Tegernsee und Schliersee

Sind unsere Fische durch Hitze in Gefahr?

Von Melanie Süss

Unsere beliebten Bergseen sind bekannt für hohe Wasserqualität, ausreichenden Fischbestand und eine ausgezeichnete Artenvielfalt. Doch wie wirken sich die Hitzewellen und der Klimawandel auf den Fischreichtum aus? Wann wird es für unsere heimischen Fische gefährlich?

Der Schliersee – ausgezeichnete Wasserqualität und ein Reichtum an Fischen.

Der Schliersee und der Tegernsee sind unsere Juwelen im Landkreis Miesbach. Sie glänzen mit kristallklarem Wasser und einem Paradies für Angler.

Der Schliersee – das ist für uns Heimat, Tradition, Bodenständigkeit aber auch Innovation,

sagt eine Mitarbeiterin der Fischerei Schliersee. Sie haben für ihre Saiblinge und Forellen eigene Quellwasser-Weiher mit idealer kühler Temperatur, die sich im Leitzachtal befinden.

Doch die Hitzewellen und der fortschreitende Klimawandel gehen auch an den Fischen nicht spurlos vorüber. Was heißt das konkret?

Grob unterscheiden kann man den Fischbestand in die Salmoniden, das sind forellenartige Fische und in die Cypriniden, die karpfenartigen Fische.

Wenn die Seen wärmer werden, reduziert sich der Sauerstoffgehalt im Wasser. Die forellenartigen Fische werden dadurch stark belastet und können im schlimmsten Fall ersticken. Der Tegernsee hat aktuell eine Temperatur von 20 Grad, der Schliersee liege bei 23 Grad. Maximilian Voit, Vorstand des Fischereivereins Tegernseer Tal und Präsident des Fischereiverbandes Oberbayern, der aus Waakirchen stammt und den Tegernsee wie kaum einer kennt, sagt:

Das ist für die Salmoniden jetzt schon kritisch.

Die Salmoniden haben in den Bergseen jedoch die Möglichkeit, in tiefere, kühlere Zonen abzutauchen. „Das funktioniere aktuell noch ganz gut“ so Voit. In den Fließgewässern sieht es anders aus, da diese zum Teil schon ausgetrocknet sind. Hier kann man aktuell bereits zahlreiches Fischsterben beobachten, es verenden ganze Populationen. Voit macht deutlich:

Ich bekomme jede Woche zahlreiche Bilder von verendenden Fischen.

Aufgrund von Trockenfallen der Fließgewässer verenden zahlreiche Fische.

Doch die Fischereivereine sehen nicht tatenlos dabei zu, sondern versuchen bei Trockenfallen von Fließgewässern die Fische mittels Elektrofischen in andere Gewässer umzusetzen.

Die karpfenartigen Fische ertragen die Erwärmung jedoch besser. Zum Beispiel benötigt der Karpfen mindestens 20 Grad, um sich fortpflanzen zu können. „Es gibt einfach auch Arten, die wollen lieber wärmere Gewässer haben“, sagt Voit.

Welche Auswirkungen sind mittelfristig zu erwarten?

Bei weiteren Temperatursteigungen wird sich die Artenvielfalt in den Bergseen allerdings deutlich reduzieren. Auch andere Arten, die regional nicht hierhergehören, werden sich ansiedeln. Wie zum Beispiel das Schwarzmund-Grundel, ein kleiner europäischer Süßwasserfisch. Oder der „Waller“, der größte europäische Süßwasserfisch. Voit bestätigt:

Es wurden im Tegernsee und Schliersee schon kleinere Exemplare gefangen, sie existieren bereits.

Dieser fühle sich im warmen Wasser sehr wohl und würde sich schnell fortpflanzen. Es sei allerdings keine einzige Meldung bekannt, dass dieser Menschen gefährlich attackieren würde. Die traurige Erkenntnis bleibt übrig, dass der Klimawandel auch unseren Fischreichtum erheblich beeinträchtigt und wir schnellstmöglich handeln sollten. Die Mitarbeiterin der Fischerei Schliersee appelliert:

Die Saiblinge und Forellen sind unser Angebot – sie können nur im kühleren Wasser überleben. Umso mehr sollten wir ihren Lebensraum beschützen.


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