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Warum es kein Biathlon-Trainingscenter im Tegernseer Tal gibt

Pendler auf Langlaufskiern

Von Rose Beyer

Nordisches Trainingszentrum in Kaltenbrunn bei Garmisch-Partenkirchen. Eine junge Frau läuft auf Langlaufskiern im Schnee. Das Gewehr ist auf dem Rücken. Gleich kommt sie an den Schießstand – hochkonzentriert.

Anna ist 17 und Biathletin. Für den Tegernseer Schneelaufverein ist sie im DSV-Kader aktiv. Ihr drei Jahre jüngerer Bruder startet im BSV-Kader. Doch die beiden sind nicht aus Garmisch. Simon pendelt bis zu fünfmal die Woche. Anna wohnt inzwischen dort. Das Pendeln war zu anstrengend.

Denn Anna will einfach nur Biathlon laufen. Seit sie bei ihrem Kinderfreund Bernhard „Feuer gefangen“ hat für diese Sportart, will sie nichts anderes mehr. Die Abwechslung ist es, die die Tegernseerin an der Sportart fasziniert. Der Erfolg hängt nicht nur vom Langlaufen ab, sondern auch vom Können beim Schießen – das gefällt der 17-Jährigen.

Inzwischen ist sie Deutsche Meisterin im Sprint, Deutsche Vizemeisterin mit der Staffel und hat sich den zweiten Platz in der Deutschlandpokal-Gesamtwertung gesichert.

Kein Trainingscenter für Biathleten im Tal

Um so gut zu werden, hat Anna viel trainiert. Und weil es im Landkreis Miesbach kein eigenes Trainingscenter für Biathleten gibt, pendelte sie lange Zeit mehrere Male pro Woche nach Garmisch zum Training. Das hieß auch immer mindestens viermal drei Stunden Autofahrt.

Anna frönt ihrer Leidenschaft.
Anna frönt ihrer Leidenschaft.
Die 17-Jährige ist nicht nur gut im Sport, sie ist auch eine ehrgeizige Schülerin. Anna hatte im Tegernseer Gymnasium den PZW-Status, der sie teilweise von der Schule und von Tests befreite. Auch Freunde halfen mit und kopierten Unterlagen, damit sie in der Schule gut war. Gelernt wurde oft beim Autofahren.

„Sie ist ein Familienmensch“, erzählt Mutter Brigitte. Deshalb wollte sie unbedingt zu Hause wohnen bleiben. „Das geht schon mit dem Pendeln“, waren sich Eltern und Anna sicher. Doch irgendwann wurde der Schülerin das ganze zu viel.

Zu Beginn dieses Schuljahres – zur elften Klasse – zog Anna deshalb ins „Haus der Athleten“ nach Garmisch um, um im Werdenfels-Gymnasium ihr Abitur zu machen. „Das spart mir täglich drei Stunden Fahrzeit, die ich zum Lernen brauche“, sagt sie.

Man kann ins Pendeln „reinwachsen“

Eine eigene Biathlonanlage im Tegernseer Tal? „Am Anfang habe ich mir das schon gewünscht“, erzählt Mutter Brigitte. Das Pendeln strengt als Fahrerin an und geht außerdem ins Geld. Anfangs war es nur einmal die Woche samstags „Das war noch ganz nett“, sagt Brigitte, dann hat sich das langsam gesteigert. Inzwischen ist sie „da reingewachsen“.

Es hatte zwar Bemühungen gegeben, auch im Tal zu einer eigenen Anlage zu kommen. Beispielsweise hatte Herzog Max seine Hilfe angeboten. Doch die Umrüstung des bestehenden Standes wäre zu kompliziert gewesen. „Die Auflagen fürs Schießen sind sehr hoch“, weiß Mutter Brigitte. Man müsse außerdem mit Skiern hinein- und hinausfahren können. „Das Gesamtpaket muss stimmen“, weiß sie. Zum Schießen gehören eben auch die passenden Trainer. Deshalb bleibt nur der Weg nach Garmisch.

Das „Haus der Athleten“ als Familienersatz

Wenn die Kinder trainieren, gibt es ab und zu Elternarbeit zu tun, oder man nutzt die Zeit, um in Garmisch einzukaufen. Denn viel Zeit für Haushalt bleibt Brigitte nicht. Vormittags arbeitet Brigitte im Familienbetrieb mit. Nachmittags – wenn Simon von der Montessori-Schule nach Hause kommt, sind sie gemeinsam auf der Straße beziehungsweise im Trainingscenter.

„Simon ist ein ganz anderer Typ als Anna“, erzählt Brigitte. Er ist mehr praktisch veranlagt. Als er sah, wie lange Anna immer am Schreibtisch saß, hat er sich für die Montessori-Schule entschieden. Doch was die beiden verbindet, ist der Sport. Genau wie Anna hat sich Simon für den Biathlon entschieden. Inzwischen ist er 14 Jahre und fährt im BSV-Kader. Eine sehr erfolgreiche letzte Rennsaison gibt der Entscheidung recht.

Mehrere Erzieher/-innen betreuen die Jugendlichen im „Haus der Athleten“

Vielleicht wird auch Simon in ein paar Jahren nach Garmisch ins „Haus der Athleten“ ziehen. Dank Hannes Krätz, dem Dritten Bürgermeister (Freie Wähler) der Marktgemeinde, können neun jugendliche Sportler dort zusammenwohnen. Drei Erzieher/-innen betreuen die Kinder, sie bekommen geregeltes Essen: Frühstück, Mittag- und Abendessen und „so eine Art Familienersatz“.

Die Idee war Krätz vor etwa zehn Jahren gekommen, als ihm klar wurde, dass es gerade für Jugendliche schwierig ist mit dem Training. 35 Köpfe zählt das Trainingsteam um Bernhard Kröll mittlerweile. Dabei gibt es nur dieses eine Center, zu dem viele Biathleten aus dem ganzen Umkreis hinpendeln: aus dem Allgäu, aus München und eben aus Tegernsee.

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