Mittagsbetreuung ohne Mittagessen keine Ausnahme im Tal
Satt werden in der Grundschule?

von Lydia Dartsch

Mittagsbetreuung an den Grundschulen im Tal beinhaltet nicht unbedingt ein Mittagessen. Vor allem, wenn die Kinder nur zur Kurzzeitbetreuung angemeldet sind, ist das ein Problem: die rund zwei Stunden zwischen Unterrichtsende und Mittagessen zu Hause müssen sie irgendwie überbrücken.

Ein Wiesseer Vater findet das nicht in Ordnung. Doch ein Blick in die anderen Schulen zeigt, dass warmes Essen nicht selbstverständlich ist. Viele Kinder nehmen dann eine Brotzeit mit.

In der Mittagsbetreuung der Gmunder Grundschule / Archivbild
In der Mittagsbetreuung der Gmunder Grundschule / Archivbild

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Wenn für ein sechsjähriges Kind um 11:30 Uhr der Schultag endet, knurrt ihm der Magen. Wenn beide Eltern arbeiten, können sie dagegen nicht viel unternehmen, außer ihr Kind für die Mittagsbetreuung an der Schule anmelden.

Die Grundschule Bad Wiessee bietet den Eltern zwei Möglichkeiten: die Betreuung bis 13:30 Uhr ohne Mittagessen und die Betreuung bis 16:00 Uhr mit warmer Verpflegung. Das Problem: Mit rund 30 Schülern in der Nachmittagsbetreuung sind die Kapazitäten der Schule erschöpft. Es gäbe allerdings eine Warteliste, so der Wiesseer Geschäftsleiter Michael Herrmann.

Für Ulrich Schmid aus Bad Wiessee geht das nicht an. Das Essen könne man auch für die Kinder in der Mittagsbetreuung bereitstellen, wenn man es nur wolle. Die Kinder könnten in Schichten essen, schlägt Schmid vor. Zu lange seien die Schüler hungrig, wenn sie nach der Mittagsbetreuung – ohne Mittagessen – abgeholt würden:

Wenn man sein Kind um 13:30 Uhr in der Schule abholt und dann erst Essen kocht, gibt es erst um 14:30 Uhr Mittagessen. Dabei hatten sie schon um 11:30 Uhr Unterrichtsschluss.

Für Geschäftsleiter Herrmann kommt die Kritik überraschend. Darauf sei er bisher nicht angesprochen worden. Er sei aber offen für Verbesserungen. Im Moment stoße man jedoch in der Grundschule an Grenzen. Das werde sich erst zum Schuljahr 2014/15 ändern, wenn die Realschule Tegernseer Tal in ihren Neubau in Gmund eingezogen ist.

Eine weitere Möglichkeit wäre ein Hort, so Herrmann weiter. Derzeit laufen Gespräche mit dem Landratsamt Miesbach darüber. Konkrete Termine gäbe es nicht. Der Vorschlag, die Kinder im benachbarten katholischen Kindergarten mitessen zu lassen, wie Schmid vorschlägt, scheitere dabei an bürokratischen Hürden. Wegen der verschiedenen Träger der beiden Einrichtungen würde das Schwierigkeiten in der Abrechnung machen.

Satte Kinder im Tal?

Doch so selbstverständlich, wie man es erwarten könnte, ist das warme Mittagessen in den Grundschulen im Tal nicht. Die Grundschule in Rottach-Egern bietet seit diesem Schuljahr eine Mittagsbetreuung bis 14:00 Uhr an. Zwölf Kinder sind dafür angemeldet: unter der Aufsicht einer Betreuungsperson können sie nach dem Unterricht spielen oder Hausaufgaben machen. Ein Mittagessen gibt es nicht.

Dafür reiche der Platz nicht aus, erklärt die frischgebackene Rektorin Katrin Brück. Nachfragen von den Eltern habe es bisher nicht gegeben. Sie könne sich aber vorstellen, dass sich das in Zukunft ändern könnte.

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Auch in Gmund gibt es derzeit kein warmes Mittagessen für die Grundschüler, wie Rektorin Gudrun Klotzsche erklärt. Derzeit wird eine Mensa gebaut, die ab dem nächsten Schuljahr warmes Essen anbietet. Die 60 Kinder, die derzeit zur Mittagsbetreuung angemeldet sind, werden täglich bis 15:00 Uhr im katholischen Pfarrsaal betreut, können Hausaufgaben machen, spielen und ihre mitgebrachte Brotzeit essen – ganz wie sie wollen.

Dagegen gehört in Tegernsee das gemeinsame Mittagessen zum festen Ablauf der Mittagsbetreuung. Kinder können ihre Brotzeit mitbringen oder bekommen ein warmes Essen, wenn ihre Eltern sie dafür angemeldet haben. Man handhabe das sehr flexibel, so Frau Brommer, die sich um die Mittagsbetreuung kümmert:

Die kleineren Kinder kommen früher aus dem Unterricht – die größeren gegen 13 Uhr. Dann gibt es ein gemeinsames Essen.

Bis 16:00 Uhr werden die 25 Kinder in Tegernsee betreut. In puncto Essen setzt auch hier das Platzangebot Grenzen: Wenn mehr Kinder angemeldet würden, müsse man in zwei Gruppen essen, sagt sie. Da sei man flexibel. Das bestätigt auch Rektor Peter Walter.

Eine so flexible Handhabe wünscht sich auch Ulrich Schmid. Die Umstände an der Wiesseer Grundschule hatten in seiner Familie zur Folge, dass keines seiner drei Kinder mehr in der Schule isst – obwohl das Gymnasium für die Älteste und der Kindergarten für den Jüngsten warmes Mittagessen anbieten:

Ich habe eine Hilfskraft eingestellt, die Mittagessen kocht. Meine Kinder essen jetzt alle zu Hause.

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