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Drohender Stellenabbau bei der Spielbank Bad Wiessee

Von Redaktion

Zweite Ergänzung vom 27. Mai:
Nicht nur der direkt betroffene Wiesseer Bürgermeister Peter Höß und “sein” Gemeinderat stellt sich hinter die Beschäftigten der Spielbank. Das Thema ist so politisch, dass alle fünf Bürgermeister ein gemeinsames Schreiben unterzeichnen werden. Wie Franz Hafner in der Rottacher Gemeinderatssitzung am Mittwoch Abend bekanntgab, sollen darin die Bedenken der Talbürgermeister gegen den geplanten Stellenabbau zum Ausdruck gebracht werden.

Zwar werden aller Voraussicht nach in der Spielbank in Bad Wiessee keine Stellen direkt abgebaut. Aber aufgrund der schlechten Situation in anderen bayerischen Spielbanken und der jungen Mitarbeiterstruktur in Bad Wiessee kann es, gerade bei Mitarbeitern die noch keine 15 Jahre an Bord sind, zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Davon wäre ein nicht unerheblicher Teil der derzeitigen Belegschaft betroffen. Mitarbeiter, die in der Mehrzahl in einer der fünf Talgemeinden leben.

Ergänzung vom 24. Mai / 08:51 Uhr
Bürgermeister Peter Höß hat in der letzten Gemeinderatssitzung über die aktuelle Entwicklung zum möglichen Stellenabbau in der Wiesseer Spielbank informiert und dabei klar gemacht, dass die Gemeinde sich hinter die Mitarbeiter stellt und alles tun werde, damit es nicht zu dem beschriebenen Szenario kommt.

Bereits im März habe sich Höß unter anderem schriftlich an den Finanzminister Georg Fahrenschon gewandt. Mittlerweile sind auch Landrat Jakob Kreidl, Landtagsabgeordneter Alexander Radwan und CSU-Staatssekretär Franz Josef Pschierer in das Thema involviert. Laut CSU-Gemeinderat Kurt Sareiter, der in der Sitzung einen kurzen Überblick über die Bemühungen der Landes-CSU zum Thema Stellenabbau gab, soll es in Kürze weitere Gespräche geben. Und nicht nur die Mitarbeiter hoffen, dass diese einen guten Ausgang für den Großteil der 145 Spielbank-Angestellten nehmen.

Antje Schura, die Direktorin der Wiesseer Spielbank

Ursprünglicher Artikel vom vom 12. Mai:
145 Mitarbeiter sind derzeit in der Spielbank Bad Wiessee beschäftigt. Wieviele von denen Ende des Jahres noch da sein werden, ist derzeit jedoch völlig unklar. Sicher sind nur drei Dinge:

1. Den Bayrischen Spielbanken geht es schlecht. Der Bruttospielertrag sinkt seit Jahren. Die Casinos in Bad Wiessee und Feuchtwangen sind die einzigen, die noch Gewinne einfahren.
2. Von den knapp 730 Mitarbeitern müssen bayernweit 140 gehen.
3. Aufgrund der jungen Mitarbeiterstruktur wäre Wiessee von möglichen betriebsbedingten Kündigungen besonders stark betroffen.

Im Gespräch mit der Tegernseer Stimme beschreibt die Spielbank-Direktorin Antje Schura wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte und wie gravierend die Auswirkungen auf die Mitarbeiter des talweit drittgrößten Arbeitgebers möglicherweise sein werden.

Frau Schura, warum ist der Bruttospielertrag (BSE. Anm. d. Red.: Umsatz eines Casinos) der Spielbanken seit Jahren rückläufig? Liegt es tatsächlich am Rauchverbot?
Die Gründe sind vielfältig. Dabei ist das Rauchverbot auch aus unseren Zahlen auf den Tag genau feststellbar. Es gab also eine Ära vor dem Rauchverbot und nach dem Rauchverbot, gerade im kleinen Spiel.

Dazu kam als zweiter großer Faktor die Lockerung der Spielverordnung am 01.01.2006. Damit haben wir im Bereich des kleinen Spiels eine sehr starke Konkurrenz durch private Spielhallen bekommen. Die dann zu Beginn auch Raucherclubs eingeführt haben, was wir widerrum als staatliche Einrichtung nicht tun durften. In dieser Kombination haben diese Wettbewerber viele unserer früheren Gäste abwerben können. Uns waren jedoch teilweise die Hände gebunden, da wir für die Spielbank keine Werbung machen dürfen.

Hinzu kommt aber auch eine gewisse gesamt-gesellschaftliche Entwicklung. Der Rückgang der Wirtschaft, Stichwort Bankenkrise, hat eine allgemeine Zurückhaltung im Ausgabeverhalten der Menschen bewirkt. Und auch das bekommen wir zu spüren.

Sie haben Ende letzen Jahres einen etwas umstrittenen Raucherbereich in Betrieb genommen. Hat sich die Investition gelohnt?
Der geschützte Raucherbalkon wird sehr gut angenommen. Mit der Entwicklung bin ich zufrieden, obwohl wir aufgrund der Proteste der hiesigen Gastronomen eine weitere Verschönerung nicht in Angriff nehmen konnten. Ich habe natürlich Verständnis für die Einwände, aber ein wenig gemütlicher könnte der Balkon, im Sinne unserer Gäste, schon sein.

Was bedeutet der Gesamtrückgang bei den bayerischen Spielbanken für Bad Wiessee? Hat es direkte Auswirkungen auf die Mitarbeiter hier vor Ort?
Absolut. Man muss ganz offen sagen, wir stehen vor einer schwierigen Situation. Im schlimmsten Fall werden eine Menge der derzeitigen Mitarbeiter die Spielbank verlassen müssen.

Aber warum gerade in Bad Wiessee? Der Spielbank geht doch noch einigermaßen gut?
Der Ablauf sieht zuerst eine Freiwilligenauswahl vor. Diese ist am 26. April gestartet und läuft genau zwei Monate. In dieser Zeit erhalten alle 730 Mitarbeiter der Spielbanken ein Abfindungsangebot, welches auf der Basis von Einkommen mal Betriebszugehörigkeit mal Altersfaktor berechnet wird.

Und wenn nicht genügend Mitarbeiter dieses Angebot annehmen, kommt für die Mitarbeiter, die noch nicht 15 Jahre dabei sind, eine bayernübergreifende Sozialauswahl zum Tragen. Die Kriterien für die Auwahl sind dann Lebensalter, Dienstzugehörigkeit, Unterhaltsverpflichtungen, Schwerbehindertenstatus usw.

Und da wir sehr viele junge und ungebundene Mitarbeiter hier in Bad Wiessee haben, wären wir von den folgenden betriebsbedingten Kündigungen auch stark betroffen. Das bedeutet im schlimmsten Fall, junge Mitarbeiter, die hier wohnen müssten wir entlassen und dafür Angestellte aus anderen Spielbanken übernehmen.

Haben Sie “Zielvorgaben” wieviele ihrer Mitarbeiter das Abfindungsangebot annehmen sollen?
Am liebsten die 140, die wir brauchen, um bayernweit betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

Und wie wird das Angebot angenommen?
Das ist so früh natürlich schwer zu sagen. Bisher haben sich bei uns ein paar gemeldet, die es machen wollen. Die meisten Mitarbeiter müssen die Information allerdings sacken lass und wollen sich noch informieren.

Sie haben viele der Mitarbeiter selbst ausgewählt. Wie ist das Gefühl bei Ihnen persönlich?
Das Gefühl ist sehr bedrückend.

Frau Schura, wir Danken für das Gespräch!

Die Spielbank Bad Wiessee verzeichnet einen nachhaltigen Umsatzrückgang.


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