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Nach Vorwürfen der Otterfinger Gemeinde

Streit um TBC-Fall: Gesundheitsamt weist Kritik zurück

Von Petra Dietzel

Auf der letzten Otterfinger Gemeinderatssitzung hagelte es massiv Kritik für das Gesundheitsamt. Am suboptimalen Krisenmanagement im turbulenten TBC-Fall wollte man sich selbst nicht die Schuld geben. Vielmehr machten einige Gemeinderäte das Landratsamt für die unzureichende Informationspolitik und die Verunsicherung der Eltern verantwortlich. Doch so leicht lässt man sich dort den Schwarzen Peter nicht in die Schuhe schieben.

Der TBC-Fall in Oterfings Kindergarten hat hohe Wellen geschlagen. Gemeinde oder Gesundheitsamt, wer ist schuld am chaotischen Krisenmanagement?
Der TBC-Fall in Oterfings Kindergarten hat hohe Wellen geschlagen. Gemeinde oder Gesundheitsamt, wer ist schuld am chaotischen Krisenmanagement?

Viele Eltern sind immer noch verunsichert. Ihnen ist trotz des Informationsabends des Gesundheitsamts am Dienstag nach den Pfingstferien immer noch unklar, wie der genaue Ablauf einer Tuberkulose-Erkrankung ist. „In dem Schreiben hat uns das Gesundheitsamt mitgeteilt, dass Untersuchungen zur ersten Abklärung einer TBC-Infektion möglich sind. Aber wir wissen ja gar nicht, ob alle Kinder bei den Tests waren“, wettert Florian Rothbauer, Vater von zwei kleinen Kindern und Gemeinderat (CSU) in Otterfing.

Für ihn besteht weiterhin ein Konflikt. Nämlich ob wirklich geklärt ist, dass keines der Kinder noch ansteckend ist. Denn laut Satzung sollen infizierte beziehungsweise kranke Kinder nicht in den Kindergarten gehen. Besorgt fragt sich Rothbauer, was denn passiere, wenn ein Kind keine Vorsorge nimmt und in den kommenden Monaten erkrankt „Geht dann das ganze Theater nach einem halben Jahr wieder los?“

Der Wunsch nach mehr Sensibilität

Ganz klar ist für Rothbauer, dass die Verantwortlichkeit für den Informationsfluss beim Gesundheitsamt Miesbach liegt, da die Gemeinde keine gesundheitlichen Aussagen treffen dürfe. Vom Gesundheitsamt hätte er sich statt des „versendeten allgemeinen Formblatts“ mehr Informationen über das tatsächliche Ansteckungsrisiko und mehr Sensibilität im Umgang mit den Eltern gewünscht, um eine Panik von Anfang an im Keim zu ersticken.

Auch der SPD-Gemeinderat Max Ruf moniert primär die „zu späte und zu unvollständige Aufklärung“ des Gesundheitsamtes. Sein Wunsch wäre ein Aushang am Anfang der Krise mit medizinischen Informationen über die Höhe des Risikos, ob die Kinder an der TBC erkranken, gewesen. „Das wollten die Eltern wissen“, bekräftigt er. Von einer medizinischen Fachbehörde habe er sich „beruhigende Maßnahmen“ erhofft.

Brauchten keinen Krisenstab

Für das Landratsamt Miesbach war der Vorfall indes kein Anlass, einen Krisenstab einzurichten. „Das ist nur bei Seuchen notwendig“, erläutert Pressesprecherin Gabriele Dorby auf Nachfrage. Dorby beurteilt das Vorgehen des Gesundheitsamtes wie folgt:

Das Gesundheitsamt hat sehr schnell gehandelt. Der Leiter des Gesundheitsamts hat zufällig vom TBC-Fall erfahren und sofort die notwendigen Schritte eingeleitet – obwohl es noch nicht einmal eine offizielle Bestätigung der Diagnose gab. Schnelles Handeln war vor allem deshalb geboten, weil die Kindertageseinrichtung in der darauffolgenden Woche geschlossen war. Eine Information der Eltern wäre dann sehr schwierig geworden.

Hätte die Behörde bis zur offiziellen Bestätigung der Erkrankung gewartet, hätte es eine Woche länger gedauert, bis die Eltern informiert worden wären. Auch die notwendigen Maßnahmen, so Dorby weiter, wären erst deutlich später eingeleitet worden.

Eine Vernachlässigung der Informationspflicht sieht sie indes nicht. Schließlich hätten drei Fachkräfte tagelang den besorgten Eltern telefonisch Rede und Antwort gestanden. Darüber hinaus hätten die Angehörigen umfangreiches Informationsmaterial über die Erkrankung erhalten.

Routine für das Gesundheitsamt

Dass Infektionskrankheiten für ein Gesundheitsamt zur Routine gehören ist nachvollziehbar. Das gilt auch für TBC-Fälle. Im Landkreis gibt es im Schnitt rund fünf Tuberkulose-Erkrankungen pro Jahr. Es stellt sich allerdings die Frage, ob eine Behörde sensibler mit diesem Thema umgehen könnte, besonders wenn Kinder und zu alledem sogar noch ein Kindergarten und eine Kita betroffen sind – zumindest war dieser Vorwurf bei vielen besorgten Eltern spürbar.

Dorby zeigt Verständnis für diese Sorgen, räumt allerdings auch in dieser Hinsicht keine Fehler auf Seiten des Gesundheitsamtes ein:

Die Aufgabe des Gesundheitsamts ist es, die Ängste und Befürchtungen in der Bevölkerung aufzufangen und umfangreiche und verständliche medizinische Hilfestellung zu geben. Dies haben die Mitarbeiter des Gesundheitsamts in unzähligen Einzelgesprächen auf sensible Art und Weise getan.

Eltern, mit denen die Vertreterinnen und Vertreter des Gesundheitsamts gesprochen haben, fühlten sich sehr gut informiert, so Dorby. Dies hätten die Eltern selbst bestätigt.

Viele Otterfinger Eltern sorgen sich um ihre Kinder - Am Infoabend war die angespannte Stimmung spürbar.
Viele Otterfinger Eltern sorgen sich um ihre Kinder – Am Infoabend war die angespannte Stimmung spürbar.

Dennoch, so ein involvierter Mediziner, zeige der Fall, inwiefern Emotion und Ratio aufeinanderprallen können, wenn Ängste und Sorgen im Spiel sind. Dies betont auch Dorby. Eine Schwierigkeit bei der Tuberkulose sei vor allem die Abgrenzung der tatsächlichen Kontaktpersonen von denen, die beunruhigt sind, ohne wirklich ein Gefährdungspotential zu haben, so die Pressesprecherin.

Hier stehen sich vernunftgeprägte Medizin einerseits und Emotionen andererseits, insbesondere in Form von Ängsten auch irrationaler Art gegenüber.

Die zuständigen Behördenmitarbeiter und Ärzte stünden dadurch in einem Spannungsfeld, der durch den von außen aufgebauten Zeitdruck noch verschärft würde. Dennoch resümiert Dorby: „In dieser Situation haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts bestmöglich gehandelt.“ Das Gesundheitsamt würde auch in Zukunft bei ähnlichen Fällen „mit sensibler, sachlicher und medizinisch fundierter Informationsvermittlung“ vorgehen.

Nicht zuletzt um die erhitzen Gemüter der Gemeinderäte zu beruhigen, hatte Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder angekündigt, mit dem Gesundheitsamt nochmals ein klärendes Gespräch zu suchen. Das Landratsamt zeigt sich für den Dialog offen. Zwar sei ein „Zusammensetzen“ von seiten der Gemeinde bisher noch nicht avisiert, man stünde aber ohnehin wegen des weiteren Vorgehens im Hinblick auf weitere Tests in Kontakt. „Falls die Gemeindevertretung noch ein Gespräch wünscht, ist das Landratsamt gerne dazu bereit. Wir bitten hierbei aber um eine sachliche Gesprächsbasis.“

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