Der lange Weg von der Berghütte zur Tal-Institution

Hart war das Leben auf der Schwaigeralm

Von Rose Beyer

Hohe Schneewände, Entbehrungen, Prominente, Traditionen. Die Kreuther Schwaigeralm blickt auf eine lange Geschichte zurück. Doch der Weg von der kleinen Berghütte zu einer der touristischen Institutionen im Tal war lang. Vor allem ein gemeinsames Ziel trieb die Pächter an.

Auch früherer Bundeskanzler Ludwig Erhard verbrachte mit seiner Frau viele Abende auf der Schwaigeralm.
Auch der frühere Bundeskanzler Ludwig Erhard verbrachte viele Abende auf der Schwaigeralm.

„Ein paar Monate stand alles auf der Kippe. All das, was meine Mutter in diesem Buch beschreibt, wofür sie mit meinem Vater viele, viele Jahre hart gekämpft und gelebt hat, schien dem Untergang geweiht. Die Schwaigeralm stand kurz vor dem Aus.“

So schreibt Josef Resch im Vorwort zur Neuauflage von „Von der Stöcklmilli zum Filetsteak – Einkehr auf der Schwaigeralm bei Kreuth“. Hermine Resch-Steger – Josefs Mutter – gab ihr literarisches Debüt mit dem kleinen Büchlein im Jahr 1991.

Von der Familienchronik zum Geschichtsbüchlein

Ursprünglich war es lediglich als Schwaigeralm- und Familienchronik gedacht. Doch schnell war das Büchlein vergriffen. Auf dessen 168 Seiten beschreibt die Autorin den langen Weg der Schwaigeralm von einer kleinen Berghütte zu einer touristischen Institution im Tegernseer Tal.

In ihrer eigenen, eigentlich ganz unprofessionellen, aber unterhaltsamen Art, erzählt sie einerseits die Familiengeschichte vom Jahr 1815 ab. Zudem liefert sie einen detaillierten Bericht zur Geschichte des Kreuther Tales.

Von der Familienchronik zum Geschichtsbüchlein

Die Annemarie war in der Schule die Beste. Im Herbst 1934 zog sie mit ihren Eltern von Wildbad Kreuth nach Enterbach. Später, von 1940 bis 1983, war sie bei der Gemeinde Kreuth beschäftigt. Sie arbeitete während der Amtszeiten der Bürgermeister Max Mayr, Josef Winkler, Hans Hagn und Karl Mayr.

Ihr Vater, der Orterer Martl (vom Dersch in Enterbach), war zu Hindenburgs Zeiten Herrschaftschauffeur der Gäste vom Herzoglichen Kurhaus Wildbad Kreuth, und ihre Mutter Wally arbeitete als Zimmermädchen. Damals mussten die Betten zweimal am Tag gemacht werden, weil sich die feinen Damen und Herren nach dem Bade nochmal ausgeruht haben.

Als Annemarie und ich von 1930 bis 1934 nach Kreuth zur Schule gingen, waren wir morgens zumeist die ersten im Klassenzimmer. Am hohen, grünen Kachelofen hängten wir Mäntel, Hauben, Handschuhe und Schuhe zum Trocknen auf. In der Pause holten sich die Schulkinder beim Bäcker Sanktjohanser Brezn, Salzstangerl und Eierweckerl. Am Mittag gingen wir zum Lehmann (Gasthof-Hotel Post) oder zum Walch (Gasthof Batznhäusl).

Am Schulweg lag auch das „Römer-Häusl“, das jetzt der Musiker Sepp Eibl bewohnt. Der Besitzer, Dr. Matthäus Römer, war ein Münchner, also ein Städter und wenn der Schnee gar zu viel wurde, hat er immer meinen Vater rufen lassen, der ihn ausschaufeln musste. Er fürchtete glatt den „weißen Tod“, wie er vertraulich sagte.

Familie Resch vor der Schwaigeralm in Kreuth.
Familie Resch vor der Schwaigeralm in Kreuth.

Unterhalb des Römer-Häusl stand direkt an der Straße die Winterstube vom Forstamt Kreuth, wo die „Saliner“ (Wegmacher vom Forstamt) ihre Behausung hatten. Mittags, wenn man auf dem Heimweg war, waren die Männer meistens beim Kochen. „Aus der offenstehenden Hüttentür fuhren dicke Rauchschwaden heraus. Es roch nach Kartoffelzwuller, Schmarrn oder Brennsuppe.“

Ab Mai 1945 kamen viele der Soldaten als Rückzügler vom Krieg über die Berge aus Tirol und Italien herüber. „Meine Eltern haben die armen, müden und abgekämpften Männer im Haus und auf dem Heuboden, im Schupfen und auf Bänken und Stubenboden übernachten lassen. Hauptsache, sie hatten ein Dach über’m Kopf.“

Ludwig und Luise zu Gast in Kreuth

„Während nach dem Krieg das Geschäft wieder anlief und meine Eltern stets nach dem Eigenbesitz der Schwaigeralm strebten, habe ich meinen Sepp kennengelernt.“ Der Sepp hatte gerade seine Meisterprüfung im Schuhmacher-Handwerk abgelegt. Trotz seiner Bein-Prothese war er ein tapferer, lustiger Mann. „Wir lebten nach der Hochzeit in der Waldschmidtstraße ganz hinten im Alpbachtal bei den Schwiegereltern in Untermiete.“

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1951 waren Hermines Mutter und ihre Schwester Berta allein auf der Schwaigeralm. So entschloss sich ihre Mutter, alle aus Tegernsee in die Schwaigeralm zu holen. „Für unser Personal haben wir immer eine kleine Weihnachtsfeier in unserer Stube am offenen Kamin und dem Christbaum gehalten. An manchen Silvesterabenden war Bundeskanzler Ludwig Erhard mit Frau Luise (…) bei uns Gast. Sie hatten bescheidene Wünsche: Forelle blau und Kaiserschmarrn! Der „Vater des Wirtschaftswunders“ bestellte sich ein einfaches Mahl, wie es zu ihm und zur Schwaigeralm passte…“

Lebenswerk in Ehren halten

Kaum lässt das unscheinbare Büchlein beim Anschauen erahnen, welche Fülle an Personen und Ereignissen sich hinter den rund 50 Kapiteln verbergen. Ob Bundeskanzler, Bauer oder Bedienung – Hermine Resch-Steger skizziert die Akteure in ihrem Band so trefflich und liebevoll, dass man sich fast zurücksehnt an die „gute alte Zeit“.

Die aber „so gut“ nun wohl auch wieder nicht war. Meterhohe Schneewände, fehlender Komfort, lebenslange, schwere Arbeit zeichnete das Leben der Familie – und der Generationen um den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Doch die Familie hielt durch. Immer mit dem festen Ziel vor Augen – dem Eigenbesitz der Schwaigeralm. Mit der Neuauflage des Büchleins möchte Sohn Josef nun das Lebenswerk der verstorbenen Eltern in Ehren halten.

Eindrücke von den früheren Zeiten auf der Schwaigeralm

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