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Jungbauer wehrt sich auf Facebook gegen Diebe

„So Leid schee langsam glangds ma!“

Von Sabiene Hemkes

Zum zweiten Mal vergreifen sich Diebe am Eigentum eines Föchinger Bauerns. Zwischen dem 12. und 13. September entwenden die Diebe ein solarbetriebenes Weidezaungerät. Wie schon im Frühjahr fehlt vom Täter jede Spur. Der geschädigte Jungbauer aber hat offensichtlich die Schnauze gestrichen voll!

Eigentlich ist es nur eine von vielen Diebstahlsmeldung der Polizei die uns per Mail erreichen. „In der Zeit von Sonntag, 12.9.2021, um 19:00 Uhr bis Montag, 13.09.2021, ca. 17:00 Uhr hat eine bislang unbekannte Person ein solarbetriebenes Weidezaungerät an der Westermeierstraße/Ecke Schmiedstraße entwendet.“. Wert des Diebesgutes beträgt 700 Euro. Die Beamten bitten um die Unterstützung aus der Bevölkerung.

Doch dann entdecken wir auf Facebook die Seite von Seppi Mei. Seines Zeichens Nebenerwerbs-Bauer aus Föching. Den Auftritt hat Seppi Mei, wie er sich nennt, schon seit 9 Jahren. Der vorletzte Post ist ein Hochzeitsfoto aus 2018. Davor begrenzen sich die Posts auf eher Foto-Jugendsünden und Bildern von Treckern und den Kumpels. Allerdings besonders wortreich waren seine Beiträge nie.

Das änderst sich aber grundlegend, als Seppi am Abend des 13. Septembers beginnt zu schreiben. Und man merkt gleich, da ist einer mal so richtig sauer:


So Leid schee langsam glangds ma! An olle Stodara, selbsternante Tierschützer und Besserwisser do drausd. I hob eich wos zum song. I schreibs a aso dasds as a es verstehds.

Kein Zweifel – Seppi ist der bestohlene Bauer aus der Polizeimeldung. Wir haben versucht Kontakt mit ihm aufzunehmen. Das hat leider bisher noch nicht geklappt, aber seinen Post bringen wir gern aus dem Dunkel des Socialmedia-Kanales an die breite Öffentlichkeit.

Seppi lebt auf einem Hof in Föching und betreibt nach eigener Aussage einen „ökologischen Nebenerwerbsbetrieb“ mit 15 Milchkühen und einigen Kälbern, wie er berichtet:


Wir kümmern uns unsere kleinstrukturierten Flächen, Pflegen Landschaftselemente, Hecken und Feldgehölze, und erhalten unsere Kulturlandschaft mit viel Herzblut und Schweiß.

Seine Viecher würden das ganze Jahr grasen – auf der Weide oder im Winterauslauf. Das sei gut für die Tiere, auch wenn es einen Mehraufwand für ihn als Bauer bedeute. Und dann, schreibt er weiter und leicht in Rage, kämen da irgendwelche „Arsch…“ und meinten es sei eine gute Idee das Weidegerät zu klauen, den Zaun zu zerstören und das Gatter zu öffnen. Was laut Seppi nicht nur total dumm sondern auch gefährlich ist:

Mit diesem Verhalten schadet man nicht nur dem Landwirt, sondern auch den Tieren und anderen Verkehrsteilnehmern.

Denn seine Weiden lägen teilweise an der Autobahn. Er fragt die Leser, was wäre, wenn die Tiere über die Fahrbahn liefen. Dieser blöde Diebstahl würde seiner Meinung nach nur dazu führen, dass er seine Kälber wieder in den Stall stelle.

Wahrscheinlich sei es eh besser, meint Seppi dann, wenn wir alle die Lebensmittel aus dem Ausland holten. Dann könne man die noch landwirtschaftlich genutzten, heimischen Flächen für Wohnraum und Industriegebäude nutzen.

Wenn ebba wos gseing oder midgriagd hod derfa sie gern bei mia melden, denn der wos war der ko a hoffa das i eam ned dawisch.

So bekommt eine kleine, alltägliche Polizeimeldung mal ein sehr persönliches Gesicht – und zwar ein zurecht genervtes und wütendes. Das wollten wir euch nicht vorenthalten. Den wie Seppi sagt „Gratla und Besserwisser“ sei mal empfohlen erst zu denken und dann zu handeln! Oder besser zu dem getanen Scheiss zu stehen und das Weidegerät an Seppi zurückzugeben. Ob nun mit einer dicken Entschuldigung oder feige vor die Tür legen, bleibt dem Dieb überlassen.


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