Von Hartpenning nach Uganda

von Laura Lorefice

Antonia aus Hartpenning ist 20 Jahre alt. Sie hat den Sprung in die weite Welt gewagt und ist mit der Welthungerhilfe in Uganda. Von Heimweh, persönlichen Grenzen und wie schwierig Entwicklungshilfe manchmal sein kann.

Antonia in Tapac. Dort war sie für ein Training mit Frauen und Kindern aus der Gegend / Bild: AP

Antonia ist ein echtes “straying girl” – ein Mädchen deren Weg nicht immer gerade und über Kurven und Umwege verlief. Vom Ethnologie-Studium zu verschiedenen Bewerbungen an diversen Schauspielschulen, bis hin zu Gelegenheitsjobs in der Gastronomie, führte sie ihr Weg schließlich nach Uganda. Aber von vorne:

Direkt nach ihrem Abitur 2014 am Tegernseer Gymnasium, wollte die 20-Jährige einen Freiwilligendienst im Ausland machen, fand jedoch keinen geeigneten Platz in einer Organisation, mit dessen Arbeit sich Antonia identifizieren konnte. Deshalb entschied sie sich erstmal weiter zu lernen und begann in München ein Ethnologie-Studium. Zur selben Zeit bewarb sich Antonia an verschiedenen Schauspielschulen, denn die Schauspielerei war schon in der Schule “ihre größte Leidenschaft”, wie sie sagt. Doch daraus wurde nichts.

Und auch das Ethnologie-Studium war nicht das Richtige: Schon nach kurzer Zeit merkte Antonia, dass es nicht wirklich ihren Vorstellungen entsprach und schmiss nach zwei Semestern hin. Sie sei damit “nicht im Geringsten ausgelastet gewesen”, so die Studentin. Mit einem festen Job in der Hotellerie hielt sie sich über Wasser.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Idee von einem Auslandsaufenthalt ging Antonia aber nicht mehr aus dem Kopf. Und so wurde sie auf eine Ausschreibung der Welthungerhilfe aufmerksam, die eine Stelle für ein Jahr in Uganda anbot. Antonia bewarb sich und ist nun seit über vier Monaten an ihrem Einsatzort in Karamoja.

Das Bild zeigt eine Kreuzung auf dem Weg nach Tapac und eine paar Rundhütten, die Teil einer Siedlung sind / Bild: AP

Karamoja zählt zu den ärmsten Regionen der Welt. Die Organisation KDF (Karamoja Developement Forum) mit der Antonia zusammenarbeitet, beschäftigt sich hauptsächlich mit der Situation der wandernde Viehhirten – auch Pastoralisten genannt – und versucht ihre Kommunikationsmöglichkeiten zu verbessern. Vor allem ist es das Ziel auch in den Medien über die Region zu informieren, da die Gegend laut Antonia eines der “vorurteilsbehaftesten” Gebiete Ugandas sei.

Ein Treffen mit den Pastoralisten “im Feld”. / Bild: AP

Zu ihren persönlichen Aufgaben gehört unter anderem die Dokumentation der Arbeit sowie die Veröffentlichung von Artikeln auf ihrem Blog. Den Alltag in Uganda schildert Sie so:

Das läuft sehr unterschiedlich ab. Es gibt Wochen, in denen ich jeden Tag im Büro verbringe und Sachen abtippe und es gibt Wochen, in denen wir jeden Tag ins Feld fahren. Die Arbeit besteht aus Treffen mit Pastoralisten und Minenarbeitern. Wir setzen uns mit ihnen zusammen, um Informationen über ihre Lebensweise zu erhalten, aber viel wichtiger, auch um mit ihnen über Probleme zu sprechen, die sie beschäftigen. Gemeinsam versuchen wir dann Lösungen zu finden.

Den Menschen vor Ort mache in erster Linie die Wasserknappheit zu schaffen. Aber auch Viehdiebstahl, knappe Graslandschaften und Schwierigkeiten mit der Regierung. Die Minenarbeiter haben stattdessen damit zu kämpfen, dass sie in ihrem gefährlichen Berufsalltag nicht richtig abgesichert sind. Fehlende Schutzbekleidung, mangelnde Sicherung der Gruben und falsches Werkzeug sind dabei nur ein Teil der Probleme.

Antonia bei ihrer Arbeit in Moroto / Bild: AP

Die gesammelten Informationen nutzen Antonia und ihr Team, um sie an die zuständigen Behörden und Organisationen weiter zu geben und auf der Website oder den sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. In ihrer manchmal schwierigen Arbeit gebe es allerdings echte Lichtblicke:

Das letzte Treffen mit den Hirten lag schon einige Wochen zurück. Als ich und meine Kollegen wieder ins Feld fuhren, erkannten mich die Menschen wieder. Da sie sich nicht an meinen schwierigen europäischen Namen erinnern konnten, gaben sie mir einen Namen in ihrer Sprache. Seitdem bin ich für die Hirten Natee. Die genaue Bedeutung ist nicht ganz klar, aber es geht um eine Person, die sich mit Liebe um Hütten und Vieh kümmert.

Etwas Gefährliches habe sie in Uganda noch nicht erlebt. Aus ihrer bisherigen Zeit im Ausland nimmt Antonia einige Erfahrungen mit. Vor allem die Erkenntnis, dass man auch ein völlig anderes Leben führen kann und dabei ebenso glücklich ist. Aber auch das Bewusstsein, wie komplex und schwierig Entwicklungshilfe und die Arbeit vor Ort sein kann.

Am meisten lerne man bei einem solchen Trip aber sich selbst kennen, davon ist die 20-Jährige überzeugt. Sie wurde mit Seiten an sich selbst konfrontiert, auf die sie nicht gefasst war. Ihre ganze Zeit hier sei eine Achterbahn der Gefühle, gezeichnet von Heimweh, Vorfreude auf Neues, Angst Fehler zu machen und der Erkenntnis, welch riesen Chance der Einsatz ist. Eins aber ist Antonia klar: Sie würde sich auf jeden Fall wieder für ein Jahr in Uganda entscheiden.


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