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Mobilfunkmasten im Tegernseer Tal - Initiative fordert Aufklärung

Funk-Strahlen: sichtbare Folgen für Bäume?

Von Rose Beyer

Bäume “sterben” an idealen Standorten. Die Koniferen in einem Gmunder Hausgarten – gelbe Nadeln tragen sie. Die Weiden direkt am Seeufer in St. Quirin – vertrocknet. Der Bergahorn in Wildbad Kreuth – als Mahnmal steht er auf dem Parkplatz.

Das Waldsterben der Achtziger haben sie zwar überlebt. Gesund sind sie trotzdem nicht. Viele Baumarten im Tal, sowohl Laub- als auch Nadelbäume, scheinen betroffen zu sein. Doch nicht überall, im Funkschatten ist alles in Ordnung.

 

Ist der Klimawandel schuld am Baumsterben?

Könnte es der Klimawandel sein? Dem scheint nicht so. Denn es gibt genügend Indizien, die diese Ursache ausscheiden lässt – Bäume, denen es gut geht. „Im Funkschatten von Gebäuden oder anderen Bäumen bleiben die Bäume oft gesund“, berichtet Dr. Cornelia Waldmann-Selsam. Deshalb plädiert sie für Vorsorgemaßnahmen gegen die Strahlung.

Gemeinsam mit Kollegen der Ärzteinitiative Bamberger Appell forscht sie seit 2006 über einen möglichen Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf Bäume.

Gegenwärtige Funk-Politik nicht zukunftsfähig?

Mit ihrer Forderung steht die Gruppe nicht allein. Aus dem Bamberger Kreis ist inzwischen ein Internationaler Ärzteappell geworden, der zahlreiche Unterstützer hinter sich versammelt hat. Zur Ärzteschaft gesellt sich ein breites Bündnis. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Bund Naturschutz (BN) sowie internationale Autoritäten wie die BioInitiative Working Group, die Europäische Umweltagentur und der Europarat haben mit aller Deutlichkeit festgestellt, dass sie die gegenwärtig betriebene Funk-Politik nicht für zukunftsfähig halten.

Seit der Freiburger Ärzteappell nachdrücklich vor gesundheitlichen Risiken gewarnt hat, haben sich die Hinweise auf schwerwiegende biologische Wirkungen vervielfacht. Trotz aller Warnungen werden immer neue Funk-Techniken eingeführt: Handy-Netze, TETRA, LTE, Schnurlostelefone, WLAN, Babyphone, Funkablesegeräte, digitales Radio und Fernsehen. Alle diese Techniken überlagern jedoch die biophysikalische Organisation der Lebewesen, wie die Ärzte betonen.

Alle Mobilfunkstandorte (gelb) wurden mit den Hauptstrahlrichtungen der Sektorantennen (schwarz) in den Ortsplan eingetragen.

Nach dem Stand internationaler Erkenntnis sind die sich daraus ergebenden Störungen bei Menschen, Tieren und Pflanzen nicht mehr zu übersehen.

Bäume zeigen Störung eindeutig

Beim Menschen treten etwa hoher Blutdruck, Kopfschmerzen und Antriebslosigkeit auf. Insbesondere warnen Ärzte und Forscher vor Folgen für Kinder und die wachsende Gruppe elektrohypersensibler Menschen. Bei Bäumen im Umkreis von Sendeanlagen sind die Veränderungen in Krone, Blättern, an Stamm und Ästen sowie am Wachstum feststellbar.

„Die Bäume zeigen es uns“, erklärt Waldmann-Selsam. Denn sie sind weniger sonstigen Einflüssen ausgesetzt wie Menschen, etwa Stress oder Ortswechsel, auf die man die Symptome schieben könnte.

Bei einer Rundfahrt durchs Tal kann man sich selbst überzeugen: nur die dem Mobilfunkmasten zugewandte Seite der Bäume scheint auffallend betroffen zu sein. 13.150 Funkanlagenstandorte gibt es bayernweit.

Macht man sich die Mühe und sucht sich die talweiten Masten-Standorte aus dem Internet-Portal heraus (http://emf2.bundesnetzagentur.de/karte.html), so kommt man auf fünf Masten in Gmund, vier in Tegernsee, sechs in Bad Wiessee, vier in Rottach-Egern und neun in Kreuth. Vor Ort fallen die Baumschäden sofort auf.

Überall im Tal betroffene Bäume

Die Birke am Tölzer Berg in Gmund – kaum mehr feine Verästelungen trägt sie auf der mast-zugewandten Seite. Die Fichte gleich daneben sieht unten – im Schatten eines Hauses – gesund aus. Sieht man den Baum bis zur Krone an, so kann man deutlich “ablesen”, ab wo das normale Wachstum gestört ist. Auf der Senderseite wieder die typisch gelben Nadeln.

Die Weide daneben wendet sich vom Masten weg. Die Äste des Lebensbaumes sind vertrocknet. 700 Mikrowatt pro Quadratmeter zeigt das Hochfrequenz-Messgerät. Nur noch 70 Mikrowatt hinter dem Haus. „Hausmauern schirmen die Strahlung ab“, berichtet die Ärztin.

Auch in Tegernsee fallen viele lichte und absterbende Bäume auf – die Ahorn, Buchen und Lebensbäume am Schloss, die Bäume an der Boots-Anlegestelle in der Ortsmitte, die Hainbuchen am Rathausplatz. Alle scheinen sie gegen die weitreichende Strahlung des Masten am Ringberg – Entfernung Luftlinie etwa drei Kilometer – zu protestieren.

Hier wird laut Waldmann-Selsam die Hypothese auf Auswirkungen selbst über große Entfernungen unterstützt. Vierzehn Mobilfunksektorantennen, Richtfunk sowie vier sonstige Funkanlagen kommt von dort im Paket daher.

5.000 Mikrowatt pro Quadratmeter

Schutzlos steht die Baumgruppe vor der Hanns-Seidl-Stiftung in Wildbad Kreuth. Unablässig ist sie der Hauptstrahlader des nahen Masten ausgesetzt. Dort hat man sogenannte Sektor- mit Rundstrahl-Antennen zu einem Strahlenherd arrangiert. 5.000 Mikrowatt pro Quadratmeter zeigt das Hochfrequenz-Messgerät. Eine große tote Buche der Gruppe wurde bereits gefällt. Die Kastanien sehen nicht gesund aus. Die dem Masten zugewandte Seite weist kaum mehr feine Verästelungen auf. Auch im Winter ist dies unschwer zu erkennen.

Der Bergahorn am hinteren Parkplatz musste bereits gefällt werden. Die Blutbuche an der Gaststätte „Altes Bad“ wendet sich demonstrativ von den Mobilfunkstrahlen weg. Ganz schief steht sie im Wind, droht bald umzufallen. „Ihre Blätter waren bereits im Hochsommer gelb geworden“, berichtet die Ärztin. Fotos über Jahre hinweg dokumentieren den Verfall.

Bisher keine Reaktionen aus der Politik

Kann ein Fällen der erkrankten Bäume – in Verbindung mit Neu-Anpflanzung – Abhilfe schaffen? Dem ist nicht so, behauptet Waldmann-Selsam. „Denn junge Bäume gedeihen nicht in der Strahlung.“ Deshalb plädiert der Ärzteappell jetzt – zehn Jahre nach dem Freiburger Appell – mit Nachdruck dagegen, dass solche Warnungen von den Verantwortlichen überhört werden.

Dr. Waldmann-Selsam und ihre Kollegen hatten sich in der jüngsten Vergangenheit sowohl an die Bürgermeister, an Verbraucherministerin Ilse Aigner, das Bundesumweltministerium sowie andere Verantwortliche gewendet. Bisher ohne Erfolg. “Die Rückmeldungen sind sporadisch. Von den Bürgermeistern hier aus dem Tal hören wir leider nichts.”

Weitere Informationen:
www.bund-naturschutz.de/mobilfunk
www.freiburger-appell-2012.info

http://emf2.bundesnetzagentur.de/karte.html
(Standortsuche Masten)


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