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Schulschach als Schulfach: Warum sich Hartnäckigkeit auszahlt

Von Redaktion

Sechste Anmerkung vom 20. November / 11:35 Uhr
Und plötzlich ist alles ganz anders. Diesen Eindruck kann man zumindest nach dieser Woche bekommen. In Rottach hatte sich der Gemeinderat auf Antrag von Bürgermeister Hafner für die Rücknahme des einstigen Beschlusses (“Wir machen nur mit, wenn alle anderen Gemeinden das auch tun”) ausgesprochen. Gleichzeitig stimmten die Mitglieder zugunsten der Beteiligung am Projekt Schulschach als Schulfach mit einer Kostenübernahme von 880,- pro Jahr. Mit einer Auflage: Man wolle die getroffene Entscheidung nach einem Jahr, auf Basis der dann vorliegenden Ergebnisse und Anmeldezahlen, überprüfen.

Damit liegt laut Auskunft des Projektinitiiators Horst Leckner die Zusage von 8 Gemeinden für die finanzielle Unterstützung vor. Mit dabei sind neben Rottach auch Bad Wiessee, Tegernsee, Hausham, Waakirchen, Valley Weyarn und Gmund.

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Horst Lecker zeigt sich zu Recht sehr erfreut über die Entwicklung:

Damit sind endlich alle Hürden genommen und wir können mit unserem Projekt starten. Als Beginn ist das 2. Schulhalbjahr vorgesehen. Wir werden jetzt die sehr umfangreichen Detailarbeiten angehen (Vereinsgründung, Sponsorverträge, Vertrag mit Schachlehrer, endgültige Kursausschreibung mit allen terminlichen Details, Erstellung Homepage usw.)

Es gibt noch viel zu tun. Wir arbeiten jedoch mit sehr großer Freude an diesem Projekt und wir
tun sicher alles, damit dieses Vorhaben eine große Erfolgsgeschichte wird.

Damit zeigt sich ein weiteres Mal wie wichtig Hartnäckigkeit ist. Ohne diese hätte es das Projekt nie so weit geschafft. Und so wie es jetzt aussieht, wird es tatsächlich umgesetzt.

Ein Ungereimtheit gibt es allerdings. Dass die Gemeinde Gmund am Projekt nun doch teilnimmt bedeutet für die Schüler zwar eine positive Entwicklung. Aber die letzte Entscheidung aus einer Mitte Oktober stattgefundenen nicht-öffentlichen Gemeinderatssitzung lautete noch: Wir machen nicht mit.
Diese Entscheidung wurde scheinbar auf der letzte Woche stattgefundenen nicht-öffentlichen Sitzung zurückgenommen. Mal wieder ein schönes Beispiel, mit welcher Willkür die Gemeinden Themen auf die öffentliche/nicht-öffentliche Tagesordnung nehmen.

Für die einen (Rottach) ist es öffentlich relevant und zulässig. Die anderen (Gmund) wollen das lieber nicht-öffentlich behandeln.

Nicht-öffentlich hat natürlich einen großen Vorteil. “Falsche” oder unliebsame Entscheidungen können im Nachgang ohne große öffentliche Aufmerksamkeit zurückgenommen werden.

Ob das auch der Grund bei dieser Entscheidung war, wissen aber nur die Verantwortlichen.

Fünfte Anmerkung vom 21. Oktober / 17:23 Uhr mit der Überschrift “Schulschach als Schulfach: Gemeinden mehrheitlich dagegen – Zukunft offen”
Lang ist es her, dass wir über das Schulschach-Projekt von Horst Leckner berichtet hatten. Doch bis letzte Woche hatte sich diesbezüglich auch nicht viel getan. Eine Gemeinde nach der anderen sagte ab oder wollte sich nur beteiligen, wenn alle Gemeinden mitmachen.

Letzten Dienstag gab es dann die Aussage von Herrn Leckner auch mit den verbliebenen acht Gemeinden das Projekt starten zu wollen. Genauer gesagt nach den Weihnachtsferien sollte es losgehen. Im Tal dabei Rottach-Egern, Bad Wiessee, Gmund und Tegernsee. Kreuth hatte von vornherein abgelehnt.

Auf unsere Nachfrage hin erscheinen aber auch die vom Initiator Leckner als acht Start-Gemeinden auserkorenen Namen als sehr unwahrscheinlich. Zumindest wenn man die Rückmeldungen aus dem Tegernseer Tal nimmt:
Rottach und Gmund halten nämlich an Ihrer Entscheidung fest, nur mitmachen zu wollen, wenn alle 17 Gemeinden des Landkreises am Projekt teilnehmen. Erst am Dienstag Abend hatte Gmund die Entscheidung nochmal in nicht-öffentlicher Sitzung bestätigt. In Tegernsee wartet man auf die neue Kostenaufstellung und muss laut Geschäftsleiter Hans Staudacher das Thema so oder so nochmal im Stadtrat diskutieren. Und Bad Wiessee hat sich bisher nicht gemeldet.

Bleiben also maximal 5-6 Gemeinden. Aber, eine weitere Reduzierung wirkt sich auch auf die Beiträge aus, die jede Gemeinde beisteuern muss. Mit jeder Absage werden die Summen somit größer. Ob dann am Ende tatsächlich auch die verbliebenen Gemeinden noch mitmachen wollen, ist zumindest offen.

Horst Leckner wollte sich uns gegenüber zu dem derzeitigen Stand des Projektes nicht äußern.

Schulschach als Schulfach? Mal schaun....

Vierte Anmerkung vom 19. Juli / 14:03 Uhr
Nach dem Gmunder Gemeinderat hat sich auf der letzten Sitzung auch der Wiesseer Gemeinderat mit einer Gegenstimme für die finanzielle Unterstützung des Themas Schulschach ausgesprochen. Die Gegenstimme kam von Ingrid Versen  (Parteifrei/CSU). Frau Versens Argument war dabei allerdings doch sehr nachvollziehbar: “Ich denke, dass unsere Kinder inzwischen genug sitzen und Denkarbeit leisten”.

Versen meinte das auch in Hinsicht auf Ganztagesbetreuung und immer längeren Aufenthalten in der Schule. Wenn es nach Ingrid Versen ginge, sollten die Schüler lieber mehr Zeit haben um sich zu Bewegen, Fußball zu spielen oder anderen Sport zu machen. Nachmittags Extrastunden in Schulschach gehören für Versen da nicht dazu. Irgendwie ein nachvollziehbares Argument. Ihre Gemeinderatskolleginnen und Kollegen konnte sie damit aber nicht überzeugen.

Ob und wann Schulschach allerdings wirklich kommt, ist noch nicht klar. Dafür ist eine einstimmige Entscheidung im kompletten Landkreis nötig – und die ist momentan eher unwahrschenlich.

Dritte Anmerkung vom 23. Juni / 18:13 Uhr
Auch der Irschenberger Gemeinderat spricht sich nun mit klarer Mehrheit und noch klareren Worten gegen das Schulschach-Projekt aus. Und dies unabhängig von der Hohe der eigentlichen Kosten für die Gemeinde. Denn diese lägen in Irschenberg sowieso bei überschaubaren 500 Euro pro Jahr. Wie die Tegernseer Zeitung berichtet sind die Kosten für die Gemeinde auch nicht der wichtigste Grund für die Absage. Das geht auch aus den diversen Wortmeldungen hervor, die von “völlig fassungslos wie man in der heutigen Zeit auf so eine Idee kommen kann” über “warum muss das so teuer sein?” bis zu “da brauchen zwei Profis wohl einen neuen Job” (in Anspielung auf die beiden Schachlehrer, die angestellt werden sollen) die ganze Palette der Ablehnung aufzeigen. Der Gemeinderat sprach sich dann schlussendlich auch einstimmig gegen eine Unterstützung des Projektes aus. Allerdings nicht ohne den süffisanten Hinweis des Bürgermeisters, dass “wenn unsere Lehrer das wollen, dann kaufen wir Schachbretter und organisieren auch den Schachunterricht.”

Zweite Anmerkung vom 15. Juni / 00:14 Uhr:
Wie schon geschrieben war das Projekt Schulschach fast gescheitert, bevor es überhaupt angefangen hatte. Doch durch eine Spendenzusage der Deutschen Schachstiftung, die 30.000 Euro für ein Jahr “Schulschach-Als-Schulfach” locker macht, könnte es doch noch was werden. Zu der Summe kommen von der Schachstiftung noch weitere 30.000 Euro für das zweite Jahr als Sicherheit – falls die Gemeinden nicht zahlen wollen. Ob das ausreicht um beispielsweise den Gmunder Gemeinderat von seiner Linie “entweder alle Gemeinden gemeinsam oder gar nicht” abzubringen, ist natürlich weiter fraglich. Auch wenn sich, wie jetzt mit dem Zuschuß, die finanzielle Belastung für die 5 Tal-Gemeinden beispielsweise auf 800 bis 1200 Euro pro Gemeinde reduziert.

Anmerkung zum Artikel vom 20. Mai:
Wir hatten ja bereits berichtet, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass Schulschach tatsächlich als Schulfach kommen wird. Da sich die Gemeinde Gmund in Ihrer letzten Gemeinderatssitzung vom 18. Mai zwar dafür ausgesprochen hatte, aber nur wenn alle übrigen Gemeinden ebenfalls mitziehen, macht die Umsetzung nicht wirklich wahrscheinlicher. Und so musste es nun also kommen. Die ersten Gemeinden haben dagegen gestimmt: Fischbachau und Schliersee. Damit ist das Projekt mehr oder weniger gestorben. Wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht.

Ursprünglicher Artikel vom 20. Mai:
Das Thema Schulschach als Schulfach ist ja letzte Woche relativ plötzlich aufgekommen. Dabei geht es um die folgende Initivative: Der Präsident des Schachclubs Tegernsee Horst Leckner möchte im gesamten Landkreis Miesbach Schach als Unterrichtsfach einführen. Laut Leckners Konzept könnte schon im nächsten Schuljahr der regelmäßige Schachunterricht an allen Grund-, Haupt- und Realschulen sowie den zwei Gymnasien des Landkreises starten. Eine ausführliche Übersicht des Konzeptes inklusive der Vorteile für die Schüler und die notwendige Finanzierung haben wir in diesem Artikel dargestellt.

Bürgermeister von Preysing war dann am Montag auf einer Sitzung des Schulverbandes, auf der unter anderem Leckner das Konzept allen Bürgermeistern des Landkreises vorgestellt hatte. So kam das Thema dann schlussendlich auf die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung in Gmund. Und auf der stellte von Preysing relativ schnell klar, dass das ganze “im Grunde genommen eine gute Idee sei.” Jedoch “ist die Resonanz im Gespräch mit den Tal- und Landkreisbürgermeistern ganz unterschiedlich. Und auch die Rektoren sehen das sehr unterschiedlich.”

So dass sein Beschlussvorschlag folgendermaßen aussieht: “Die Gemeinde Gmund stimmt dafür sich an dem Projekt zu beteiligen. Voraussetzung ist, dass sämtliche 17 Gemeinden des Landkreises sowie der Landkreis Miesbach mitmachen.”

In der folgenden Diskussion wurden dann keine neuen Erkenntnisse gewonnen. Außer, dass es ja immer sehr schwierig sei mit solchen einstimmigen Entscheidungen der 17 Gemeinden. Und auch da brachte es von Preysing auf den Punkt: “Ich sag es euch ganz offen: Egal bei welchen Themen wir ausgemacht haben, alle Gemeinden zahlen einen Beitrag. Dann dauert es nicht lang, und es heißt, der macht nicht mit und der macht nicht mit. Das ganze ist aber so aufgebaut, dass alle mitmachen. Und wenn nicht alle mitmachen, dann stimmt neben den Finanzen auch der Gedanke nicht mehr”

Und auf den Einwurf, dass in dem Fall auch der Landkreis den Rest übernehmen könnte, hieß es nur lakonisch: “Wenn ich mir die letzte Haushaltsdebatte anschaue, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass der Landkreis auch nur die 30.000 Euro einfach so übernimmt.”

Damit war die Debatte abgeschlossen und der Beschluss einstimmig angenommen. Und nicht nur die Gemeinderäte würden sich wundern, wenn das Thema nochmal auf Ihrer Tagesordnung landet.


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