Seesteg Tegernsee: Autor des quer-Beitrags verteidigt seine Arbeit

Von Redaktion

Dritte Anmerkung vom 30. September / 12:36 Uhr:
Viele der Einwohner, uns eingeschlossen, hatten sich darüber gewundert, warum der quer-Beitrag zum Seesteg vom 09. September in der Form gesendet wurde. Denn jedem ist klar, dass es dabei nicht um einen „Klassenkampf“ oder eine Schlacht „Villenbesitzer gegen das gemeine Volk“ geht. Dem Bayerischen Rundfunk aber scheinbar nicht. Und deswegen ergab sich auch im Blog zur Sendung eine rege Diskussion über die Form und Gewichtung.

Jetzt hat der Autor, Oliver Klasen, auf die Anschuldigungen des schlechten und einseitigen Journalismus reagiert. In einer ausführlichen Email an einen Kritiker beschreibt er sehr eindrücklich die Herausforderung ein komplexes Thema in einem knapp 5 minütigen Fernsehbeitrag wiederzugeben. Dabei erklärt er seine Sicht der Dinge, spart aber auch nicht mit Kritik, vor allem an der Anmoderation von Christoph Süß.

Oliver Klasen, 14. September 2010:

Dass Ihnen der Beitrag nicht gefallen hat, dass Ihnen der Steg und der Bürgermeister zu positiv dargestellt waren, das ist Ihr gutes Recht und das will ich gar nicht in Abrede stellen, sondern nehme es als kritische Meinungsäußerung zur Kenntnis.

Allerdings schreiben Sie auch, dass der Beitrag „von dem, was man als guten und informativen Journalismus bezeichnet, weit entfernt ist“ und bezeichnen ihn als „insgesamt ungenügend“. Das kann ich so nicht stehen lassen.

1. Es ist richtig, was Sie schreiben: Im Film werden viele Fakten weggelassen. In Ihrem Blogeintrag haben Sie einige Punkte aufgezählt, die Liste ließe sich aber sicher noch beliebig fortsetzen.

Nun ist es so: Journalismus, Fernsehjournalismus zumal, kommt nicht ohne Weglassen und Vereinfachen aus. Man recherchiert als Autor immer viel mehr Fakten und man redet mit viel mehr Gesprächspartnern, als man in der Berichterstattung am Ende unterbringen kann. Das ist gängige Praxis und guter journalistischer Standard. Es ist schlichtweg unmöglich, in einem Beitrag von 4:30 Länge ALLE oder auch nur annähernd die meisten Punkte unterzubringen, und dann noch einen Film zu haben, den auch Zuschauer verstehen, die sich nicht mit der Materie auskennen.

Die Fakten und Argumente, die im Film dargestellt wurden, sind eine von mir als Autor und meiner Redaktion getroffene Auswahl. Wir haben die nach unserer Ansicht WICHTIGSTEN Fakten und Argumente ausgewählt. Diese Auswahl ist natürlich angreifbar und kritisierbar, und es liegt in der Natur der Sache, dass Sie als Beteiligter diese Auswahl sicher anders vornehmen würden als ein außenstehender Beobachter.

2. Zu den Argumenten selbst: Unserer Ansicht nach war die geplante Verschönerung der Hauptstraße letztlich ein Extra-Thema, das zu weit geführt hätte. Die tendenziell sinkenden Übernachtungszahlen hätte man aufgreifen können, über die Ursachen zu reden, erschien uns aber zu spekulativ.
Die Kostenfrage, die Sie im Interview auch erwähnten, hatten wir ursprünglich im Film, haben sie dann allerdings zugunsten des O-Tons von Herrn Rößle über die Präzedenzfall-Problematik wieder herausgeschnitten.

Im übrigen waren, meiner Ansicht nach, die Argumente der Steggegner deutlicher herausgearbeitet als die des Bürgermeisters und der Touristen. Das Argument der Geschäftsleute, der neue Steg ziehe die Touristen aus der Hauptstraße ab, blieb unkommentiert stehen. Und das, obwohl man durchaus hätte dagegen argumentieren können (und mich persönlich dieser Punkt nicht überzeugt hat, aber das tut nichts zur Sache). Und die sturre Haltung des Bürgermeisters beim ersten Bürgerentscheid 2003 und das damit einhergehende Demokratieverständnis sind im Film auch angeklungen.

3. Sie beklagen, wir hätten in dem Film den Eindruck entstehen lassen, es handele sich am Tegernsee um „Millionäre“. Nun ist mir natürlich bekannt, dass es bei den betroffenen Grundstücken nicht um reiche Großgrundbesitzer geht. Tatsächlich haben wir im Filmtext nicht von Millionären gesprochen, lediglich am Ende war von den „Villenbesitzern“ an den bayerischen Seen die Rede. Dies war allerdings vor allem auf die anderen bayerischen Seen gemünzt. Vielleicht hätte man das etwas deutlicher machen können und beispielsweise den Starnberger See explizit nennen können, okay.

Ihre Kritik zielt insbesondere auf die Anmoderation, und hier muss ich Ihnen teilweise recht geben. Ich persönlich halte diesen Moderationstext so nicht für ideal, weil dadurch tatsächlich der Eindruck entstehen kann, bei dem Streit in Tegernsee ginge es um einen Konflikt zwischen „arm“ und „reich“. Die Moderation entstand kurz vor der Sendung und ich als Autor habe dann keinen Einfluss mehr auf den Text.

4. Schließlich möchte ich noch auf den letzten Satz Ihres Blogeintrages eingehen: „Oder sollte das alles nur eine Satire sein, und der harmlose Zuschauer hält es für ernst gemeint?“ Der Beitrag als Ganzes war selbstverständlich ernst gemeint, ich glaube daran besteht auch kein Zweifel. Der Text am Ende, in dem von „Revolution“ die Rede ist, erhält allerdings in der Tat eine gewisse Portion Ironie, die von mir als Autor in diesem Fall auch beabsichtigt war.

Zweite Anmerkung vom 14. September / 23:40 Uhr:
Heute Abend haben wir einen sehr ausführlichen Leserkommentar vom Tegernseer Stadtrat Max Stühler online gestellt. Darauf gab es vor knapp einer Stunde eine ebenfalls sehr lesenswerte Antwort einer Leserin. Einfach am Ende dieses Artikels auf die letzten Kommentare gehen. Das gute dabei ist, dass auf diese Art nach und nach alle Argumente ausgetauscht werden und sich so jeder sein eigenes Bild machen kann.
Hier auch nochmal der Aufruf an alle, die sich mitteilen möchten. Das funktioniert natürlich nicht nur über die Kommentarfunktion am Ende der Artikel. Sondern geht auch selbstverständlich über Emails, Briefe oder Anrufe an die Redaktion der Tegernseer Stimme.
Wobei der Kommentar der einfachste und schnellste Weg ist die eigene Meinung zu einem expliziten Artikel oder einem anderen Leserkommentar mitzuteilen.

Anmerkung vom 10. September / 11:31 Uhr:
Gestern Abend lief der Beitrag über den Seesteg im Bayerischen Rundfunk. Für alle, die die Sendung verpasst haben, haben wir hier nochmal den Beitrag als Video verlinkt.

Und was soll man sagen: Die Quer-Redaktion sieht das Thema etwas anders als wir. Dort ist im Beitrag von „Klassenkampf“ die Rede und davon, dass die „Normalmenschen“ einen Sieg errungen haben – „Das Ufer soll jetzt tatsächlich Allgemeingut werden“ wird fast schon gefeiert. Herr Bürgermeister Janssen kommt ausgesprochen positiv zu Wort und die betroffenen Amwohner werden im Beitrag nicht ganz ernst genommen. Zumindest kommt es uns so vor. Vielleicht haben wir aber auch eine zu einseitige Meinung zu dem Bauvorhaben.

Was uns allerdings wirklich gestört hat, ist die Art, wie in dem Beitrag vom „gemeinen Volk“ und den „Villenbesitzern“ gesprochen wird. Auf welcher Seite die Quer-Redaktion steht, bleibt also kein Geheimnis: Auf der Seite des „gemeinen Volkes“ – Dass sie damit in erster Linie die Touristen meint und die Meinung vieler „gemeiner Tegernseer“ übergeht, scheint sie nicht zu stören.

Den kompletten Beitrag gibt es bei einem Klick auf das Bild:

Anmerkung vom 09. September / 09:18 Uhr:
Kurze Erinnerung: Heute um 20.15 Uhr kommt in der Sendung quer im Bayerischen Rundfunk ein Beitrag zum Seesteg in Tegernsee.

Inzwischen haben wir auch eine Pressemitteilung vom BR bekommen. Viel wird zwar nicht verraten aber auch die quer-Redaktion scheint erkannt zu haben, dass der Steg nicht jedermanns Sache ist. Sein größter Fan ist dabei zweifelsohne der Bürgermeister selbst:

Streit um Ufersteg: Wem gehört der Tegernsee?
Wem gehört der Tegernsee? Den Touristen oder den Einheimischen? Den Geschäftsleuten oder den Naturschützern? Darum ist in der Stadt Tegernsee am Tegernsee ein erbitterter Streit entbrannt. Denn der Bürgermeister will in den Tegernsee hinein einen hölzernen Steg bauen, vorbei an zahlreichen privaten Ufergrundstücken. Mit dieser neuen Strandpromenade soll der Tourismus angekurbelt werden, notfalls gegen den Widerstand der Tegernseer.

Ursprünglicher Artikel vom 06. September / 12:04 Uhr:
Wie wir gerade erfahren haben wird am kommenden Donnerstag, den 9. September um 20.15 Uhr ein Fernsehbeitrag über den Fortschritt, bzw. die Streitigkeiten des Seesteg in Tegernsee gesendet. Wie uns der Bayerische Rundfunk auf Nachfrage bestätigt hat, läuft der Beitrag in der Sendung quer und wird etwa 4:30 Minuten lang sein. Über den Inhalt, bzw. die Haltung der Redakteure zum Thema, wollte man uns verständlicherweise keine Auskunft geben.

Man darf also gespannt sein, was die als kritische bekannte quer-Redaktion zum Thema zu sagen hat. Donnerstag, 9. September um 20.15 Uhr im Bayrischen Fernsehen.


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