um die 80 Millionen gerade mal auf einen ähnlich hohen Anteil wie die Marktgemeinde Schliersee allein. Diese erwirtschaftete einen Umsatz von 77 Millionen.

Während sich Schliersee gut macht und der Tegernsee weiterhin als Zugpferd für die weiteren zwölf Gemeinden im Landkreis herausstellt, möchte sich TTT-Chef Overs so gar nicht sehen. Er betont:

Der Umsatz am Tegernsee ist von 240 auf 260 Millionen Euro gestiegen. Aber jeder tut was er kann. Man darf Klein gegen Groß nicht gegeneinander ausspielen.

Im Tourismussektor dürfte es auch weiterhin spannend bleiben. Zwar hat die landkreisweite Fusion von TTT und ATS bisher nicht funktioniert. Da der Bereich aber mit 850.000 Euro vom Landkreis mitfinanziert wird, dürften Politiker wie auch Bürger ein großen Interesse daran haben, den Touristikern auf die Finger zu schauen. Gerade wenn es darum geht, die Tourismusbranche in den Nord-Gemeinden zu stärken.

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