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Gmund schwankt bei Radkonzept der MVG

Sollen die Münchner an den Tegernsee expandieren?

Von Rose Beyer

Das Mietradsystem der MVG gilt in der Landeshauptstadt als ideale Ergänzung zum Öffentlichen Nahverkehr. Soll das Münchner Unternehmen jetzt auch an den Tegernsee expandieren? Der Gmunder Gemeinderat ist gespalten.

Ob E-Bike oder nicht – kommt das Mietradkonzept der MVG? / Quelle: Martin Calsow

Das Mietradkonzept der Münchner Verkehrsbetriebe (MVG) solle ein Angebot für Bürger und Gäste gleichermaßen sein, so leitete Bürgermeister Alfons Besel (FWG) den Tagesordnungspunkt 7 der Gemeinderatssitzung ein. Er selbst sehe keine Konkurrenz zu Angeboten von Fahrradverleihern am Ort.

Das Angebot soll auf dem Münchner Mutterkonzept fußen. Besel erklärte es in der Sitzung in einer kurzen Zusammenfassung: „Dieses Mietradkonzept soll dazu dienen, dass man von der Bahn weg unmittelbar Mobilitätsmöglichkeiten hat, gerade für das Zurücklegen der letzten Meile.“

Die Mobilitätsmacher

Etwa zur Büttenpapierfabrik kämen Gäste häufig mit der BOB und gehen dann zu Fuß. Aus Besels Sicht wäre es auch für den Ortsteil Dürnbach geeignet, um eine One-way-Fahrt zurückzulegen. Also nur, um einen Einkauf zu erledigen. Besel geht es auch um die Vernetzung von Einkaufsstandorten und Wohnbereichen.

Die MVG sei sei ein leistungsfähiger Partner, der sich auch mit örtlichen Anbietern vernetzt. „Die bringen die Räder dann über Nacht auch an ihre Standorte zurück. Es ist absolut kein Schrottanbieter.“ Gebucht werden die blau-silbernen Fahrräder ganz einfach via App. Ist der Weg zurück zum eigentlichen Standort zu weit, kann man sein Rad auch woanders stehen lassen, das kostet aber dann extra.

Wird die MVG ins Umland kommen?

Momentan bietet die MVG in München 3.200 Räder an, im Landkreis München 1.150 Räder. Das Projekt soll nun auf andere Gebiete ausgeweitet werden. Aktuell finden Gespräche mit den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Starnberg und Miesbach statt sowie einzelnen Gemeinden im Landkreis Freising, Ebersberg und Dachau.

Der Landkreis Miesbach erwägt den Einstieg in dieses System. Die SMG führt deshalb eine Umfrage bei den Landkreisgemeinden durch. Es geht im ersten Schritt darum, unverbindliches Interesse zu bekunden, im Gemeindegebiet Leihstationen für das MVG Rad einzurichten. Dann soll weitergeplant und ein Grobkonzept erstellt werden. Anschließend auf Förderer zugegangen werden.

Bei der Umsetzung im Landkreis München habe sich gezeigt, dass das Angebot mit einer höheren Anzahl an Stationen deutlich besser angenommen wird. Folgende Standorte können laut Besel ins Auge gefasst werden mit jeweils einer unterschiedlichen Anzahl an Rad-Stellplätzen: Bahnhof Gmund (zehn Plätze, E-Bikes), Bahnhalt Moosrain (acht Plätze, ohne E), Ortsmitte Dürnbach (acht Plätze, ohne E).

Ja – aber…

Die Kosten für die Gemeinde variieren je nach Größe der Station: bei acht Plätzen liegen der Initialaufwand bei 24.000 Euro, bei zwölf Plätzen bei 39.000 Euro pro Station. Für E-Bikes schätzt die SMG, dass sich die Kosten für Stationen, Betrieb und den Nutzer in etwa verdoppeln. Den Nutzer kostet das Fahrrad ab 8 Cent pro Minute, maximal 12 Euro am Tag.

Besel betonte noch einmal, dass es sich hier um eine reine Interessensbekundung handelt. Auch der Kreistag müsse noch seine Zustimmung geben. Erst dann werde in Gmund entschieden. Wenngleich der Bürgermeister voller Motivation ans Konzept heranging, die Gremiumskollegen waren dagegen etwas zögerlich. Michael Huber (SPD) meinte zwar, es sei wichtig, Erfahrung zu machen, sonst wisse man nicht ob‘s funktioniert. Er würde es aber gern beschränken auf einen Standort, z.B. am Gmunder Bahnhof.

Barbara von Miller (SPD) sprach sich auch für den einen Standort aus. Sie interessierte sich dafür, ob man mit dem Radl dann um den ganzen See fahren könne. Besel berichtete, dass noch nicht gesichert sei, dass alle Gemeinden mitmachen. Während Hausham und Weyarn mitmachen, hatte die Gemeinde Bad Wiessee das Konzept abgelehnt. „Das heißt du müsstest entweder mit dem Radl zurückfahren nach Gmund oder irgendwo stehenlassen und hast Mehrkosten, weil die MVG das Radl zurück transportieren muss.“

Angst vor der „Fremdbeule“

Franz von Preysing (CSU) fand das ganze grundsätzlich „cool und praktisch“. Man müsse allerdings überlegen, für wen man das mache? Für unsere Gmunder Bürger oder Touristen oder Tagesausflügler: „Wenn dann ist es nur lukrativ, wenn es alle Gemeinden um den See machen.“ Christine Zierer (FWG) sprach sich für alle drei Standorte aus. Auch befürwortet sie klar E-Bikes, weil es eine Chance wäre, dass die Nutzer längere Wegstrecken per Fahrrad zurücklegten.

Georg Rabl (FWG) sah das ganze nicht so euphorisch. Er würde mit der kleinsten Möglichkeit starten, dann wäre man bei 30.000 Euro. Profitieren würde hier laut Rabl hauptsächlich ein Fremder Dritter – die MVG.

Ich halte wenig davon, dass wir uns diese Fremdbeule reinsetzen. Wir haben nichts davon! Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das ein Einheimischer nutzt.

Johann Schmid (SPD) sah dagegen eine Möglichkeit, ein bisschen was am Verkehr zu entzerren. Josef Stecher (FWG) brachte eine passende Zusammenfassung: Es gehe jetzt doch erstmal darum Interesse zu bekunden , wenn der Landkreis ein schlüssiges Netzkonzept erwägt, dann macht es Sinn, dass wir so viel wie möglich Stationen machen.

Schlussendlich bekundete das Gremium sein Interesse am Mietradkonzept mit drei Standorten. Eine verbindliche Entscheidung folgt, wenn das Konzept für den Landkreis und die Kostenplanung vorliegen. „Das vorsichtige „Ja“ steht im Raum“, meinte Besel und meinte damit wohl die sechs Gegenstimmen von 17 insgesamt.


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