Höhere Immobilienpreise durch "Home Staging"?
Pimp mein Haus

von Lydia Dartsch

Leere weiße Wand, nackter Fliesenboden mit einem grell pinkfarbenen Teppich: Dieser Raum sieht alles andere als einladend aus. Will man da wohnen? Man will ‒ jedenfalls nachdem Katharina Bauer die Wohnung in Szene gesetzt hat.

Sie ist die erste Home Stagerin im Tal: „Die Interessenten sollen sofort ein Gefühl bekommen, wie es ist, in dem Haus zu wohnen“, sagt sie über ihre Arbeit. Den Verkäufern soll das lange Suchen nach Käufern erspart und sogar ein höherer Verkaufspreis erzielt werden.

Vorher-Nachher-Bilder, die zeigen sollen, was Home Staging bewirken kann.
Vorher-Nachher-Bilder, die zeigen sollen, was Home Staging bewirken kann.

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Doch der Markt für Bauers Dienste ist noch klein. Das Potenzial dagegen groß, sagt sie. Makler bieten ihren Auftraggebern die Dienstleistung vor allem bei schwierig vermittelbaren Wohnungen und Häusern an. Der Grund dafür liege meist an der Präsentation der Immobilie.

Denn das größte Kaufargument sei es, wenn sich die Interessenten sofort wie zu Hause fühlen. Das ist Katharina Bauers Ziel, wenn sie eine Wohnung oder ein Haus für den Verkauf “gestaged” ‒ also in Szene gesetzt ‒ hat. Dabei richtet sie die Räume mit Möbel und Accessoires und Licht so ein, dass sie schön aussehen und eine Funktion erkennbar ist.

Gerade so, als seien sie direkt aus einem Möbelhauskatalog entsprungen. Die Interessenten könnten sich bei der Besichtigung oder im Internet besser an das angebotene Objekt erinnern und sich das eigene Leben darin vorstellen, erklärt sie.

Trend aus den USA

Das Home Staging kam erstmals in den 1970er-Jahren in den USA auf. Auch in Skandinavien ist es mittlerweile üblich, Häuser und Wohnungen für den Verkauf aufzumöbeln. Je nach Objekt räumt Bauer dafür die Räume leer, streicht eine Wand und rüstet das Zimmer mit eigenen Möbeln aus, die sie dafür eingelagert hat.

Das Ziel: Lichtdurchflutet und großzügig eingerichtet soll der Raum aussehen. Mit Mängelüberdeckung habe das nichts zu tun, sagt sie. Im Gegenteil:

Es ist, als drapiere man Kleidungsstücke um eine Schaufensterpuppe oder als fahre man mit dem Auto durch die Waschstraße, bevor man es verkauft. Es soll ein positives Bauchgefühl entstehen.

Dass sich das auszahlt, hatte sie bereits in ihrem alten Job als Immobilienmaklerin für Gewerbeflächen bemerkt: Die Kunden entschieden sich schneller und feilschten weniger um den Preis, wenn sie sich bei der Begehung eines Büros probeweise an einen Schreibtisch setzen konnten ‒ ganz gleich, wie der Käufer das Büro schließlich einrichtete.

Eine Erfahrung, die Maklerin Monika Böhmler von Living Home Real Estate teilt: Vor allem bei Immobilien, die bereits länger auf dem Markt und schwierig verkäuflich sind, bietet sie den Verkäufern das Home Staging an. Meist liege die Schwierigkeit nicht an dem Objekt, sondern an dessen Präsentation.

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Der Preis dafür wird nach Aufwand berechnet: Wie viele Zimmer werden hergerichtet? Muss gemalt, müssen alte Möbel ausgeräumt oder sogar neue Möbel gekauft werden? Je nachdem bewege sich der Preis dafür zwischen einem und drei Prozent des Verkaufspreises. Im Gegenzug ließe sich dadurch ein höherer Verkaufspreis erzielen. Beide ‒ Bauer und Böhmler ‒ sprechen von Unterschieden zwischen 10 und 15 Prozent.

Im Tal sei das Potenzial dafür aber noch ausbaufähig, erklären beide. Zum einen ließen sich die meisten Immobilien wegen der hohen Nachfrage leicht verkaufen. Zum anderen sei Home Staging noch nicht so bekannt bei den Verkäufern. Meist käme der Vorschlag vonseiten der Makler. Allerdings können natürlich auch Privatpersonen die Home Stagerin beauftragen.

Beide hoffen darauf, dass Home Staging in den kommenden Jahren üblich werde. Allerdings sei Home Staging nur für den Verkauf von Immobilien lohnend, nicht bei Vermietungen.

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