Plan A oder Plan B: Das Ringen um richtige Parkhaus-Lösung in Tegernsee geht weiter

Von Redaktion

Ergänzung vom 14. April / 15:15 Uhr
Nach der letzten Stadtratssitzung gab es einige Stimmen auf Seiten der Plan-B-Befürworter, die monierten, dass es sich bei der präsentierten Kostenschätzung für das Parkhaus am Hornanwesen um eine deutlich zu niedrig angesetzte Summe handelt.

Laut einer Berechnung der Fraktion der Freien Wähler sind die auf Seiten der großen Lösung (Plan A, Parkhaus Hornanwesen, 122 Plätze ohne Untergeschoß) angenommenen Kosten in Höhe von 3,4 Mio. Euro nur sogenannte Nettobaukosten. In diesen sind damit der Grunderwerb, die Zinsen für ein 30-Jahre laufendes Darlehen sowie die Kosten für die Planung nicht enthalten.

Wenn man diese Posten mit einberechnen würde, käme man auf 6,5 Mio. Euro und somit auf 53.278 Euro pro Stellplatz. Etwa 25.000 Euro mehr als noch in der letzten Stadtratssitzung kommuniziert.

Dass diese Rechnung vom Grundsatz her richtig ist, hat Bürgermeister Peter Janssen gegenüber der Tegernseer Stimme schriftlich bestätigt. Allerdings weißt er darauf hin, dass das Parkhaus bei Ablauf der angenommenen 30-jährigen Finanzierung noch viele weitere Jahre nutzbar sein wird. Auch das Grundstück, welches erworben werden muss, bleibe voll erhalten und somit besitze auch das Gesamtobjekt einen entsprechenden Wert.

Auch sei die Entscheidung beim Thema Parkhaus noch ziemlich offen ist. Der Ablauf laut Beschluß vorgegeben und das Thema werde auch der Stadtrat noch sorgfältig diskutieren. Vor allem was die möglichen alternativen Lösungen, wie die Erweiterung der Kreissparkassen-Tiefgarage betrifft. Der Bürgermeister schließt mit einer Einschätzung, die auch die freien Wähler so unterschreiben würden:

Dabei werden insbesondere der absehbare Bedarf und die Akzeptanz für die Anlieger, Gäste und Kunden, die Bedeutung für die Ortsentwicklung sowie die finanziellen Möglichkeiten und Risiken für die Stadt bzw. TKV abzuwägen sein.

Ursprünglicher Artikel vom 06. April:
Das Parkhaus an der Haupstraße ist eines der großen Projekte auf der Vorhabenliste des Tegernseer Stadtrates. Dabei ist die Chance das Parkproblem in der Stadt, vor allem nördlich des Alpbaches, lösen zu können, nicht nur ein Anliegen von Bürgermeister Peter Janssen. Insgesamt gesehen sind alle im Stadtrat dafür eine zukunftsfähige Lösung angehen zu wollen. Und bisher war der Weg für Plan A – der große Wurf – scheinbar klar vorgegeben.

Mittlerweile jedoch hat sich durch die Hintertür, die in dem Fall von den Freien Wählern „kontrolliert“ wird, ein sogenannter Plan B eingeschlichen. Mit großer Hartnäckigkeit verfolgt die FWG, angeführt vom „dauernervenden“ Fraktionssprecher Andreas Obermüller, das Ziel eine kostengünstigere Lösung zu finden, die ein „5-Millonen-Euro teures Prestigeobjekt“ als Automatismus nicht akzeptiert.

„Der Obermüller hat immer was dagegen zu sagen.“

Andreas Obermüller (FWG)

Mit seinen Anträgen, den Plan B sauber zu konzeptionieren und ihn auf die gleiche Stufe wie Plan A zu stellen, stößt vor allem Stadtrat Obermüller immer wieder auf Ablehnung und vor allem Kopfschütteln bei seinen Kollegen aus den anderen Fraktionen.

Dabei beschreibt Plan B eigentlich nur die Idee die bestehende Sparkassen-Tiefgarage gegenüber dem Rathaus unter dem Kurgarten zu erweitern. In Kombination mit einer optimalen Ausgestaltung des Hornanwesens würden – so die Rechnung der Freien Wähler – die benötigten Parkplätze geschaffen.

Zu den Verständnisproblemen und direkten Angriffen („Sie wollen doch nur blockieren“) kam es in der gestrigen Sitzung, weil die Freien Wähler von einer ganz anderen Ausgangssituation wie der restliche Stadtrat ausgehen.

Bedarfsschätzung laut Freie Wähler. Für eine große Ansicht draufklicken.

Die Bedarfszahlen in Obermüllers Rechnung sind deutlich niedriger, als die die der übrige Stadtrat derzeit diskutiert. Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse ist zwar in der Mache, dauert den Stadträten von der FWG aber zu lange. Die Angst geht um, dass bis die Ergebnisse da sind, der Status Quo bereits zugunsten des großen Parkhauses festzementiert ist.

Eine Million Euro gegenüber 3,5 Millionen

Dabei liegen die meisten Fakten auf dem Tisch. Bis auf die klare Aussage wieviele Parkplätze im nördlichen Bereich der Tegernseer Haupstraße überhaupt gebraucht werden, ist alles da. Auf der gestrigen Stadtratssitzung waren Architekt Herbert Wagenpfeil und Norbert Kruschwitz, Chef der TKV und damit zukünftiger Betreiber des Parkhauses, anwesend. Wagenpfeil ging in seinen Ausführungen zuerst auf die Kostensituation bei Plan B „Erweiterung der Tiefgarage“ ein. 69 Stellplätze könnten dort entstehen. Dafür würde die Tiefgarage hinten raus erweitert werden müssen. Die Gesamtkosten lägen bei 1,035 Mio. Euro bzw. 15.000 Euro pro Stellplatz. Zusammen mit einem ebenerdigen optimal ausgerichteten Parkplatz auf dem Hornanwesen entstünden so schätzungsweise 100 neue Parkplätze.

Auf dem Horn Anwesen könnten maximal 45-50 Parkplätze entstehen

Dagegen stehen die Kosten für das Parkhaus auf dem ehemaligen 1.670 Quadratmeter großen Hornanwesen. Wie eine langer Schlauch soll sich das geplante Haus mit einem Kopfbau, Geschäften, Toiletten und einem Aufzug in den verfügbaren Platz an der Hauptstraße eingliedern. Dreigeschößig, entweder mit oder ohne Untergeschoß. Bei der Lösung mit einem UG veranschlagt Architekt Wagenpfeil die Baukosten mit 4,5 Millionen Euro. Die möglichen Parkplätze liegen bei 164. Somit betragen die Kosten pro Stellplatz 27.500 Euro. Bei der Alternative ohne Untergeschoß entstehen 122 Plätze bei Gesamtkosten von 3,4 Millionen Euro. Somit liegen die Kosten pro Stellplatz bei 28.000 Euro.

Was bringen Parkplätze an einem Platz, wo sie vielleicht keiner braucht?

Die Frage nach den Kosten ist damit schnell beantwortet. Eine Erweiterung der Sparkassen-Tiefgarage fällt deutlich günstiger aus. Jedoch wäre diese auch limitiert in ihrem Stellplatzpotential. Den größten Nachteil beschreibt Stadrätin Martina Niggl-Fisser von der Bürger Liste mit den Worten:

Das alles mit dem Plan B ist ja interessant. Und günstiger ist es scheinbar auch. Aber das löst doch nicht unser Parkplatzproblem nördlich des Alpbachs.

Der Antrag von Stadtrat Obermüller erstmal zwei Jahre einen Planungsstop einzulegen und in dieser Zeit die Alternativen besser auszuarbeiten, ist für mich nur der Versuch Entscheidungen für zwei Jahre zu blockieren.

In der anschließenden Abstimmung wurde der Antrag der Freien Wähler den Parkplatz auf dem ehemaligen Hornanwesen genauer zu planen und in der Zwischenzeit das Parkhaus ruhen zu lassen, mit vier Gegenstimmen abgelehnt.


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