Postamt Rottach: Neuer Wirbel um unbedachte Äußerungen

Von Redaktion

Heute greift auch die Tegernseer Zeitung das Thema Postamt Rottach auf. Inzwischen wohl besser gesagt den Fall Elmering. Das Thema Fassadenrenovierung ist seit der Äußerung von Gemeinderätin Gabriele Schultes-Jaskolla leider etwas in den Hintergrund getreten. Seit letzter Woche geht es eher um ihre in den Raum gestellte Anschuldigung: Hat der Eigentümer, Hermann Elmering, finanzielle Probleme?

Herr Elmering hat letzte Woche in einem offenen Brief eine Entschuldigung durch die Gemeinderätin Schultes-Jaskolla und eine Rüge durch Bürgermeister Franz Hafner gefordert. Beides ist bisher ausgeblieben. Laut unseren Informationen hat sich gegenüber Hausbesitzer Elmering bisher niemand von der Gemeinde zu dem Vorfall gemeldet. Er bekommt seine Infos ausschließlich durch die örtliche Presse. Wir meinen: Stille Post in Rottach.

Das ist unsere ganz persönliche Meinung zu der Geschichte:

Ursprünglicher Artikel vom 28.04.2010, 19:42 Uhr

Hermann Elmering, der Eigentümer des Postamtes in Rottach, wehrt sich in einem Brief an Bürgermeister und Gemeinderat gegen einen heiklen Vorwurf: Hermann Elmering hat finanzielle Probleme.

Die Vorgeschichte: Das Postamt in Rottach verwahrlost mehr und mehr. Bei der letzten Gemeinderatssitzung war es mal wieder auf der Tagesordnung. Mit dem Antrag, Eigentümer Elmering ein zinsloses Darlehen über 15-20.000 Euro zu gewähren. Antragstellerin war Gemeinderätin Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG). Und die steht am Tag darauf auch mit folgendem Zitat in der Zeitung: „Deshalb gibt es nur eine Erklärung: Es geht ihm (Hermann Elmering /Anm.d.Redaktion) finanziell nicht aus.“

Kein schöner Anblick: Das Postamt in Rottach könnte dringend eine Renovierung gebrauchen
Kein schöner Anblick: Das Postamt in Rottach könnte dringend eine Renovierung gebrauchen

Zehn Punkte umfasst der Brief, den Herr Elmering jetzt an den Gemeinderat adressiert hat. Es geht um seinen guten Ruf, die öffentliche Anschuldigung und die Auswirkungen auf die Integrität seiner Person. Elmering ist Hausverwalter, Unternehmensberater und saß für einige Jahre im Aufsichtsrat bei ThyssenKrupp Elevators. Er lebt vom Vertrauen, das seine Auftraggeber in ihn haben. Da ist es fast schon ein Supergau, wenn in der Zeitung steht, dass er finanzielle Probleme hat.

Das wurde Gestern Abend anders gesehen. Bürgermeister Josef Hafner lehnte die öffentliche Rüge gegen Gemeinderätin Schultes-Jaskolla genau so ab, wie diese es vermied, ein Entschuldigung über die Lippen zu bringen. Die Gemeinderätin freute sich stattdessen über die fehlenden finanziellen Probleme: „Jetzt bin ich aber glücklich, dass es losgehen kann!“ Josef Hafner sah keinen Grund zur Rüge: „Ich täte es ja rügen, wenn es so behauptet worden wäre. Aber es waren ja lediglich Mutmaßungen.“

Jetzt wird’s komisch. Wenn jeder über jeden – und dann auch noch in der Öffentlichkeit – mutmaßen darf, bekommen wir ein Problem. Die Mutmaßung, dass eine Bank pleite ist, wird der Bank den Kopf Kosten. Die Mutmaßung, dass der Grundschullehrer auf kleine Buben steht, wird ihn zum Umziehen in einen anderen Ort zwingen. Und die Mutmaßung, dass Bürgermeister Hafner ins Gemeindesäckel greift, würde höchstwahrscheinlich die nächste Wahl entscheiden.

Es ist ärgerlich für eine Gemeinde, wenn ein privater Eigentümer ein exponiertes Gebäude verfallen lässt. Noch ärgerlicher ist es, wenn es gerade die Post ist. Trotzdem kann die Gemeinde den Eigentümer nicht dazu zwingen, sein Eigentum nach ihren Wünschen zu behandeln. Wenn er nicht renoviert – renoviert er eben nicht. Was aber auch eine Gemeinde nicht darf, ist Gerüchte in die Welt setzen. Den Eigentümer mit solchen Behauptungen unter Druck zu setzen und damit seinen Ruf zu schädigen, ist nicht OK. Hinter jedem Haus steckt auch ein Eigentümer. Hinter jedem Eigentümer ein Mensch.

Und genau diesen Menschen kann eine unbedachte Äußerung, Mutmaßung oder Behauptung, in Teufels Küche bringen. Dass das im Eifer des Gefechtes mal passiert ist vollkommen in Ordnung. Der Anstand, den eigenen Fehler zu erkennen und dafür gerade zu stehen, sollte danach aber auch da sein.


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