Wie der Gmunder Christoph Rebelein zum Singen kam

„Tenor wird man nicht – Tenor ist man“

Von Rose Beyer

Christoph Rebelein hat alles, was einen Tenor ausmacht: einen weiten Brustkorb, eine kräftige Stimme, einen optimalen Körperbau. Und – was man nicht auf den ersten Blick sehen kann – die richtige Länge der Stimmbänder und den passenden Aufbau des Kehlkopfes.

Bei Tenören sind die beiden Bänder kürzer als bei gewöhnlichen Menschen. „Tenor wird man nicht, Tenor ist man.“ Der gebürtige Tegernseer erzählt, dass einem das Singen bereits in die Wiege gelegt sei. Dass es bereits in einem schlummert. Man müsse lediglich die Bedingungen schaffen, dass es befreit werde, sagt der 31-Jährige. Wenn man das schafft, „dann singt es“.

Was einen Sänger ausmacht

15 Prozent Begabung schlummern laut Rebelein in einem herausragenden Sänger. Der Rest ist Fleiß, harte Arbeit und jede Menge Durchhaltevermögen. Wenn man gut sein möchte, bedarf es regelmäßiger Proben. Unter drei Stunden Gesangstraining geht laut Rebelein nichts. Denn das Singen sei ein Handwerk, eines, das man üben und erleben muss. „Selbst Pavarotti hatte fünfmal pro Woche Unterricht“, weiß der Gmunder.

Christoph Rebelein aus Gmund / Quelle: Foto Huber

Er selbst befasst sich täglich mit der Musik. Mindestens sechs Stunden täglich heißt es, Stücke zu spielen, zu singen und Konzerte vorzubereiten. Drei- bis viermal nimmt der Künstler Unterricht in München, unter anderem bei Daniel Süßtrunk. Ganzheitliche Körperarbeit und konkreter Gesangsunterricht stehen auf dem Plan. Auch an der Sprache wird gefeilt. Ein Ziel ist beispielsweise, dass man beim Singen keinen Dialekt hört.

Die Ausbildung

Bei Rebelein scheinen beim Sprechen deutlich die Pfälzer Vorfahren durch. Vor 32 Jahren waren seine Eltern nach Gmund gekommen, hatten zwei Kinder bekommen und ihre Textilreinigung eröffnet, die bis heute betrieben wird. Die Eltern lieben die Oper und fördern die Talente ihres Sohnes. Ist er doch – laut eigenen Aussagen – der einzige in der Familie, der singen kann.

Schon als Kind wurde sein Talent offenbar. Anfangs lieh er sich CDs der „Drei Tenöre“ in der Pfarrbücherei aus. Obwohl er keine Noten lesen konnte, kein Instrument spielte und kein Wort Italienisch verstand, trällerte er zu Hause und bei Familienfeiern regelmäßig „Spaghetti makkaroni“. Später überzeugte er den Leiter des Gmunder Kirchenchors von seiner Gabe.

Seine musikalische Ausbildung begann der Sänger bei Lorenz Fehenberger, bevor er bei Ada Zapperi studierte. Im Jahr 2006 gab er sein Bühnendebüt bei der Opernbühne Maxlrain in Nicolas Isouards Oper Cendrillon in der Rolle des Prinzen Ramiro. Im Jahr 2009 trat er als Solist im Prinzregententheater in „The Fairy Queen“ auf. Außerdem ist er Ensemblemitglied beim Freien Landestheater Bayern, wo er in Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt (Styx) debüttierte.

Musik, die Menschen berührt

Diverse Liederabende gestaltete der Tenor mit Werken von Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms, Hugo Wolf und italienischen Liedern von Domenico Scarlatti, Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini, Giuseppe Verdi und Franceso Paolo Tosti im Barocksaal des Tegernseer Schlosses.

Heute ist er Mitglied im Philharmonischen Chor München und im Extrachor der Bayerischen Staatsoper und singt den Freddy in „My fair lady“. Seine stimmlichen Möglichkeiten auszuleben, irgendwo in Europa – das wäre sein großer Traum. Die sprachlichen Voraussetzungen bringt er mit: Rebelein kann Italienisch und Englisch und beherrscht auch französische und russische Stücke. „Ich möchte einfach singen“, beteuert er. Am liebsten als Solist an einer Oper. Man kann diese Art Musik mögen. Oder auch nicht. Aber das spielt keine Rolle. Hauptsache, sie berührt die Menschen.

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