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Warngau setzt Nahwärmekonzept um

Startschuss für die Dorfheizung

Von Lydia Dartsch

In Warngau schaufeln die Bagger derzeit in Richtung Zukunft. Am Donnerstag begann zwischen Feuerwehrhaus und Kindergarten der Aushub für die neue Dorfheizung. Und die soll bereits im Herbst unter anderem die Schule heizen.

Auch der geplante Kindergarten auf dem Gelände soll durch die neue Anlage beheizt werden
Auch der geplante Kindergarten auf dem Gelände soll durch die neue Anlage beheizt werden

Nachdem bereits Valley sein Nahwärmekonzept mit seinem Hackschnitzel-Ofen umgesetzt hat, geht es nun auch in Warngau los. Dort wird derzeit das Fundament für die Dorfheiung ausgehoben.

Ab September sollen dann ein Hackschnitzel-Ofen und ein Holz-Vergaserkessel die öffentlichen Gebäude der Gemeinde und sechs Privathäuser beheizen. Wenn es besonders kalt wird, springt der Gaskessel in der Schule ein und produziert Wärme. Dabei produziert die Anlage auch Strom. Dieser wird in das Stromnetz eingespeist.

„Wertschöpfung bleibt in der Region“

Damit will die Gemeinde ihren Beitrag zu Energiewende im Oberland leisten, sagt Bürgermeister Klaus Thurnhuber auf Anfrage. Neben der Unabhängigkeit von Konzernen und neben der Energie aus nachhaltigen Ressourcen – also Holz – ist ihm wichtig, dass mit der Anlage die Wertschöpfung in der Region bleibt.

Daher wird das Holz von der MW Biomasse AG geliefert, so Thurnhuber. Das ist der Zusammenschluss der Waldbesitzervereinigungen Holzkirchen, Rosenheim-Bad Aibling, Traunstein und den Tochterunternehmen der Maschinenringe Aibling-Miesbach-München (pro communo AG), Rosenheim (RO-MR Dienstleistungs GmbH) und Ebersberg (Agrokomm GmbH).

Zustimmung hat über die Jahre abgenommen

Neben den öffentlichen Gebäuden schließen sich auch sechs Privathäuser an das Nahwärmenetz an. Die neue Wärme geht für die Hausbesitzer mit Bauarbeiten, um die Leitung zu legen, einher sowie mit dem Austausch des bisherigen Heizsystems. „Es ist wichtig, dass die Leute das Vorhaben freiwillig unterstützen“, sagt Thurnhuber. Die Verwaltung habe dazu ausgiebige Gespräche mit den Bürgern geführt.

Ein bisschen mehr Privathaushalte hätte sich Gemeinderat Reiner Bücher (Grüne) gewünscht. 20 oder 25 Häuser wären drin gewesen, ist er sich sicher. Denn in den Anfängen des Projekts – für etwa fünf Jahren – sei die Zustimmung für die alternative Energieform noch deutlich größer gewesen, weiß er.

Große Mehrheit für Theorie – knappe Mehrheit für Praxis

Die Gemeinde hatte damals eine umfangreiche Umfrage bei den Hausbesitzern durchgeführt. Dabei war es um den Energieverbrauch und die benutzten Energiequellen gegangen. „Das waren vier Seiten“, weiß Bücher. Die Gemeinde wollte viel wissen. Trotzdem kamen rund 20 Prozent der Umfragebögen ausgefüllt zurück. Darin hatten 60 Prozent der Befragten angegeben, ihre Energieversorgung umstellen zu wollen.

Für die Umstellung der Gemeinde war im Dezember 2013 der Grundsatzbeschluss gefasst worden mit einer großen Mehrheit von 14 zu 3 Stimmen. Die anschließende Entscheidung für den konkreten Bau der Anlage im Juni 2014 dagegen fiel mit 9 zu 8 Stimmen deutlich knapper aus.

Ursprüngliche Pläne nicht wirtschaftlich

Bei den Privathaus-Besitzern sei wahrscheinlich der momentan günstige Erdgas- und Ölpreis für das Zögern der Menschen verantwortlich, sagt Bücher. Nicht zu vergessen die Kosten für die nötigen Maßnahmen am Haus. Das Zögern der Gemeindräte habe aber an der Wirtschaftlichkeit der damals geplanten Anlage gelegen.

Nach dem damaligen Ansatz hatte der Holzvergaserkessel 80 Kilowatt Wärme und 30 Kilowatt Strom liefern sollen. Ein Gaskessel sollte die Verbrauchsspitzen im Winter abfangen und gemeinsam mit dem Blockheizkraftwerk 360 Kilowatt produzieren. Rund 826.000 Euro waren dafür veranschlagt. Zwar nimmt die Gemeinde durch die Stromeinspeisung Geld ein. Durch den Gasverbrauch im Kessel hatte die Wirtschaftlichkeitsprüfung aber ein jährliches Minus von 7.835 Euro ergeben. Trotzdem gibt es Grund zur Freude: „Wir liegen momentan 57 000 Euro unter der Kostenschätzung“, erklärte Kämmerer Anton Kaunzner.

Planänderungen zur „schwarzen 0“

Mittlerweile geht Bürgermeister Klaus Thurnhuber davon aus, dass das Ergebnis der Anlage bei „einer schwarzen 0“ liegen wird. Denn die Pläne haben sich geändert. Neben einem Holzvergaserkessel wird auch ein Hackschitzelofen in die Dorfheizung installiert, die regulär wärmen und Verbrauchspitzen abfangen sollen. Nur im Winter soll auch ein Gaskessel eingeschaltet werden – der alte in der Schule. „Das ist für die wenigen Tage, an denen es mal minus 25 Grad kalt wird“, so Thurnhuber.

Und wenn dann Hausbesitzer sich doch noch anschließen wollten, hat die Dorfheizung noch Platz, um die Kapazität zu erhöhen. Damit rechnet Thurnhuber in den kommenden Jahren aber nicht. Vielleicht in 10 oder 15.

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