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Tango-„Flashmob“ am Tegernsee

Wenn der Verstand mal Pause macht

Von Madeleine Wisserodt

Die Möglichkeiten für Tanzfans, ihrem Hobby zu frönen, sind am Tegernsee begrenzt. Besonders für exotischere Tanzformen wie den Tango Argentino fehlen attraktive Angebote. Bisher musste man dafür weitere Fahrten auf sich nehmen.

Doch der Tango soll jetzt auch das Tegernseer Tal erobern. Den Anfang machte ein spontaner Tangonachmittag im Gmunder Kurpark.

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Am Pfingstmontag staunten die Sonnenhungrigen und Badefreudigen im Gmunder Kurpark nicht schlecht, als am frühen Nachmittag im Pavillon neben der Anlegestelle Seeglas plötzlich Tangomusik erklang. Fans des Tango Argentino aus dem Tal und dem Umland trafen sich hier zu einer spontanen „Milonga“, also einem Tango-Tanzfest.

Ganz ungezwungen, wegen der Hitze eher leicht bekleidet und zum Teil barfuß, drehten und wiegten sie sich zu den Klängen und sorgten damit für großes Interesse bei den Badegästen. Die hatten teilweise noch Berührungsängste, sahen aber fasziniert dem Treiben im Pavillon zu.

Tanzmöglichkeiten im Tal verbessern

Darüber freuten sich auch die Initiatoren der Milonga, Anke Schneider und Gabi Gomez, die beide in eigenen Tanzschulen im Oberland Tango Argentino unterrichten. Es liegt ihnen am Herzen, mehr Menschen diesen Tanz nahezubringen. „Wir möchten die Region ein wenig bereichern“, erklärte Anke Schneider, die schon länger plant, Tangokurse im Tegernseer Tal anzubieten und auch regelmäßige Milongas zu veranstalten. Das scheiterte bisher an der Raumfrage, nimmt aber nun konkrete Formen an.

Momentan gibt es im Tegernseer Tal nur ein sehr kleines Angebot für Tangofans und solche, die es werden wollen. Mit regelmäßigen Übungsmöglichkeiten durch Tangoabende, bei denen man auch als Zuschauer herzlich willkommen ist, würde sicher so manche Schwellenangst abgebaut. Denn dass Tango Argentino kein einfacher Tanz ist, wird beim Zusehen schnell klar. Vielleicht besteht aber genau darin die Faszination.

Tanz ohne Berührungsängste

Diese Faszination war in jedem Fall an diesem Nachmittag in Gmund spürbar. Sah man beispielsweise Gabi Gomez zu, wie sie völlig selbstvergessen mit ihrem Mann Gustavo tanzte, sah man unglaubliche Schönheit in den Bewegungen und spürte eine Innigkeit, die typisch ist für den argentinischen Tango. Dieser liegt ihrem Mann Gustavo als gebürtigem Argentinier natürlich im Blut. Doch jeder kann diesen Tanz erlernen, der bereit ist, sich auf sein Gegenüber einzulassen. Berührungsängste mit unbekannten Menschen sind hier eher hinderlich.

Eine Besonderheit beim Tango Argentino ist nämlich, dass jede mit jedem tanzt. Es gibt eigentlich keine festen Tanzpartner, sondern man lernt immer weiter von jeweils neuen „Tangueros“ und „Tangueras“. Nach einer Weile kennt man auch den Tanzstil des Gegenübers, kann sich darauf einstellen und auch von dessen Lernfortschritten profitieren.

Wenn Gabi und Gustavo Gomez tanzen, sind auch eingefleischte Tangofans gerne Zuschauer.
Wenn Gabi und Gustavo Gomez tanzen, sind auch eingefleischte Tangofans gerne Zuschauer.

Bei diesem Tanz sind vor allem die Führungsqualitäten des Mannes gefragt. Die Frau kann sich vollkommen fallenlassen und hat oftmals sogar ihre Augen geschlossen. Wer es bisher gewohnt war, mit dem Verstand zu tanzen, also bekannte Schrittfolgen abzurufen und umzusetzen, wird beim Tango Argentino Neuland betreten. Hier geht es nicht um Choreografie, sondern um Hingabe an den Tanz, um pure Emotion. Hier tanzen nicht zwei Körper miteinander, sondern zwei Seelen. Der Verstand macht im Optimalfall einfach mal Pause.

Sich auf diese Intimität einzulassen, erfordert durchaus Mut. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, hat der Tango Argentino einen hohen „Suchtfaktor“: Einmal infiziert, lässt einen die Leidenschaft dafür nicht mehr los, heißt es. Wer dieses „Risiko“ eingeht, wird durchaus reich belohnt, denn diese Erfahrung verändert neben Körpergefühl und Selbstbewusstsein auch die Offenheit gegenüber anderen. Sofort ist man Teil einer netten Gemeinschaft, in der alle Altersstufen vertreten sind.

Die Menschen sollen das Tanzen wiederentdecken

Milongas wie diese am Pfingstmontag in Gmund soll es nun regelmäßig geben – in dem Pavillon vor der See-Kulisse und auch an anderen Orten im Tal. Auch zu anderen, gängigeren Tanzformen wie beispielsweise Salsa, Discofox oder Zumba sind solche Events bereits angedacht. Dass die Menschen wieder mehr tanzen, ist den Initiatoren wichtig. Daher wird Anke Schneider diese Projekte weiter vorantreiben. Die Events sind nicht kommerziell und jeweils bei der Gemeinde angemeldet.

Als nächstes unterrichtet sie am 19. und 20. Juni bei den Tanztagen im Seeforum Rottach-Egern. Dort stehen Workshops für verschiedene Tänze von Zumba bis langsamer Walzer auf dem Programm, mit abschließender Tanzparty an den Abenden. Tango Argentino spielt hier nur eine Nebenrolle. Aber die nächste Milonga am Tegernsee kommt ganz bestimmt.

Hier noch ein paar Impressionen von der Milonga:

Totale Hingabe an den Tanz bei den beiden Lehrern Anke Schneider und Gustavo Gomez.
Totale Hingabe an den Tanz bei den beiden Tangolehrern Anke Schneider und Gustavo Gomez.

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