Originelle Online-Serie aus dem Oberland feiert Premiere
„Schnauze, Schlumpfi!“

von Marius Mestermann

Anfang August startet das weltgrößte Metal-Festival im berüchtigten Dörfchen Wacken. Zwei Männer aus dem Oberland wollen dort eines Tages auftreten. Doch der Weg ist weit. Lord & Schlumpfi heißt das kuriose Duo – sie sind die Stars einer neuen Online-Serie made in Oberland.

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„Es war Nacht, es war Vollmond. Wir waren im Wald auf einer mystischen Lichtung. Ein alter keltischer Kultplatz…“, erzählt Lord Belphegor. Hinter ihm ein Greenscreen mit künstlichem Alpenpanorama, neben ihm sein erster Gitarrist Schlumpfi. Der will gerade eine feuchtfröhliche Waldfestgeschichte auspacken, da setzt es ein grimmiges „Schnauze, Schlumpfi!“.

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Die Moderatorin des „Szenemagazins trendWand“ lässt sich nicht beirren und fragt weiter nach. Was denn ihre musikalischen Einflüsse seien? Und was ihre Message? Das und mehr ist leicht beantwortet. Nur einmal muss Lord mit einem dezenten „Schnauze, Schlumpfi“ eingreifen. Doch die einfachste Frage an die Gründer des Genres „Black Bavarian Splatter Metal“: Wo soll denn die Reise hingehen?

WACKEEEEEEEN!

Lord und Schlumpfi sind die originellen Helden der gleichnamigen Online-Serie, die am Mittwochabend Premiere auf YouTube gefeiert hat. Das Besondere: Gedreht wurden alle Szenen im Oberland. Das Buch stammt aus der Feder des gebürtigen Tegernseers Tobias Öller, der die Figuren von Lord und Schlumpfi zunächst als „Sidekicks“ für sein Kabarettprogramm “Radio Rustikal” erfand.

Der grimmige Lord, gespielt von Öller selbst, und sein trotteliger Kumpan Schlumpfi (Andi Rinn) entwickelten sich aber schnell zu Publikumslieblingen, berichtet Sabine Schreiber. Unter ihrer Regie wird seit November 2015 an der neuen Online-Serie gearbeitet. Erste Location für den Dreh: Ein Hobelwerk in Enterrottach. Dort residiert die nächste originelle Figur: Der legendäre „Sagwerk Sigi“, ein fiktionaler Wacken-Veteran.

Lord und Schlumpfi im Sägewerk - wird Sagwerk Sigi ihr Mentor? (© Öller/Schreiber/Rixner)
Lord und Schlumpfi im Sägewerk – wird Sagwerk Sigi ihr Mentor? (© Öller/Schreiber/Rixner, Originalszene aus Folge 1)

Lord und Schlumpfi, Bandname “Excrementus Diaboli”, präsentieren Sigi ein eigenes Stück, dessen Highlight das herzhaft gebrüllte „Rehragout“ ist. „Das hört man mittlerweile auch mal auf den Straßen“, freut sich Regisseurin Sabine Schreiber. Ohnehin war das Feedback sensationell, seit der Teaser für „Lord & Schlumpfi: Der lange Weg nach Wacken“ Anfang Juni veröffentlicht wurde. Über 1.700 Aufrufe hat das Video bereits erzielt, dazu fast ausschließlich positive Bewertungen. Ein User schreibt: „Ich bin mittlerweile bei etwa 50 Views… So geil! Wird jedes mal lustiger.“

Wie eine Tegernseer Abiturientin zur Moderatorin wurde

Das motiviert auch das Team um Sabine Schreiber zusätzlich. Neben Tobi Öller und Andi Rinn, die zum Beispiel als „Country Punk Oberland“ schon ein eingespieltes Team sind, gibt es in Folge eins noch zwei weitere Darsteller. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Auf der einen Seite der erfahrene Münchner Schauspieler Florian Ludowici. Er wirkte schon in diversen TV- und Kinoformaten mit und mimt den „Sagwerk Sigi“.

Dann ist da aber noch Laura Schweizer, die die Moderatorin des fiktiven TV-Magazins aus dem Intro gibt. Die 18-Jährige aus Rottach-Egern machte erst im letzten Jahr ihr Abitur am Gymnasium Tegernsee. Bei einer Schulaufführung von „Alice im Wunderland“ entdeckte Sabine Schreiber dann das blonde Nachwuchstalent:

Für uns macht’s die Mischung aus gelernten Profis, Autodidakten und Naturtalenten. Weder Andi Rinn noch Tobias Öller haben jemals eine Schauspielschule besucht, beherrschen ihr Handwerk aber hervorragend.

Doch bevor es mit dem Dreh überhaupt losgehen konnte, „saßen wir bestimmt ein Jahr beieinander“. Einen festen Rhythmus gibt es für die Drehtage nicht. Denn es ist gar nicht so leicht, für das gesamte Team passende Termine zu finden. Maske, Licht, Ton, Kamera – das alles muss organisiert werden. Abzüglich der Schauspieler sind immer mindestens fünf bis sechs Personen beteiligt. Die Kamera führt Peter Rixner, der in Tegernsee eine Filmproduktionsgesellschaft betreibt.

Erster Drehtag: Regisseurin Sabine Schreiber am Set. (© Peter von Felbert)
Erster Drehtag: Regisseurin Sabine Schreiber am Set. (© Peter von Felbert)

Die Köpfe hinter „Lord und Schlumpfi“ haben ihr Projekt selbst vorfinanziert, hoffen aber darauf, dass sie möglichst bald externe Financiers oder Käufer finden. Als Producer fungiert die “deutsche exotik”, vertreten durch Phillipp Dettmer. Die Veröffentlichung des ersten Teils kurz vor dem Wacken-Festival soll für zusätzliche Popularität sorgen. Wichtiger aber die Frage: Wie oft hat es denn Rehragout gegeben? „Praktisch jeden Tag“, sagt Sabine Schreiber mit einem Schmunzeln.

Ein alltäglicher Drehort ganz in der Nähe

Eine feste Zielgruppe hat die Serie nicht: „Mein Dreijähriger findet’s genauso lustig wie seine Urgroßmutter“, berichtet die Regisseurin. Über das Internet lässt sich mit originellem Content im Prinzip jeder erreichen. Noch dazu “made in Oberland” – Heimatgefühle kommen auf… Einer der nächsten Drehorte wird die Holzkirchner Bücherecke sein, verrät Schreiber der Stimme. Dabei soll es um ein mysteriöses Buch gehen…

Wann die nächste Folge „Lord & Schlumpfi“ erscheinen wird, steht noch nicht fest. Weil man rund um das kuriose Traumduo aber ein ganzes „Universum“ schaffen wolle, so Schreiber, werde es vorher den ein oder anderen Zusatzinhalt geben. Der Zuschauer soll so auch zu Spenden motiviert werden, was wiederum die Produktion der Serie beschleunigen kann.

Wer davon nichts verpassen will, sollte den YouTube-Kanal „seldomtold666“ abonnieren. Der Name passt, schließlich wird eine Geschichte wie die von Lord und Schlumpfi ja tatsächlich eher „selten erzählt“. Und die Zahl des Teufels passt für dieses Werk allemal.

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