Saugwürmer-Larven verursachen Juckreiz und Hautausschlag

Parasiten in Badeseen?

Von Cornelia Schramm

Seit Wochen dürfen sich Jung und Alt an den hochsommerlichen Temperaturen und am kühlen Nass erfreuen. Doch das heiße Wetter hat auch seine Schattenseite: Parasiten machen sich im seichten Wasser breit. Den Badenden bescheren sie Hautausschlag und Juckreiz.

Larven von Saugwürmern im Wasser des Tegernsee können momentan zu Hautausschlag und Juckreiz nach dem Baden führen
Saugwürmer-Larven können momentan zu Hautausschlag und Juckreiz nach dem Baden führen.

„Meine Bekannte hat mir erzählt, dass sie gestern schwimmen war und nun einen juckenden Hautausschlag am Körper hat ‒ ist das Baden momentan gefährlich?“ Diese und ähnliche Fragen von besorgten Lesern erreichen uns in besonders heißen Sommermonaten immer wieder. Auch aktuell sorgen sich wieder viele Landkreisbewohner angesichts der konstant heißen Temperaturen und des ausbleibenden Regens um die Wasserqualität der umliegenden Badeseen.

Grundsätzlich wird diese von der zuständigen Abteilung im Landratsamt in gewissen Abständen überprüft. Denn durch die hohe Wassertemperatur können Parasiten auftreten, die in die Haut des Menschen eindringen und Juckreiz verursachen. Laut Pressesprecher Gerhart Brandl wären die letzten Befunde positiv. „Einige Anrufe von Bürgern sind bereits bei uns eingegangen“, so Brandl auf Nachfrage. Das Landratsamt sei schon von verschiedenen Personen vom Befall unterrichtet worden.

Parasiten im seichten Wasser

Bei den geschilderten Fällen soll es sich um eine Zerkariendermatitis handeln. Das hat das Landratsamt Miesbach gegenüber der Holzkirchner Stimme heute wieder bestätigt. Bei dieser Hauterkrankung ‒ auch Badedermatitis genannt ‒ wird die Haut von winzigen Larven des Saugewurms befallen.

Diese Larven leben als Parasiten im Darm von Wasservögeln. „Bei besonders hohen Wassertemperaturen von über 23 Grad Celsius schwärmen sie dann aus und setzen sich im Wasser ab“, erklärt die Wiesseer Hautärztin Dr. Ulricke Fischer auf Nachfrage. Der Mensch ist dabei aber nur der sogenannte Fehlwirt, eigentlich haben es die Larven auf die Enten abgesehen.

Vor allem im seichten Wasser kommen sie dann auch mit dem Menschen in Kontakt. Die Infektion erfolgt durch „versehentliches“ Eindringen der Zerkarien in die Haut. Der Mensch ist allerdings kein geeigneter Endwirt, deshalb können sie sich dort nicht weiterentwickeln und sterben nach wenigen Tagen ab.

Vor allem im ufernahen, besonders seichten Wasser treten die Parasiten auf
Vor allem im ufernahen, besonders seichten Wasser treten die Parasiten auf – Hautausschlag ist die Folge.

Zunächst verursacht der Befall einen Juckreiz, ähnlich einem Mückenstich. Nach mehreren Stunden machen sich dann ein noch stärkeres Jucken und rötliche Quaddelbildung an der jeweiligen Stelle bemerkbar. Der Befall ist zwar unangenehm und lästig, aber in der Regel harmlos, so die Meinung von Fischer:

„Das Ganze ist in den allermeisten Fällen harmlos und heilt, wenn man es nicht behandelt, innerhalb von 14 Tagen wieder ab, in ganz seltenen Fällen kann auch Fieber als Begleiterscheinung auftreten.“

Man kann die Badedermatitis aber auch mit Tabletten oder einer Lotion behandeln. „Ich kann hier entweder die Tabletten Lorano oder Cetirizin oder aber die Lotion Systral empfehlen ‒ alle sind in der Apotheke erhältlich“, so die Hautärztin. Vorbeugend könne man auch eine Lotion aus kombiniertem Quallen- und Sonnenschutz auf die Haut auftragen. Auch wasserfeste Sonnencreme hilft.

Wer den Larven ganz aus dem Weg gehen will, sollte das Baden in flachen und wasserpflanzenreichen Uferzonen vermeiden, vor allem, wenn dort zugleich viele Enten auftreten, so die Aussage aus dem Landratsamt. Ein Zerkarienbefall kann auch durch das Ablegen der Badebekleidung nach dem Verlassen des Wassers und kräftiges Abtrocknen mit einem Handtuch vermindert werden.

Grundsätzlich reagiert jeder Hauttyp anders, meint Brandl. Das Auftauchen der Zerkarien steht jedoch nicht unbedingt im Zusammenhang mit mangelnder Wasserqualität im Tegernsee, Seehamer See, Kirch – oder Hackensee. Nur so lange die Temperaturen noch so hoch sind, bleibt auch die Zerkariendermatitis definitiv Thema im Landkreis, weiß der Sprecher.


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