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In den kommenden Wochen fallen bis zu 150 Bäume

Tegernseer Schutzwald wird rasiert

Von Sabiene Hemkes

Bald jeder Baum, der in Tegernsee gefällt wird, wird zum Politikum. Jetzt sollen 100 bis 150 Buchen und Fichten daran glauben müssen. Vorsorglich hat die Stadtverwaltung vor Ort zum Gespräch geladen. Die Stadt und der zuständige Forstbetrieb wollen erklären, warum die Massen-Abholzung eine notwendige Maßnahme sei. Aber so viele?

Der Südhang am Alpach mit einem Teil des Schutzwaldes.

Strahlender Sonnenschein in der Max-Josef-Straße in Tegernsee. Die Stadtverwaltung hat zusammen mit dem Forstbetrieb Tegernseer Tal zum Termin geladen. Das Thema: Aufwändige und massive Baumfällungen im Stadtgebiet Tegernsees.

Keine interessierten Bürger am Alpbach

Revierförster Hans Feist präsentierte den Medienvertretern das planungsaufwändige und logistisch aufwändige Projekt. Dabei wird er unterstützt von Hans Staudacher von der Stadt Tegernsee, der gleich den Grund für die Maßnahme erläutert:

Wir müssen hier tätig werden, um die angrenzenden Wohnhäuser vor Schäden durch umstürzende Bäume zu schützen. Der Baumbestand ist im Laufe der Jahre einfach zu sehr gewachsen.

Verkehrssicherung heißt das im Bürokraten-Deutsch, wie Staudacher weiter erklärt. Das Projekt gehe auf die Initiative der Stadt zurück und sei keine Forderung der Anwohner, macht der Tegernseer Geschäftsleiter deutlich.

Die Buchen und Kiefern stellten eine Bedrohung für die Häuser und die Anwohner dar. Der Eingriff in den Schutzwald sei alternativlos, führt Staudacher weiter aus. Die Kosten der Maßnahme beziffert er auf einen mittleren fünfstelligen Bereich.

Revierförster Hans Feist (mitte) und Hans Staudacher (rechts vorne) von der Stadt Tegernsee waren gestern gemeinsam mit der Presse vor Ort.

Wir gruppieren uns vor einer kleinen privaten Brücke über dem Alpbach und schauen auf einen bewaldeten, sehr steilen und im unteren Teil einreihig bebauten Südhang. Die Stelle liegt fast gegenüber des Wanderparkplatzes „Alpbachtal“. Der Revierförster übernimmt nun. Er erklärt uns, dass das ein Schutzwald sei, der normalerweise nicht vom Forstbetrieb bewirtschaftet werde.

Gefährliche und logistisch komplizierte Aktion

Hier, so informiert der Förster und deutet auf den Mischwald vor uns, werden in den nächsten zwei bis drei Wochen alle hohen und starken Bäume in einem Bereich von 35 Metern hinter den Häusern entnommen. Bei den Fällungen werde mit größter Vorsicht gearbeitet. Die Bäume werden im kritischen Bereich immer mit Seilen gesichert. Der Bestand der zum Teil über 100 Jahre alten Bäumen bestehe hauptsächlich aus Buchen und Kiefern, wie Feist weiter ausführt.

Betroffen von der Fällaktion ist eine Fläche – im Fachjargon Saum genannt – von etwa 35 mal 200 Metern. Die Bäume im oberen Bereich des Waldes bleiben stehen, soweit sie gesund sind. „Insgesamt werden wir in den nächsten drei Wochen 100 bis 150 Bäume fällen müssen.“

Feist und sein Team haben mit den Planungen für dieses Projekt schon vor zwei Jahren begonnen. Denn der Südhang sei sehr steil und absolut unwegsam, wie uns der Fachmann erklärt. „Mit einer normalen Fällung in einem bewirtschafteten und erschlossen Waldgebiet hat diese Aktion nichts gemein.“

Schweizer Spezialhubschrauber übernimmt Abtransport

Was das bedeutet, wird klar, als der Förster weiter ausführt, wie denn die in etwa ein Meter Höhe gefällten Stämme im unzugänglichen Gebiet des Hanges abtransportiert werden sollen.

Im April werden wir die inzwischen für den Transport bearbeiteten Stämme mit Hilfe von Spezialhubschraubern eines Schweizer Anbieters aus dem Hang holen. Wenn es gut läuft, brauchen wir dafür einen halben Tag. Wir werden selbst mit bis zu 12 Personen die Arbeiten am Hang und am Abladeplatz unterstützen.

Start- und Landeplatz der Hubschrauber sei der weiter oben liegende Parkplatz an der Neureuth, wie Staudacher ergänzt. Dort werde das Holz zwischengelagert, bis sie wenige Tage später von Tiefladern an einen festen Liegeplatz gebracht werden.

Hans Feist – der Revierförster für das Tegernseer Tal und sein „absolut tiefenentspannter“ Hund

Ein Teil der abgeholzten Buchenstämme werde im Schutzwald als sogenannte Querlieger verbleiben. Dementgegen werden alle Kiefern wegen eines möglichen Befalls mit dem Schädling des Borkenkäfers aus dem Areal entfernt.

Das geborgene Holz werde soweit möglich verkauft. Was aber höchstens 20 Prozent der Kosten ausmache, wir Staudacher klar macht. „Ein gutes Geschäft ist das nicht, aber zur Sicherheit der Anwohner eine absolut notwendige Maßnahme.“

Die Natur übernimmt die Wiederaufforstung

„Und auch für den Schutzwald ein begrüßenswerter Eingriff“, wie Feist einwirft. Aus Sicht des Naturschutzes sei zwar jeder abgeholzte Baum ein Verlust, aber für die Abstufung des Waldrandes mit niedrig wachsenden Bäumen und Sträuchern hingegen absolut begrüßenswert. Das werde, ebenso wie die Entnahme des Starkholzes wie der Buche aus dem steilen Hang, auf Dauer die Schutzfunktion des Waldes sichern. Weiter ergänzt der Förster:

Gerade Haselnuss- und wilde Obstbäume, die sie da oben auch schon sehen können, sind sehr gut für die Entwicklung des Waldes.

Eine gezielte Wiederaufforstung lehnt Feist aus diesem Grund auch ab: „Die Natur wird das ganz allein regeln. Wir brauchen bei diesem „Projekt“ nicht regulierend eingreifen.“ Man brauche sich nur den bestehenden Bewuchs außerhalb der Waldgrenze anschauen. Da wachse schon, was da auch hingehört, erklärt der Fachmann lachend.

Das Gebiet um die Waldarbeiten in Tegernsee ist weitläufig abgesperrt.

Zum spektakulären Abtransport der Stämme sind wir wieder eingeladen, wie der Geschäftsleiter der Stadt verspricht. Nur in den nächsten drei Wochen bittet er uns und Wanderer einen großen Bogen um das betroffene Waldareal zu machen.


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