Schnapp’ sie dir alle!

Pokémon Go verändert gerade das öffentliche Leben in der ganzen Welt: Überall rennen Menschen mit ihren Smartphones in der Hand durch die Gegend. War bisher zwar auch schon so, nur jetzt fangen sie dabei Pokémon! Unser Redakteur hat die Reise seines Lebens in Holzkirchen gestartet.

Was der Professor sagt, weiß jedes Kind. Im Hintergrund kann man ein gezähmtes Hundemon erkennen.
Was der Professor sagt, weiß jedes Kind. Im Hintergrund kann man ein gezähmtes Hundemon mit seiner Trainerin erkennen. Behauptet zumindest der Autor dieses Artikels.

„Geh doch mal raus an die frische Luft!“, beschwerte sich früher die Mutter: „Du verschwendest mit diesen ganzen Videospielen nur deine Zeit!“ Doch was soll man tun, wenn einen die Redaktionsleiterin bittet, ein brandneues Smartphone-Spiel in Holzkirchen zu testen? Und zwar nicht irgendeins, sondern das, aus dem der Stoff unserer Kindheitsträume gemacht war?

Eben. Schnapp’ sie dir alle, hallt es durch meinen Kopf. Ich will der Allerbeste sein, wie keiner vor mir war! Aber halt! Was werde ich auf meiner ersten großen Reise wohl alles brauchen? Nun, ich will ja nicht irgendein dahergelaufener Trainer sein. Wenn ich das gerade erschienene Pokémon Go spiele, dann will ich der eine, der einzig wahre Ash Ketchum sein!

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Der hippe Professor und das Problem mit der Namensfindung

Also setze ich meine Mütze auf, grinse debil wie sonst nur Ash es kann, und erzähle dem Pokémon-Professor, wie ich heiße. Oder besser gesagt, ich versuche mich mit dem Namen „AshKetchup“, den ich in dem Moment zum Schießen finde. Und scheitere: Name nicht verfügbar. Na gut, dann heiße ich eben HokiYamamoto. Und nun? Na klar: Ich stehe am Holzkirchner Marktplatz, denn wo sonst in dieser Welt würde man das Abenteuer seines Lebens beginnen?

Der merkwürdig hip aussehende Professor Willow erklärt mir dort die Welt der Pokémon. Mit der grauen Eminenz eines Prof. Eich hat er wenig gemeinsam – aber was soll’s. Ohne große Erwartungen an das, was der Marktplatz in Pokémon Go zu bieten haben könnte, nähere ich mich dem grünen Daumen vor dem Rathaus (der genauso gut aus einem alten Pokémon-Spiel stammen könnte). Doch siehe da!

Der Brunnen sieht vielversprechend aus - und tatsächlich erhalte ich hier drei Pokébälle! Dann hole ich mir mein Starter-Pokémon.
Der Brunnen sieht vielversprechend aus – und tatsächlich erhalte ich hier drei Pokébälle! Dann hole ich mir mein Starter-Pokémon.

In einer Gasse hinter dem Rathaus entdecke ich drei alte Bekannte: Bisasam, Schiggy und Glumanda. Ich bete, dass mich gerade niemand beobachte, und fange mir mein Starter-Pokémon! Heimlich balle ich meine Faust. Als ich mich umdrehe, grinst mir ein junger Postbote wissend zu.

Mit frischem Mut mache ich mich also auf die Reise. Glumanda, mein neuer, alter bester Freund, ist immer bei mir. Ich wage mich in die Unterführung am Marktplatz, dort soll ein „Pokéstop“ sein. Das verspricht Pokébälle und andere nützliche Items, also los! Doch als ich vor den bunten Wandmalereien stehe, folgt die erste Ernüchterung: Der Pokéstop ist angeblich „zu weit entfernt“. Schade, denke ich mir, und knipse ein vernichtendes Beweisfoto.

Soso, zu weit entfernt? In dem neuen Pokémon-Spiel läuft noch nicht alles glatt.
Soso, zu weit entfernt? In dem neuen Pokémon-Spiel läuft noch nicht alles glatt.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Mein Abenteuer wird immer rasanter. Ich greife ab, was zu bekommen ist, an der Raiffeisenbank, vor der Alten Post, bei der Marienapotheke. Überall fülle ich meine Taschen mit neuen Pokébällen. Und dann ist es endlich so weit: Auf dem Parkplatz eines Supermarkts fange ich mein erstes Hornliu. Schon klar, es ist nicht gerade das Pokémon, das man unbedingt auf Level 100 trainiert – aber in den Pokédex gehört es trotzdem. Schließlich will ich Professor Willow stolz machen.

Kurz darauf stoße ich auf ein wildes Zubat. In „echt“ sieht es ganz schön unheimlich aus. Ich schnipse mit dem Finger über den Bildschirm und werfe heroisch einen Pokéball. Natürlich daneben – der zweite Versuch klappt besser. Als mir ein älterer Herr entgegenkommt und mich skeptisch anblickt, bemerke ich, dass ich gerade eine Viertelstunde mit angeschalteter Pokémon-Musik durch meinen Heimatort gelaufen bin. Aber jetzt ist es auch schon egal.

Spielplätze als Kampfarenen

Die Karte zeigt an, dass am Herdergarten etwas Großes ist. Ich tippe drauf und lese „Arena“ – irgendwie passend. Doch ich bin noch zu unerfahren, meint der Professor, Level 5 sei das mindeste. Ich gehe trotzdem vorbei und muss schmunzeln, als der genaue Ort der Pokémon-Arena ausgerechnet ein Spielplatz ist. Ich fühle mich ein wenig alt und gleichzeitig wieder so jung.

Mit eisernem Willen setze ich meine Reise fort. Auf dem Weg zurück in die Ortsmitte fange ich im Schatten des JUZ ein Nebulak, auf das ich irgendwie stolz bin. Dann beschließe ich, Richtung Steindlallee zu gehen. Das Spiel belohnt mich mit zwei Taubsi und drei Rattfratz, wobei mich nur das erste Rattfratz noch gerade so freut.

Auf halber Strecke passiere ich das Büro der hiesigen „Heimatzeitung“ und überlege kurz, ob das vielleicht ein Job für mein Glumanda wäre. Aber Brandstiftung führt ja auch zu nichts.
Auf halber Strecke passiere ich das Büro der hiesigen „Heimatzeitung“ und überlege kurz, ob das vielleicht ein Job für mein Glumanda wäre. Aber Brandstiftung führt ja auch zu nichts.

Etwas abgelenkt vom strahlend hässlichen Postbräuareal stolpere ich auf Höhe des Werkstoffhofes über ein süßes Evoli. Der Pokéball schnappt zu, doch zu meiner großen Enttäuschung ist es das einzige Pokémon, das schien den folgenden 20 Minuten zu Gesicht bekomme. Wieder komme ich an einer Arena vorbei, wieder ist es ein Spielplatz. Das ist der richtige Ansatz, denke ich: Lasst die Kinder früh genug gegeneinander kämpfen! Das Leben ist hart!

Die Bilanz der atemberaubenden drei Stunden, die die iPhone-Batterie ungefähr mitgemacht hat: Ein Evoli, ein männliches Nidoran, ein Mauzi, ein Nebulak, ein Raupy, drei Zubat, fünf Taubsi, sieben Rattfratz, acht Hornliu. Und natürlich Glumanda. Dazu insgesamt neun Eier, wovon eins gerade ausgebrütet wird – wenn ihr erfahren wollt, was daraus schlüpfen wird, teilt den Artikel fleißig auf Facebook!

Obwohl das Spiel erst am Mittwoch erschienen ist, kann es schon mit jeder Menge Features überzeugen – da lassen sich auch noch kleinere Fehler bei der Lokalisierung leicht entschuldigen. Zudem kostet die App genauso viel wie das Lesen der Holzkirchner Stimme – nämlich gar nichts. In einer etwas größeren Gemeinde wie Holzkirchen wird einem mit Pokémon Go so schnell nicht langweilig – und man kommt viel herum. Daher klare Empfehlung: Runterladen und schnapp’ sie dir alle!

Weitere Eindrücke vom großen Abenteuer des HokiYamamoto in der Marktgemeinde:

Der Herdergarten könnte schon bald Schauplatz hitziger Kämpfe sein - natürlich nur auf dem Smartphone.
Der Herdergarten könnte schon bald Schauplatz hitziger Kämpfe sein – natürlich nur auf dem Smartphone.

Am Bahnhof befindet sich eine Pokémon-Arena - ab Level 5 kann man sich hier mit anderen Trainern messen. Doch Vorsicht: Am Anfang könnte es so manche Klatsche geben. Schließlich haben sich einige das Spiel schon vor dem offiziellen Release in Deutschland gezogen - und sind jetzt schon stark.
Am Bahnhof befindet sich eine Pokémon-Arena – ab Level 5 kann man sich hier mit anderen Trainern messen. Doch Vorsicht: Am Anfang könnte es so manche Klatsche geben. Schließlich haben sich einige das Spiel schon vor dem offiziellen Release in Deutschland gezogen – und sind jetzt schon stark.

Was man in Holzkirchen nicht so alles findet!
Was man in Holzkirchen nicht so alles findet!

Auch hier an der ehemaligen Ruine an der Münchner Straße kann man kämpfen. Los, Mauzi!
Auch hier an der ehemaligen Ruine an der Münchner Straße kann man kämpfen. Los, Mauzi!

Zahlreiche Orte in Holzkirchen beherbergen Items für aufstrebende Pokémon-Trainer - oft gibt es auch noch eine kleine Beschreibung dazu. Fast wie auf dem Gameboy.
Zahlreiche Orte in Holzkirchen beherbergen Items für aufstrebende Pokémon-Trainer – oft gibt es auch noch eine kleine Beschreibung dazu. Fast wie auf dem Gameboy.

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