Sind die Würfel wirklich schon gefallen?

von Laura Lorefice

Zündstoff-Thema Sportzentrum: Nach  langen Diskussionen ist klar, ein Ausbau am Altstandort ist finanziell beinahe unmöglich. Nach einer Denkpause möchte man sich im Oktober der neuen Planung widmen.  Doch nun klagen einige Otterfinger, dass ihr Bürgermeister schon im Vorfeld die “passende Stimmung” vorbereitet. Per Gemeindeblatt. 

Laut Bürgermeister Jakob Eglseder sind die Würfel zum Sportzentrum bereits gefallen.
Bürgermeister Jakob Eglseder erklärt im aktuellen Gemeindeboten, dass die Würfel zum Sportzentrum bereits gefallen sind. Auf Nachfrage relativiert er seine Aussage aber.

Nach der letzten Kostenaufstellung für das Sportzentrum in Otterfing ist klar: Ein Sportzentrum am Altstandort ist beinahe unbezahlbar. Die Gesamtbaukosten würden sich hier auf satte 17,6 Millionen Euro belaufen. Zudem machen auch noch Lärmschutz, Stellplätze und Anbindung Probleme. Verwaltung und Landratsamt waren schon früh der Meinung, hier keine vernünftige Planung realisieren zu können.

Um die Köpfe der Gemeinderatsmitglieder nach den jahrelangen hitzigen Diskussionen wieder etwas freizubekommen, wurde auf der Sitzung am 10. Mai beschlossen, die Planungen rund um das Sportzentrum vorerst einzustellen. Im Oktober sollen dann im Rahmen einer Klausurtagung, neue Möglichkeiten besprochen werden. Otterfings zweite Bürgermeisterin Ulrike Stockmeier (FW) äußerte sich im Mai wie folgt:

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Jeder kann jetzt Luft holen, hat Zeit nachzudenken, Gespräche zu führen. Diese Freiheit empfinde ich als ganz wunderbar. Im Oktober müssen wir dann den absoluten Neuansatz wagen.

Doch einige Otterfinger kritisieren nun, dass schon vor der Sitzung im Oktober negative Stimmungsmache zum Altstandort betrieben wird. Ein Anwohner erklärt auf einen Bericht im aktuellen Gemeindeboten:

Der Bürgermeister gibt im Vorwort des aktuellen Gemeindeblattes seine persönliche Meinung wieder, ob die Würfel gefallen sind bestimmt alleine durch seine Entscheidung der Gemeinderat und nicht er. Das Ergebnis aus dem Protokoll der Gemeinderatssitzung sagt was ganz anderes aus, als es der Bürgermeister gerne hätte und so auch in seinem Vorwort formuliert hatte.

Im Vorwort von Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder aktuellen Gemeindeblattes heißt es:

Die Würfel sind gefallen […] Alle fachlichen Gutachten und Stellungnahmen haben ergeben, dass der Standort für dass, „…das neue Sportzentrum am bisherigen Standort für unsere Gemeinde angemessen und finanzierbar entwickelt…“ werden sollte, so große Problemstellungen aufweist, dass eine vernünftige, bezahlbare Planung nicht durchgeführt werden kann.

Auf weiteren 34 Zeilen werden die genannten Probleme genauer erläutert. So bestehen zwei Drittel der an die Otterfinger Bürger gerichteten Worte, aus der Aufzählung von Problemen und negativen Auswirkungen bei einem Ausbau des Altstandortes.

Eglseder: “Wir müssen uns neu orientieren”

Dass der Gemeinderat im Oktober neue Möglichkeiten diskutieren möchte, erwähnt der Bürgermeister zumindest im Gemeindeblatt nicht. Auf Nachfrage wiegelt Eglseder jedoch ab und betont:

Nur in punkto Bürgerbegehren sind die Würfel gefallen. Der alte Standort ist nicht entwickelbar. Es hat sich gezeigt, dass Verwaltung, Landratsamt und meine Wenigkeit Recht hatten. Ein Sportzentrum am Altstandort ist nicht möglich, das ist schon seit 2011 bekannt. Doch was nicht geglaubt wurde, hat sich jetzt bestätigt. Im Oktober müssen wir uns dann neu orientieren. 

Aufgrund des Lärmschutzes müsse man bei einem Ausbau am Altstandort vereinzelte Sportvereine auslagern. Josef Killer, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens, gibt gegenüber dem Merkur an, man müsse nicht immer an teure Verlagerungen denken.   „Wir haben am alten Sportzentrum doch alles, was wir brauchen“, so Killer, „man müsste das nur sinnvoll sanieren und maßvoll erweitern.“

In der Sondersitzung habe er Florian Brand, den Fachbereichsleiter Umweltschutz im Landratsamt, so verstanden, dass der Altanlagen-Bonus erhalten bleibe, wenn die bestehenden Baukörper nur saniert würden. Mit den Fußballern könne man Ruhezeiten vereinbaren, „dann wäre auch diese Kuh vom Eis“.

Für Stockmeier (FW) ist die entscheidende Aussage, dass im Herbst eine Klausurtagung stattfindet. “Dort werden wir weitersehen”, so die zweite Bürgermeisterin. Für sie besteht der Gemeinderat aus 17 Stimmen. Den Rathauschef dazu gerechnet. “Natürlich gehört der Bürgermeister zu uns dazu, ohne seine Stimme geht nichts.” Dennoch, die “Betonung liegt auf wir, da gibt es kein ich”.

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