Der ultimative Hüttentest
Teil 2: Satt und glücklich ins Tal

von Rose Beyer

Vor zwei Wochen hatten wir im ersten Teil unseres Hüttentests das Berggasthaus Galaun am Riederstein sowie das Panoramarestaurant auf dem Wallberg einer “Inspektion” unterzogen.

Heute geht es in Richtung Kreuther Tal. Einerseits steht ein Bergspaziergang auf die Schwarztenn-Alm auf dem Programm, andererseits geht es auf einer etwas anspruchsvolleren Tour hoch aufs Hirschberghaus.

Schwarzentenn-Alm

Der Aufstieg zur Alm vom 840 Meter hoch gelegenen Parkplatz kurz vor Bayerwald beginnt auf einer breiten Schotterstraße in nördliche Richtung – immer in das Schwarzenbachtal hinein.

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Nach ungefähr 400 Metern muss man sich entscheiden: bleibt man rechter Hand, führt der – auch kinderwagentaugliche – Forstweg weiter bis zur Alm. Wir haben uns dieses Mal jedoch für den idyllischeren Pfad entschieden, der links über eine kleine Brücke führt. Immer am Bach entlang und an einem kleinen Wasserfall vorbei geht es mit nur geringer Steigung aufwärts, bis beide Wege nach einer knappen Stunde wieder zusammenführen.

Nach diesem kurzen „Bergspaziergang“ ist man auf der 1.027 Meter hoch gelegenen, in einem langen Hochtal befindlichen Almhütte südlich des Hirschbergs angelangt. Hier ist Selbstbedienung angesagt. Die Karte ist übersichtlich und ausreichend für so eine kleine, nette Berghütte. Es gibt die klassischen Hüttengerichte. Alles scheint selbst gemacht zu werden. Sogar die Speisekarte ist handgeschrieben.

Allerdings gibt es keinen Kaiserschmarrn, auf den wir uns schon fest eingeschossen hatten. Wir wählen stattdessen einen Käsekuchen und Wiener mit Kartoffelsalat.

“Man könnt glatt versumpfen”

Der Wirt und seine Partnerin sind freundlich, halten sich aber nicht mit langen Gesprächen auf. Die Hütte innen ist gemütlich, und wir können uns gut vorstellen, dass man hier gut „versumpfen“ könnte. Aber an diesem sonnigen Freitagspätvormittag machen wir es uns bei gefühlten 30 Grad draußen gemütlich.

Nun kurz zur Speisenbewertung: Der Käsekuchen ist unschlagbar. Lecker-locker geschlagen, hausgemacht, frisch und mit kleinen Zitronenabrieb-Spreißeln versehen, auch die Stückgröße ist ausreichend. Bei den Wienern kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

Allerdings ist der Kartoffelsalat geschmacklich noch deutlich verbesserungswürdig. Zwar sieht die Masse auf dem Teller schön aus, aber der salzig-essigsaure Geschmack dominiert den gesamten Salat. Bekanntlich gehört es ja in Bayern zu den schwierigsten Dingen, ein gut abgestimmtes Dressing für Kartoffelsalat hinzubekommen.

Fazit

Der Käsekuchen ist sehr schmackhaft. Die Karte ist klein, aber mit einigermaßen ordentlichem Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Wanderziel kann ausdrücklich als familienfreundlich bezeichnet werden. Mit größeren Kindern oder Zwergen in der Kraxe ist der linke „Wasserfallweg“ ohne Probleme machbar. Hat man einen Kinderwagen dabei, wählt man den rechts verlaufenden, breiteren Forstweg.

Einziger Wermutstropfen: Am Kartoffelsalat sollte man geschmacklich noch ordentlich arbeiten. Und am Wochenende ist dieses idyllische Wanderziel meistens recht überlaufen, weil schnell erreichbare, behüttete Almen immer gern genommen werden.

Das hat die Karte im Detail zu bieten:
2 Stück Weißwürste mit Breze 5 Euro
Nudelsuppe 3,50 Euro
Pfannkuchensuppe 4 Euro
Speckknödlsuppe 4 Euro
Kartoffelsuppe mit Wurst 5 Euro
Wiener (2 Paar) oder Debreziner mit Kraut oder Kartoffelsalat 7 Euro
Käsknödl mit Kraut oder Salat 7,50 Euro
Leberkäse mit Kartoffelsalat 7 Euro
Tellerfleisch mit Kartoffelsalat 8.50 Euro

Öffnungszeiten:
Montag bis Mittwoch und Freitag bis Sonntag, 09 bis 18 Uhr geöffnet
Donnerstag Ruhetag

Hirschberghaus

Unser viertes Ziel ist das Hirschberghaus. Dieser Gipfel zählt zu den beliebten Touren für Münchner und Einheimische – für Letztere am liebsten unter der Woche. Bei der relativ anspruchsvollen Tour sollte es selbstverständlich sein, dass es auch ein gutes Gasthaus auf dem Weg gibt.

Große Wirtschaft

Wie gut es tatsächlich ist, wird sich herausstellen. Betiteln böse Zungen den Wirt doch als „Frittenpaule“, was sich nicht gerade wie ein Kompliment anhört. Die Forststraße, die ein einigermaßen trainierter Wanderer auch mit Kinderwagen hochschieben kann, führt einen von Scharling durch einen Mischwald hinauf zur ungefähr auf halbem Wege gelegenen Holzpointalm.

Wir ziehen rechts am Almgelände vorbei und begeben uns – an einer Verzweigung links haltend – auf den Weg weiter zur Hirschlache (1.340 Meter). Ab hier führt nur noch ein Pfad die letzte halbe Stunde in Richtung Gaststätte. Jetzt im Frühsommer wählt man den rechts herum verlaufenden Sommerweg.

Im Winter geht es auf dem teilweise mit Stahlseilen gesicherten Weg über den sogenannten Kratzer zum Hirschberghaus. Ingesamt wandert man – mit größeren Kindern – an die zwei Stunden bis zur Gaststätte auf 1.511 Metern Höhe.

Die Wirtschaft ist innen mit zahlreichen Tischen ausgestattet, an denen man einen super Blick durch die große Glasfensterfront in die umliegenden Berge genießen kann. Auch übernachten könnte man hier im Gemeinschaftslager. Wir machen es uns an diesem sonnigen Samstagmittag auf der großen Sonnenterrasse bequem. Hier sind wir nicht allein. Gerade kommt eine 50-köpfige Alpenvereinsgruppe vom Gipfel zurück.

Diesen werden wir uns heute „sparen“. Stattdessen studieren wir lieber die kreidegeschriebenen Schilder, auf der Speis und Trank angeboten werden. Es gibt traditionelle Hüttengerichte, aber auch ein paar „Spezialitäten des Hauses“. Leider vermissen wir auch hier einen Kaiserschmarrn.

Alles schmeckt, ohne zu begeistern

Das Personal ist höflich, aber nicht überschwänglich. Trotz der Tatsache, dass viel los ist, geht es in der Küche flott voran. Im Nu stehen eine Erbsensuppe, ein Apfelstrudel – anstatt dem Kaiserschmarrn – und zwei Leberkäse auf unserem Selbstbedienungstablett. Alles schmeckt uns, würde aber keinen Preis gewinnen.

Der Apfelstrudel ist ein bisschen zu weich, und die Rosinen muss man suchen. Die Vanillesoße könnte vanilliger sein. Die Erbsensuppe ist schmackhaft, aber wir vermissen ein paar ganze Erbsen. Die Wiener sind so, wie man sie kennt. Das Brot lassen wir übrig, denn es ist sehr trocken. Den Leberkäse kann man als riesige Scheibe mit Löchern und Geschmack drum herum bezeichnen. Auch beim Kartoffelsalat wurde nichts falsch gemacht.

Die Bezeichnung „Frittenpaule“ können wir aber nur eingeschränkt teilen. Im Übrigen werden gar keine Pommes angeboten. Jedenfalls wurden wir sehr satt, aber auf einer Geschmacksskala von 1 bis 6 könnten wir höchstens eine 3+ vergeben.

Fazit

Das Wanderziel kann als eingeschränkt familienfreundlich bezeichnet werden. Für größere Kinder ist das Ziel zwar eine Herausforderung, aber – mit entsprechender Motivationsunterstützung – bis zum Gasthaus gut zu schaffen.

Mit Kleinkindern kann man bis zur Hirschlache gelangen, danach ist die Tour nur in der schneefreien Zeit und für geübte Väter mit Kraxe zu empfehlen. Für Vierbeiner steht ein Wassereimer zur Verfügung. Das Essen ist genießbar, aber nicht preisverdächtig. Die Preise sind im Rahmen bis im oberen Bereich, aber wenigstens sind dafür die Portionsgrößen ordentlich.

Das hat die Karte im Detail zu bieten:
– Apfelstrudel mit Vanillesoße 4,80 Euro
– 1 Paar Wiener mit Brot 4,00 Euro
– 2 Paar Wiener mit Brot 7,80 Euro
– 1 Paar Weißwürste 5,50 Euro
– Debreziner mit Kraut und Brot 7,50 Euro
– Leberkäse mit Kartoffelsalat 8,20 Euro
– Leberkäse mit Brot 6,00 Euro
– Pressack sauer mit Brot 6,80 Euro
– Käsebrot 5,10 Euro
– Südtiroler Speckbrot 5,90 Euro
– Speckknödelsuppe 5,00 Euro
– Linseneintopf mit 1 Paar Wiener 6,90 Euro
– Erbsensuppe mit Würstl und Brot 6,30 Euro
– Portion Bergalmkäse am Stück mit Paprika, Gurke und Brot 9,90 Euro
– 2 Stück geräucherte Gamswürstel mit Gurke und Brot 8,80
– Halbe Helles (Tegernseer) 3,50 Euro
– Buttermilch 1/4 Liter 1,70 Euro
– Skiwasser (Wasser mit Orangensirup) 2,80 Euro

Öffnungszeiten:
Täglich 9 – 17 Uhr; Dienstags Ruhetag

Webseite des Hirschberghauses

Die ersten zwei Teile unsere Hüttentests sind zu Ende. Schön war's!

Gesamtfazit nach unseren vier Hüttentouren: Direkt vergleichbar sind die vier Touren und auch die vier Almen nicht. Vorher sollte man sich einfach überlegen, was einem wichtig ist. Will man eine „kinderleichte“ Tour, wählt man die Schwarzentenn-Alm oder die Galaun.

Möchte man gepflegt essen und nicht so sehr auf den Geldbeutel schauen, entscheidet man sich für den Wallberg. Will man eine anspruchsvolle Tour, plant man den Hirschberg für sich.

Die perfekte Tour, die alle Wünsche erfüllt, ist bei den vieren nicht dabei, denn kleine Abstriche muss man überall machen.

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