Gmund entscheidet über Gestaltung der Tegernseer Straße

Parkplätze statt Radlweg im Ortszentrum

Seit knapp eineinhalb Jahren wird im Gmunder Ortszentrum gegenüber des REWE Marktes gebaut. Jetzt stehen die letzten Schritte an: Die Neugestaltung der Straßen- und Gehwegflächen. Radfahrer sollten darunter eigentlich nicht leiden, schließlich will Gmund eine fahrradfreundliche Kommune sein. Doch nun muss die Gemeinde in den sauren Apfel beißen.

Im Zuge der Baumaßnahmen in Gmund sollen Straßen- und Gehwege nun fertiggestellt werden.

Die Gmunder Ortsmitte verändert sich stetig. Erst der Rewe Markt, dann die Wiedereröffnung des Maximilians und nun das Großprojekt von Bauentwickler Christian Werth. In den vergangenen zwei Jahren war die Tegernseer Straße deshalb zeitweise ein einziges Baustellen-Chaos. Nun sind die privaten Baumaßnahmen fast fertiggestellt, herrscht also bald wieder Ordnung im Gmunder Zentrum?

Ganz so schnell geht es nicht. Erst muss die Gemeinde über Geh- und Radwege in dem Bereich entscheiden. Details wurden bereits beim Ortsplanungsausschuss am 11. Februar diskutiert. Dabei ist aufgefallen, dass die Fahrradfreundlichkeit in Form von Radwegen fehlt. Also hieß es: Pläne nochmal überarbeiten. Auf der Gemeinderatssitzung gestern Abend konnte man schließlich einen Beschluss fassen.

Zu beengte Verhältnisse

An der Kernproblematik ist allerdings auch nach der Überarbeitung nichts zu ändern gewesen. Es gibt schlicht zu wenig Platz für einen Geh- und Radweg. Bürgermeister Alfons Besel (FWG) erklärt die Situation am Maximilian:

In dem Bereich herrscht eine Konzentration verschiedener Nutzungen: Viele Leute und Autos, aber sehr beengte Raumverhältnisse.

Für eine gemeinsame Nutzung von Radlfahrern und Fußgängern werden mindestens vier Meter Breite benötigt, hier habe man teils nur 1,50 Meter zur Verfügung, erklärt Josef Harraßer vom Bauamt. Die Wege seien eben einfach zu eng. Radlfahrer müssen also weiterhin die Bundesstraße nutzen. Eine Gefahr würden dabei allerdings die zwei bis drei Längsparkplätze darstellen, die vor dem Neubau von Christian Werth zur Diskussion standen. „Wir müssen abwägen zwischen Parkangebot und Sicherheit für Radler“, so Besel (FWG).

Die Planung sei sowohl mit dem Landratsamt, dem Staatlichen Bauamt Rosenheim und dem Agmunda-Arbeitskreis „Verkehr“ besprochen. Alle Behörden seien sich einig, dass aufgrund des Platzmagels die Radlfahrer auf der Straße bleiben sollten. Allerdings habe der Arbeitskreis laut Besel auch gefordert, dass die Gemeinde auf die Längsparkplätze verzichten und zusätzlich Tempo 30 zur Sicherheit der Radler auf der Bundesstraße einführen soll. Bezüglich Tempo 30 erklärte Besel, dass die Einführung nicht in Gemeindehand liege, man werde dies aber weiterverfolgen.

Was die beiden Längsparkplätze angeht, hatte Franz von Preysing (CSU) eine deutliche Meinung: „Solange ich mich erinnern kann, sind die an dieser Stelle.“ Die Radlfahrer schließe die Gemeinde damit nicht aus, „sie könnten ihr Rad ja auch ein paar Meter schieben.“ In den Augen von Christine Zierer (FWG) sei die Lösung mit den Radlfahrern auf der Bundesstraße hingegen bedauerlich. Klar könne das Fahrrad auch geschoben werden. Aber: „Auf die Parkplätze dort können wir gut und gerne verzichten.“ Man muss von Autofahrern erwarten können, „dass sie beim Volksfestplatz parken und dann die 50 Meter gehen“, so Zierer weiter. Auch Johann Schmid (SPD) ist der Ansicht, Fahrradfahrer werden zu sehr bei dieser Entscheidung vernachlässigt:

Wir denken viel zu viel an Autos. Wo kommen die Fahrradstellplätze hin? Da, wo ein Auto parkt, haben mindestens vier oder fünf Fahrräder Platz.

Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Laura Wagner (Die Grünen) erinnert, man wolle doch eine fahrradfreundliche Kommune werden. Michael Huber (SPD) bezeichnet einen Verzicht auf die zwei Längsparkplätze als ein „riesen Sicherheitsplus.“ Wegen zwei Parkplätzen weniger gehe die Welt nicht unter.

Nach der kontroversen Debatte hat sich die Gemeinde letztlich mit elf zu acht Stimmen für die zwei Längsparkstreifen am Maximilian entschieden. Einfacher fiel die Entscheidung am Much-Anwesen an der Tegernseer Straße 6a bis 14 und der Max-Obermayer-Straße bis zum Bahnübergang. Während der Baumaßnahmen im letzten halben Jahr wurde bei der Tegernseer Straße 14 übergangsweise eine Bushaltestelle verlegt. Diese wurde am Maximilian an der Querungshilfe platziert – und hat sich dort bewährt, meint Bürgermeister Besel. Sie soll daher auch weiterhin innerorts bleiben.

Parkplätze statt Bushaltestelle

Die ursprüngliche Busbucht, in welcher die Busse früher gehalten haben, wird zu Längsparkplätzen umgestaltet. Ein Gehweg soll entlang des neuen Gebäudes dann zu den künftigen Parkplätzen führen. Für den Radverkehr wird es hier laut Harraßer einen „Übergangsweg“ zu den tiefer gelegenen Geh- und Radwegen geben.

Auf der anderen Straßenseite gegenüber des Geschäfts „MachtSinn“ wird ebenfalls der Gehweg entlang des Gebäudes saniert und neugestaltet. Außerdem wird ein Teil der Max-Obermayer-Straße erneuert. Dort soll die Fahrbahn breiter und bis zum Bahnübergang erneuert werden.

Bis zum Bahnübergang soll die Max-Obermayer-Straße erneuert werden.
Die Bushaltestelle am Maximilian bleibt, die Längsparkplätze daneben sollen auf zwei reduziert werden.
Links vor dem Gebäude wird ein Gehweg gebaut, die Bushaltebucht auf der rechten Bildseite wird zu einem Längsparkstreifen.

 


 

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