Weintradition mit regionaler Identität

Wo die Tegernseer Weine herkommen

Von Rose Beyer

„Der heutige und der damalige Wein haben nichts mehr miteinander zu tun.“ Der Kirchenhistoriker Roland Götz hat sich nicht nur intensiv mit der Geschichte des Klosters Tegernsee befasst. Er war auch bei der einen oder anderen Fahrt zu den Tegernseer Weingütern dabei.

Der Geschmack des Weines habe sich seit der großen Reblausplage um 1880 verändert. Denn damals, so der Tegernseer, wurde die Landwirtschaft radikal umstrukturiert. Die meisten Rebstöcke waren der Plage zum Opfer gefallen.

Die älteste aussagekräftige Ansicht der Tegernseer Klosteranlage. Ein Kupferstich aus der "Topographia Bavariae" von Matthäus Merian, 1644. Die Wirtschaftsgebäude - und damit auch der Klosterweinkeller - befanden sich in dem großen hufeisenförmigen Teil im Vordergrund. Die Bauten wurden ab ca. 1680 durch barocke Neubauten ersetzt.

Trauben für Roten Tiroler wurden seit jeher in den klostereigenen Weingütern in Südtirol angebaut. Am Gandberg bei Kaltern beispielsweise liegt die Ortschaft Oberplanitzing. Dort hatten große Klöster wie Tegernsee und Wilten bereits seit dem 8. Jahrhundert ihre Ansitze und riesige Weingüter.

Der Most für den Weißen Österreicher wurde per Schiff und mit Pferdefuhrwerken aus der Wachau importiert, um ihn dann im Kloster Tegernsee zu Wein zu verarbeiten. Erst zu Zeiten der Aufhebung des Klosters um 1803 wurden die jeweiligen Weingüter vom jeweiligen Staat einkassiert.

Mit einem quentchen Seele…

Wo damals fast eine komplette Ortschaft auf mehreren Weingütern im Namen des Klosters Trauben anbaute, entsteht heute noch in einem Weingut der Tegernseer Wein. Auf dem Betrieb der Familie Mittelbach in Unterloiben in der Wachau hat man sich vorgenommen, unverwechselbare Weine zu erzeugen.

Erbaut wurde der Tegernseerhof im Jahr 1176. Bauherr war das Kloster, dem das Weingut als Lesehof diente. Anfang des 19. Jahrhunderts ging der Betrieb in Privatbesitz über. Zur fünften Generation der Besitzer gehören heute Franz Mittelbach und seine Frau Mathilde.

Nachdem die Reben das ganze Jahr über gepflegt worden sind, zieht sich die Weinlese auf dem Weingut oft bis in den Dezember hinein. Das Resultat der aufwändigen Vinifizierung vom Tegernseerhof: Weine mit unverwechselbarer Struktur und offenbar auch mit dem nötigen Quentchen „Seele“.


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