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Ansteckende Pferdekrankheit in umliegenden Landkreisen

Pferde haben Hausarrest

Von Lydia Dartsch

In vielen Reiterhöfen im Tegernseer Tal haben die Pferde derzeit unverdienten Hausarrest. Der Grund ist die Equine Infektiöse Anämie (EIA) – oder ansteckende Blutarmut der Einhufer. Auch Pferdehalter im Landkreis Miesbach sollten ihre Tiere besser beobachten.

Die Pferdekrankheit EIA bricht hierzulande eher selten aus. Trotzdem verunsichert sie derzeit Pferdehalter im Landkreis. Bild/Archiv
Die Pferdekrankheit EIA bricht hierzulande eher selten aus. Trotzdem sind die örtlichen Pferdehalter verunsichert. Bild/Archiv

Elf Pferdeställe in Oberbayern sind derzeit wegen der Pferdekrankheit EIA gesperrt: Zehn im Landkreis Ebersberg und einer im Landkreis München. In Feilnbach im Landkreis Rosenheim war die Krankheit bei drei Pferden festgestellt worden. Auch Miesbach gehört zu den Landkreisen, in denen sich das Virus ausbreiten könnte. Denn von hier kommen zwei der Pferde, die mit den drei infizierten Pferden in Feilnbach Kontakt hatten. Die meisten Pferdeställe haben sich deshalb selbst unter Quarantäne gestellt, sagt Tierärztin Isabell Herold.

Doch im Landratsamt gibt man Entwarnung: Beiden Pferden hatte man Blut entnommen und es untersucht. Bei einem war der Befund negativ – das Pferd ist gesund. Bei dem zweiten stehen die Ergebnisse noch aus: „Wir sind nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Gerhard Brandl, Pressesprecher des Landratsamts auf Nachfrage.

Kurze Übertragungswege

Bei Pferdebesitzern und Reitstallbetreibern bleibt aber die Unsicherheit. Denn die Krankheit kann bei engem Kontakt zwischen Tieren übertragen werden: Durch den Speichel, Milch oder Sperma beispielsweise, informiert das Bundesforschungsinsitut für Tiergesundheit auf seiner Homepage.

Außerdem können blutsaugende Insekten das Virus übertragen. Allerdings nur im näheren Umfeld. Denn ist das Virus einmal an den Stachel einer Bremse oder Mücke gelangt, ist es nur dreißig Minuten lang ansteckend, so das Institut weiter. Deshalb vermeiden viele Pferdehöfe derzeit, das die bei ihnen untergebrachten Tiere mit fremden Pferden und Bremsen in Kontakt kommen.

Ställe ergreifen Vorsichtsmaßnahmen

Viele Reitturniere wurden bereits aus Vorsicht abgesagt. Reiter verzichten auf Ausritte. Denn es genügt ein infiziertes Pferd, um das Virus zu verbreiten: Im chronischen Verlauf der Krankheit können Pferde das Virus in sich tragen, ohne Symptome zu zeigen. Sie können das Virus aber übertragen. Werden diese in einer neuen Umgebung von gesunden Bremsen gestochen, infizieren sie die Insekten und diese wiederum weitere Pferde, erklärt Herold die Ausbreitung.

Zwar sind die Pferde im Reiterhof Brandstatt im Ruhestand und gehen schon lange nicht mehr auf Turniere. Trotzdem ist Elisabeth Böttcher lieber vorsichtig. Sie erklärt:

Ich achte darauf, dass keine Person von einem anderen Hof direkt zu unseren Pferden geht, und sie streichelt.

In ihrem Stall sei noch kein Fall aufgetreten. Auch andere Pferde lasse sie derzeit nicht im Stall unterstehen. Auch Anton Maier, der mit seinen Tieren Pferdekutsch- und -schlittenfahrten anbietet, ist verunsichert: „Sowas ist immer beunruhigend“, sagt er auf Nachfrage. Seine Kutschfahrten bietet er aber weiter an: „Meine Pferde kommen ja mit keinen anderen in Berührung“, sagt er. Doch wegen der Übertragung durch blutsaugende Insekten dient das nicht zur Eindämmung, sagt Herold.

Der Rosstag am 30. August in Rottach-Egern soll derzeit davon nicht betroffen werden, sagt Bürgermeister Christian Köck heute auf Nachfrage: „Wir sehen im Moment noch keinen Grund für Panik. Wir haben vor, den Rosstag wie geplant durchzuführen.“ Man werde Ruhe bewahren und beobachten, wie sich die Lage weiter entwickelt.

Die Sorge und Vorsicht der Pferdebesitzer ist berechtigt. „Die Krankheit führt regelmäßig zum Tod“, erklärt Brandl. Dabei ist sie nur schwer zu erkennen: „Sie beginnt wie jede andere Infektion mit Fieber“, erklärt Isabell Herold. Doch das Fieber lasse sich nicht stoppen, bis es auf 42 Grad ansteigt und die Tiere sterben – zumindest im akuten Verlauf. Im subakuten Verlauf gibt es immer wieder Fieberschübe, bis das Tier irgendwann verendet. Im chronischen Verlauf kann das Pferd auch ohne Symptome bleiben und das Virus übertragen.

Sporadische Fälle in Deutschland

Das Virus überträgt sich auf Pferde, Esel, Maultiere, Mulis und Zebras, so das Institut. Heilbar ist die Krankheit nicht. Deshalb werden erkrankte Tiere eingeschläfert und bei deren Kontakttieren der so genannte „Coggins-Test“ durchgeführt: Einmal zu Beginn des Verdachts und drei Wochen später – wegen der langen Inkubationszeit, sagt Herold.

Die Krankheit ist nicht neu. Immer wieder treten Fälle der Blutarmut in Deutschland auf. Im Landkreis Miesbach wurde in den vergangenen 15 Jahren kein Fall verzeichnet. In der Bundesrepublik ist sie selten. Vor allem tritt sie in Nord- und Südamerika, Afrika, Asien, Australien sowie Süd- und Osteuropa auf.


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