Wiesseer Feuerwehr beruhigt

Gasautos im Tal: (Keine) Zeitbomben?

Von Rose Beyer

Spätestens dann, wenn irgendwo ein Haus explodiert, weil die Gasleitung defekt war, geht auch die Angst in Sachen Autos mit Erd- oder Flüssiggas um. Ein lang gehegtes Vorurteil der Gasauto-Gegner lautet: „Wenn es kracht, fliegt man womöglich in die Luft.“

Sind diese Fahrzeuge also rollende Bomben? „Alles Quatsch“, meinen die Befürworter. Wir fragen die Experten.

Erdgas gibt es beispielsweise an der ARAL-Tankstelle in Wiessee

Ein vermeintlich ungefährlicher Auffahrunfall ereignete sich kürzlich in Passau. Die beiden Autos prallten mit einer Geschwindigkeit von nur 30 bis 40 Stundenkilometer aufeinander, und es wurde niemand schwer verletzt. Trotzdem macht die Begebenheit die Runde. Denn eines der Fahrzeuge war ein Gasauto, und der Tank wurde beschädigt.

Aufgefallen war dies nur durch ein kleines Zischen. Die anschließenden Messungen der Feuerwehr machten die Gefahr allerdings deutlich: Es lag explosives Gas-Luft-Gemisch vor.

Auf Situation nicht vorbereitet

Von der brenzligen Situation wusste erst einmal niemand: das Gas war weder zu sehen noch im Freien zu riechen. Gesichert wurde die Unfallstelle erst, nachdem die Feuerwehr angerückt und die gefährliche Situation erfasst hatte. Vorbereitet war man darauf allerdings auch bei der örtlichen Feuerwehr nicht.

Denn zunächst einmal kam niemand auf die Idee, die Unfallstelle auf austretendes Gas zu untersuchen. Und so lange konnte dieses ungehindert entweichen. Erst nach dem Ergebnis der Messungen sperrten die Floriansjünger die Straße großräumig ab und ließen das Gas kontrolliert entweichen. Man bannte die Gefahr schließlich unter Einsatz von Wassersprühnebel.

Gefahrenerkennung ist entscheidend

Als wir den Unfall telefonisch bei der Wiesseer Polizeistation schildern, heißt es, dass zunächst einmal die Gefahrenstelle gesichert werden muss. Da sei die geschilderte Situation wie jeder andere Unfall auch. „Der Tank ist im Normalfall sicher“, beruhigt der Beamte. Man würde in einem solchen Szenario jedoch sofort die Feuerwehr zurate ziehen.

Und der erste Kommandant der Wiesseer Feuerwehr, Christian Stiglmeier, sieht bei Gasautos kein besonderes Gefahrenpotenzial. „Die sind sicher“, sagt er uns. Während seiner Kommandantenzeit habe es noch keinen Einsatz mit Gasautos gegeben, so Stiglmeier.

Sollte aber tatsächlich einmal ein solcher Unfall passieren, wisse er, was zu tun sei. Laut Stiglmeier sind die Gefahrenerkennung und der Schutz der Bevölkerung das Wichtigste: „Erst mal großräumig absperren.“ Danach könne man entsprechend handeln. Auch die Verbindung mit einer Werkstatt würde man in einem solchen Fall suchen.

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Weiß sich auch bei Gasunfällen zu helfen – die Wiesseer Feuerwehr

Auslaufende Betriebsstoffe gibt es oft bei Verkehrsunfällen. Der Vorteil bei Fahrzeugen mit Kraftstoff wie Benzin oder Diesel: man sieht den Austritt sofort und kann gleich eine Absperrung in die Wege leiten.

Für den Feuerwehrkommandanten besteht dennoch kein Grund, seine Leute in praktischen Übungen dafür extra zu schulen. Die Verhaltensweisen, die sich nicht wesentlich von denen bei Unfällen mit herkömmlichen Fahrzeugen unterscheiden, wären den eingesetzten Leuten bekannt. „Übungen, um Gefahrenstellen verschiedenster Art mit verströmendem Gas zu sichern, gehören zum festen Programm in der Aus- und Fortbildung“, so Stiglmaier.

ADAC gibt Entwarnung

Auch der ADAC zeigt sich nicht beunruhigt. Bei durchgeführten Tests zu Auffahrunfällen und Fahrzeugbränden wurden keinerlei Unterschiede zwischen gas- und benzinbetriebenen Fahrzeugen festgestellt. Nach Informationen des ADAC sind die Gasbehälter durch Ventile so abgesichert, dass selbst bei heftigen Crashs oder Bränden keine Explosionsgefahr besteht.

Der Unfall in Passau gelte als absoluter Ausnahmefall, denn hier sei just dieses Ventil unglücklicherweise beschädigt worden, so die Polizei.


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