Pfiadi, Tante Emma…

von Laura Lorefice

20 Pfennig Einkäufe an der Süßigkeitenbox, der neuste Tratsch im Dorf und das Klingeln des Türglöckchens – der Tante Emma Laden oder auf gut bayerisch „Kramerladl“ ist eine Institution. Doch durch die Discounter und die großen Supermarktketten müssen solche kleinen Läden oft weichen. Wie sieht es mit der Nahversorgung hier in Holzkirchen aus?

Die kleine Bäckerei Hohenadl in Holzkirchen pflegt persönlichen Kontakt mit ihrer Kundschaft und legt Wert auf Qualität und Handwerk.
Die kleine Bäckerei Hohenadl in Holzkirchen pflegt persönlichen Kontakt mit ihrer Kundschaft und legt Wert auf Qualität und Handwerk.

Am Donnerstag brachte BR Data den Stein ins Rollen: Mit einer Recherche zur Nahversorgung in der Stadt und auf dem Land rückte wieder das Thema des schwindenden Einzelhandels in den Fokus. In dem Bericht bezieht sich der BR auf Angaben der Firma Trade Dimensions im Auftrag der Staatsregierung. Demnach gebe es in mehr als 500 bayerischen Gemeinden keine Einkaufsmöglichkeit für Lebensmittel, 157 von ihnen haben weder einen Bäcker noch einen Metzger – sie gelten demnach als komplett unterversorgt.

Schwierige Situation im Einzelhandel

Im Zuge dieser Recherche wurden auch die Zahlen für den Landkreis Miesbach öffentlich. Demnach sei der Landkreis stärker vom Ladensterben betroffen als Andere. Die Zahl der Lebensmittelgeschäfte sei in den letzten zehn Jahren um zehn Prozent zurückgegangen. Konkret: In den vergangenen zehn Jahren schlossen fünf Lebensmittelgeschäfte im gesamten Landkreis.

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Florian Brunner von der Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach stimmt dem Trend zu: „Die Lage im Einzelhandel ist in den letzten Jahren erheblich schwieriger geworden.“ Doch sieht er die Ursache nicht bei Edeka, Lidl, Aldi und Co.:

Ich sehe die Discounter oder die großen Supermarktketten hier im Landkreis gar nicht so als Problem. Die größte Konkurrenz ist das Internet und das damit veränderte Konsumverhalten der Leute.

Dennoch ist er der Meinung, dass die Nahversorgung im Landkreis Miesbach noch sehr gut da stehe. „Ich habe nicht den Eindruck, dass wir in diesem Bereich besonders große Defizite hätten.“ Grund hierfür sei vor allem der Tourismus, ohne den sehe das natürlich ganz anders aus.

Erfolg durch Qualität und Handwerk

Zwar haben laut BR Data in den vergangenen Jahren fünf Einzelhändler hier im Landkreis geschlossen, doch die Bäckerei Hohenadl in Holzkirchen kann sich nicht über fehlende Kundschaft beschweren. Robert Hohenadl erklärt das Erfolgskonzept:

Bei uns ist es eher andersherum. Wir bekommen immer mehr Zuwachs. Wir haben eine offene Backstube, das heißt jeder kann hinter gehen und sich selbst ein Bild machen, wie wir arbeiten. Das schafft Vertrauen bei den Kunden. Außerdem haben wir kurze Wege und beziehen unsere Waren von regionalen Anbietern. Das schätzen auch die Kunden.

Robert Hohenadl betreibt hier im Ort noch die einzige Bäckerei mit eigener Backstube – gleich hinter der Verkaufstheke. Vor allem das Miteinander mit den Kunden sei das Besondere in der kleinen Bäckerei, so Hohenadl. Die Kunden werden geschätzt und man könne auch mal mit dem Chef persönlich reden.

“Erst letztens war ein Herr bei mir, der sich darüber gewundert hat, warum die Vollkornsemmeln etwas teuerer geworden sind. Ich bin dann mit ihm in mein Büro und habe ihm die Kalkulation gezeigt. Ihm erklärt, dass das Getreide teurer geworden ist und bei unsern Semmeln auch wirklich Vollkorn drin ist, wenn Vollkorn drauf steht. Der Herr hat sich anschließend bei mir bedankt und das Problem war vom Tisch”. Das A und O sei laut Hohenadl das Vertrauen von den Kunden, die wissen wo was hergestellt werde.

Offene Backstube: Kunden können sich selbst ein Bild davon machen, wie ihre Semmeln hergestellt werden.
Offene Backstube: Kunden können sich selbst ein Bild davon machen, wie ihre Semmeln hergestellt werden.

Den Erhalt kleiner Läden im Ort findet der Bäckermeister besonders wichtig. Das Einkaufen sei so viel persönlicher. “Hier hat man auch mal die Zeit mit Kunden zu ratschen, Ältere können in Ruhe ihr Kleingeld suchen und die Verkäuferinnen sind hilfsbereit”, so Hohenadl. Genau das werde von vielen geschätzt. Auch von der jüngeren Generation. “Wenn man heutzutage auf Qualität und Vertrauen setzt, besteht  keine Gefahr zu den großen Supermarkt-Ketten”, ist sich Hohenadl sicher.

Persönlichkeit ist Trumpf

Auch Gabi Bichlmeier setzt auf Persönlichkeit. In ihrem Obst- und Gemüseladen in der Tölzer Straße bekommt man stets frische Ware. “Ich persönlich merke von dieser Entwicklung gar nichts”, so Bichlmeier.

Ich bin auch am Wochenmarkt vertreten, der ja vor allem bei den Einheimischen sehr beliebt ist.” Sie findet gerade kleine Dorfläden sehr wichtig. Viele ältere Leute hätten so die Möglichkeit vor Ort einzukaufen oder Mütter mit Kindern “wenns mal pressiert.

Das Besondere sei wirklich der persönliche Kontakt, so Bichlmeier. Viele suchen einen Ansprechpartner im Ort, so zum Beispiel auch neu Zugezogene, die wissen wollen wo was los ist. Sie wisse aber von vielen Gemeinden, die überhaupt keine Dorfländen mehr hätten. “Die Industrie wird immer größer und schluckt kleine Läden”. Solch positive Beispiele wie hier in Holzkirchen geben den kleinen Läden in der Region aber Hoffnung.

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