Wie halten es die Banken im Tal mit den Konten?
Null Zinsen, aber sonst kassieren

von Michael Dalock

Viele Bank-Kunden sind enttäuscht. Eine Münchner Tageszeitung titelte „0{0df041b544200f98e0403f5bfaff217e8ddb0fa5a49c3e35acc6e6a32ff09f63} Zinsen, Münchner geschockt“. Keine Zinsen mehr auf Sparguthaben, weniger Filialen, weniger Zweigstellen. Selbst Geldeinzahlungen laufen häufig über den Automaten. Was bieten die Banken im Tal eigentlich noch?

Was bieten die Banken im Oberland ihren Kunden eigentlich noch?
Was bieten die Banken im Oberland ihren Kunden eigentlich noch?

Das Bankensystem ist im Umbruch. Die internationale Niedrigzins-Politik macht das einfache Geschäftsmodell der Banken zunichte. Einlagen niedrig verzinsen, Kredite teurer verzinsen, funktioniert heute nicht mehr. Spricht man mit manchen Bank-Mitarbeitern sehen die Banken nur noch als „Security“-Firmen, bei denen man sein Geld Diebstahl sicher parken kann und dafür dann auch noch Gebühren zahlen muss.

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Die Leistungen werden immer schlechter, Kunden sprechen von einer “Servicewüste”. Die TS hat sich bei einigen Banken mit Niederlassungen im Oberland umgehört, wie sie es mit den kostenlosen Girokonten halten und ob sie Sorge haben, dass ihnen bei weiteren Gebühren-Erhöhungen Kunden verloren gehen.

Commerzbank gewinnt an Kunden

Bei dem Girokonto der Commerzbank sind Überweisungen am SB-Terminal und beim Online-Banking weiterhin kostenlos. Diese Regelung gilt für alle Filialen bundesweit und damit auch im Landkreis Miesbach. Eine Abwanderung von Kunden befürchtet die Commerzbank derzeit nicht – ganz im Gegenteil.

„Seit der Neuausrichtung unseres Geschäftsmodells vor gut drei Jahren gewinnen wir Kunden von unseren Wettbewerbern.“, sagt Hans-Peter Rudolph, Pressesprecher der Commerzbank AG. „Seit Ende 2012 sind wir bundesweit um 820.000 Kunden gewachsen. Das ist mehr, als eine Großstadt wie Frankfurt am Main Einwohner hat.“

Allein in der Niederlassung München, zu denen auch die Standorte Miesbach, Bad Tölz und Rottach-Egern zählen, hat die Commerzbank im vergangenen Jahr rund 9.150 neue Kunden gewonnen und betreut jetzt 336.000 Privat- und Geschäftskunden. Rudolph erklärt weiter:

Unabhängig davon gilt: Alle Sparkassen und Banken müssen auf das niedrige Zinsniveau und steigende Kosten reagieren. Deshalb schauen wir uns natürlich auch die Gebühren an. Aber wir werden hier keine unüberlegte Veränderung vornehmen, um unseren Wachstumskurs nicht zu gefährden.

Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärt, das bei dem Geldhaus aktuell keine Preiserhöhungen geplant seien. Die Gebühren sind aber auch derzeit schon nicht ohne: Die Deutsche Bank bietet unterschiedliche Kontenpakete an. Von der Ausgestaltung des jeweiligen Kontopakets hängt auch der monatliche Grundpreis ab.

Das Angebot reicht dabei von fünf Euro zum Beispiel für Kunden, die ihre täglichen Bankgeschäfte weitgehend online oder über die Bankingterminals erledigen möchten, bis hin zum Konto für zehn Euro mit “zusätzlichen Komfortleistungen”. Das Junge Konto der Deutschen Bank ist kostenfrei und richtet sich exklusiv an Schüler, Auszubildende, Studenten und Bundesfreiwilligendienstleistende bis einschließlich 30 Jahre. Ein monatlicher Mindest-Gehaltseingang ist nicht erforderlich.

Überweisungen per Belegleser am Bankingterminal sind für alle Kontenmodelle kostenfrei. Überweisungen am Schalter in der Filiale kosten dagegen bis zu 1,50 Euro.

“Qualität hat ihren Preis”

Die Sparkasse hat schon lange Gebühren, nur für Kinder und Jugendliche sind Girokonten kostenlos. Mit S-Giro Classic, S-Giro Prestige und S-Giro Guthaben bietet die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee unterschiedliche Pakete mit entsprechendem Leistungen. Auch bei der Kreissparkasse gilt in den anderen Instituten – wer mehr Leistung beansprucht, muss auch mehr zahlen.

Denn: Girokonten kosten Geld. Wenn sie kostenlos angeboten werden, habe die Bank die Hoffnung, auf einem anderen Gebiet mit dem Kunden Geld zu verdienen, heißt es seitens der Kreissparkasse. Angesichts der niedrigen Zinsen sei dies aber schwerer geworden. Der Sprecher der Kreissparkasse Peter Friedrich Sieben betont:

Wir bieten Qualität an. Und Qualität hat ihren Preis.

Die Herausforderung der Niedrigzinsen betrifft die gesamte Branche. Während die Postbank beispielsweise durch die Erträge aus der Anlage der Sichteinlagen ihre Girokonten früher kostenlos für die Kunden und dennoch kostendeckend anbieten konnte, zahlt sie mittlerweile bei der EZB Verwahrgebühren.

Auch die Postbank beschäftigt sich daher mit der Frage, wie sie ihre Produkte kostendeckend anbieten kann. Hinter Bankdienstleistungen steht eine Leistung, sie haben einen Wert und sie haben dementsprechend auch einen Preis. Es gibt derzeit keine konkreten Entscheidungen in Bezug auf die künftige Preisgestaltung. „Es ist aber auch klar,“ so Sprecherin Iris Laduch-Reichelt, „dass die Postbank ihre Dienstleistungen und Produkte dauerhaft nicht grundsätzlich kostenlos anbieten kann.“

Bei der Raiffeisenbank Gmund gibt es kostenlose Girokonten nur noch für Schüler und Studenten. Auch hier führt man das rückläufige Zinsniveau zur Begründung an. Es führe zu geringeren Einnahmen bei gleichen Kosten für zum Beispiel den Unterhalt der Bankgeschäftsstellen und der EDV-Systeme. Man reduziere daher EDV-Kosten und habe verursachergerechte Preise für die Kontoführung eingeführt, abhängig von Art und Umfang der jeweiligen Kontonutzung.

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