Hofläden:
Regionales Obst & Eis aus Bad Feilnbach

Ungespritztes Obst und leckeres Bauernhof-Eis aus dem Automaten? Findet man in Bad Feilnbach beides.

Äpfel aus der Region. / Foto: Adobe Stock, parallel_dream

“Herkunftsland: Chile”, steht kleingedruckt auf der Plastikverpackung, in der knackig rot-gelbe Äpfel stecken. Die Äpfel vom Discounter sehen köstlich aus. Trotzdem lege ich die Tüte zurück. Das Gewissen klopft an und sagt: fühlt sich nicht richtig an. Zugegeben: Ich versuche bewusst und nachhaltig zu konsumieren. Im Alltag vergesse ich meine guten Vorsätze aber oft – regionaler und saisonaler einzukaufen beispielsweise.

Und dann erinnere ich mich an die Worte meiner Nachbarin, die ihre Äpfel seit Jahren direkt vom Erzeuger in Bad Feilnbach kauft – ungespritzt und ihrer Meinung nach leckerer als die Hochglanz-Äpfel aus dem Supermarkt. Bad Feilnbach ist ein bekanntes Obstanbaugebiet im Landkreis Rosenheim. Vom Tegernsee ist es in 30 Minuten zu erreichen – und, wie ich feststelle – einen Besuch wert. Und es ist ein Paradies für Fans von schönen Hofläden. Von diesen gibt es nämlich ziemlich viele auf diesem gemütlichen Fleckchen Erde.

Öfter Hofladen statt Discounter

Für mich als Exil-Berlinerin wohnt Hofläden ein besonderer Zauber inne. Sie spiegeln meine romantische Vorstellung vom Leben auf dem Land wider – in meinem Traum-Bundesland Bayern. Außerdem finde ich es schön, regionale Landwirtschaftsbetriebe direkt zu unterstützen. Der Plan: Idealerweise erledige ich die Einkäufe, wenn ich ohnehin in der Gegend bin. Sonst würde ich unnötig CO₂ produzieren und die Aktion “nachhaltiger leben” wäre reines Greenwashing für mein gutes Gewissen.

Auf meiner Liste stehen ganz oben ungespritzte Äpfel – und der Hofladen “Tante Leni’s. Bekannte schwärmten neulich vom “Bauernhof-Eis”, das sie unter einem Baum vor dem kleinen Hofladen zu sich nahmen. Der Süßschnabel in mir möchte auch unter einem Obstbaum sitzen und Eis essen. Auch im Oktober. Auf geht’s nach Bad Feilnbach!

Hofladen Tante Leni’s in Bad Feilnbach

Gemütlich eingenestelt zwischen den Sterntaler Filzen und wunderschönen Bauernhöfen im Neuweg 6 in Bad Feilnbach-Wiechs finde ich Tante Leni’s Hofladen. “Grias di. Schee, dass Du do bist” steht auf einer Tafel vor der geöffneten Flügeltür. So herzlich begrüßt, trete ich freudig in das herbstlich dekorierte Holzhäuschen ein. Das Sortiment in dem kleinen Selbstbedienungsladen ist überraschend vielfältig.

Ein großer Automat ist mit selbstgemachten Produkten gefüllt. In den Holzregalen daneben: Gewürze, Nudeln, Deko, Accessoires und Haushaltswaren im verspielten Landhausstil – und ein großer Kaffeeautomat lacht mich an. Für die Kleinen gibt’s Kakao. Bezahlt wird direkt an den Automaten oder an der kleinen Kasse. Für die Rückgabe und Wiederverwendung von Gläsern steht eine Kiste bereit.

“Bavarian Cheesecake” Bauernhof-Eis

Und dann entdecke ich, was mich ursprünglich angelockt hat: den Eis-Automaten neben dem Holzhaus. Regelrecht unverschämt flirtet er Naschkatzen wie mich an. Das Eis stammt vom Milchhof Miesbach, einem Zusammenschluss von Bauern aus dem Landkreis. Nun habe ich die Qual der Wahl: Kreationen wie Bavarian Cheesecake, weiße Schokolade mit Mohn, Butterkeks mit knusprigen Keksstücken und viele Bio-Sorten wie gebrannte Mandeln oder Tiramisu stehen zur Auswahl.

Ich entscheide mich – na klar! – für Bavarian Cheesecake. Pfiffig: Der kleine Holzlöffel steckt direkt im Deckel des Bechers, der Automat gibt Wechselgeld. Die Idee zu dem Hofladen hatten die junge Bad Feilnbacherin Leni Maurer und ihr Vater. Im Frühjahr 2022 erfolgte die Eröffnung. Mit dem kleinen Selbstbedienungsladen wollen sie die Produkte aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb besser vermarkten –  und Ausflüglern einen schönen Ort zum Rasten bieten. Gelungen, wie ich finde.

Mehr als Bio: naturbelassenes Obst vom Seebacherhof

30.000 Apfelbäume gibt es in Bad Feilnbach – und Bayerns größtes Apfelfest. Dass genau dieses Fest, zu dem zuletzt wieder Tausende nach Bad Feilnbach strömten, meine Einkaufspläne torpedieren sollten, stelle ich im Hofladen vom Seebacherhof in der Münchner Straße 10 in Bad Feilnbach fest. Denn: Obst und Gemüse ist nicht mehr viel übrig. Die Besucher des Apfelfests kamen mir zuvor. Dafür gibt es andere Leckereien wie Aufstriche aus naturbelassenem Obst aus eigenem Anbau, Sirup, naturbelassene Apfelchips, Liköre und vieles mehr.

Hergestellt werden die hübsch verpackten Produkte von Frau Seebacher persönlich. Ihre Begeisterung für naturbelassenes Obst steckt an. Anders als Bio-Obst – das auch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wird – sind die Seebacher-Produkte naturbelassen. Heißt: absolut unbehandelt. Und so haben Äpfel und Co. auch ihre optischen “Macken” – für das von gezüchteten Supermarkt-Sorten aus konventionellen Anbau mag das zunächst ungewöhnlich erscheinen. Ich aber finde: Charakter ist cool. Und auch der Geschmack der Natur, der in den Produkten steckt.

Spontan entscheide ich mich für ein Zitronen-Salz und freue mich auf den nahenden Winter: Dann nämlich gibt es selbstgemachte Kränze – natürlich von der eigenen Tanne. Dann werde ich dem Hofladen aber vor dem berühmten Weihnachtsmarkt im Wald einen Besuch abstatten. Nicht, dass die Besucher mir wieder alles wegschnappen.

Alte Sorten, lange haltbar

Zu meinen Äpfeln soll ich aber noch kommen: Vor dem Kriechbaumerhof (Münchner Straße 5 in Bad Feilnbach) steht ein großer Holzschrank mit geöffneten Türen. Darin: Selbstgemachtes wie Marmelade, Apfelessig, Apfelsaft und – tataaa! – zwei Tüten Äpfel. Von der Sorte habe ich noch nie etwas gehört: Zabergäu Renette. Ungewohnt natürlich sehen die Äpfel mit ihrer matten Patina aus. Ich erfahre, dass es sich um Winteräpfel handelt. Diese müssen noch nachreifen – und können, werden sie kühl und dunkel gelagert, noch bis in den Winter genossen werden. Ich werfe das Geld in die kleine Kasse im Schrank.

Mit Moarhof-Äpfeln in den Winter

Vorm Moarhof in der Hocheckstraße 12 in Bad Feilnbach halte ich an. Auch hier stehen noch vier Kisten Äpfel in einem Verkaufsstand am Straßenrand. Der Gedanke, mir einen kleinen Apfel-Vorrat anzulegen gefällt mir – und entspricht dem Plan, nachhaltiger einzukaufen. Gerade sammelt Bärbl Müllauer vom Moarhof Walnüsse auf, die sich auf der Wiese vor dem Hof im warmen Licht der Herbstsonne ausgebreitet haben.

Auch sie setzt auf naturbelassene, alte Sorten. Im Hofladen gibt es Selbstgemachtes aus eigener Herstellung, Bienenhonig, Obst-Edelbrände- und Essige, Marmeladen und – je nach Ernte – Frisches aus eigenem Anbau. Durch das kalte Frühjahr, den trockenen Sommer und das große Unwetter sei die Ernte in diesem Jahr kleiner ausgefallen. Ich denke an die rostbraunen Winteräpfel im Kofferraum, die ich gerade gekauft habe.

Brauche ich wirklich noch mehr Äpfel? Und dann denke ich an die künstlich glänzenden Discounter-Äpfel und nehme eine Kiste Moarhof-Äpfel mit. Ich werde sie einlagern, wie Frau Müllauer es mir erklärt hat: leicht zugedeckt im Keller. Und dann werde ich mich im Winter freuen, wenn ich in einen naturbelassenen Apfel aus der Region denke – und an die Menschen, die diese für uns im Einklang mit der Natur herstellen.

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