Warum die Holzhaus-Alternative für Asylbewerber so oft scheitert
Tourismus als K.O.-Kriterium

von Cornelia Schramm

Viele Gemeinden suchen immer noch händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber. Meist fällt die Wahl auf Traglufthallen – obwohl alternativ auch der Holzbau mit vielen Vorzügen punkten kann. Dennoch scheitert es an der Umsetzung: politisches Kalkül spielt dabei meist die entscheidende Rolle.

Bei einer Wohnanlage in Königsbrunn wurde auf Holzbauten gesetzt. Foto: Zolleis / Gumpp & Maier.
Bei einer Wohnanlage in Königsbrunn wurde auf Holzbauten gesetzt. Foto: Zolleis / Gumpp & Maier.

Sie sind schnell gebaut, energieeffizient und nachhaltig verwendbar: Holzhäuser. Gerade deshalb kommen sie auch als Unterbringungsmöglichkeit für Asylbewerber in Frage – und das nicht nur, weil sie sich besser als eine Traglufthalle in ihre Umgebung einfügen. Den Startschuss für die „Alterative Holzhaus“ gab die Münchner Gemeinde Gräfelfing. Mit den Wohnmodulen aus Holz, die als Unterkunft für Asylbewerber auf zehn Jahre errichtet wurden, macht man hier bisher gute Erfahrungen.

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Auch eine Gemeinde im Landkreis Miesbach erwägt derzeit den Bau von Holzhäusern, um das ihm zugewiesene Kontingent an Asylbewerbern aufzunehmen. Auf dem Schaftlacher Buchkogl will die Gemeinde Waakirchen versuchen „bleibende Werte zu schaffen“, erklärt Andreas Hagleitner vom eigens dafür gegründeten Kommunalunternehmen. Acht Wohneinheiten mit jeweils rund 52 Quadratmetern für insgesamt 32 Asylbewerber sollen hier entstehen.

Im Gegensatz zum kurzweiligen Containerdorf, „wo das Geld dann einfach weg ist – für den Bürger aber nichts geschaffen wurde“, wäre ein Massivbau aus Ziegel oder auch ein Holzbau nachhaltiger, stellt Hagleitner klar. Der Clou: er soll hinterher regulär als gemeindlicher Wohnungsbau genutzt werden. Ein Prinzip, das gerade auch schon viele Privatinvestoren ins Auge fassen.

Zeit und Kosten sparen

Das Einholen von Angeboten seitens der Gemeinde Waakirchen ist aktuell beendet – ein Architektenteam prüft ab jetzt, welche Bauweise für die Waakirchner Zwecke am rentabelsten ist, wobei Holz- und Ziegelbau laut Hagleitner „preislich knapp beieinander“ liegen. „Die Bauzeit ist aber definitiv viel kürzer“, erklärt Hagleitner den großen Vorteil der Holzbauweise.

Obwohl ein Holzbau baurechtlich auch als „massiv“ gilt, ist er „weniger zeitintensiv“ als ein Ziegelbau, weiß auch der Zimmerer-Obermeister Jakob Bscheider von der Initiative „Schneller-Wohnraum“. Hier brauchen die verwendeten Materialien nicht so lange um auszutrocknen. Ideal also, wenn das Landratsamt einer Gemeinde im Nacken sitzt und in kürzester Zeit neue Asylbewerber aufgenommen werden müssen:

Wenn alle Genehmigungen, wie der Brandschutz, etc. vorliegen, ist ein Holzhaus schon innerhalb von zwei bis drei Monaten bezugsfertig (…) und kann auf gleicher Fläche die gleiche Zahl an Personen beherbergen wie eine Traglufthalle.

Doch der Dietramzeller Zimmerer, der sich in Sachen Holzbauten für Asylbewerber auch um den Landkreis Miesbach kümmert, weiß, dass gerade jetzt „Zeit im Verzug“ ist und jeder Tag zählt. Die Gemeinden hätten zu spät realisiert, dass sie Wohnraum für Asylbewerber bereitstellen müssen, sodass sich jetzt vielen nur noch die Möglichkeit der Traglufthalle biete, da selbst das Aufstellen von Holzbauten zu lange dauere.

Ein Unding für viele Experten, denn gerade die dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern in kleineren Einheiten, wie sie auch Holzbauten bieten, verhüte Auseinandersetzungen. Außerdem wären Traglufthallen wahre Energiefresser und im Gefahrenfall schwer zu räumen, wie Bscheider weiß. In Containern hätte man oft mit Schimmel zu kämpfen. Im Gegensatz zu Traglufthallen und den inzwischen schon schwer lieferbaren Containern, würden bei Holzbauten auch ortsansässige Betriebe profitieren.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Doch warum scheitert es dennoch – mal abgesehen vom Zeitproblem der Gemeinden – so oft an der Holzhausvariante? An den Baukosten kann es, wie man am Waakirchner Fall sieht, nicht liegen. Hier hat man sich für eine massive Bauweise – ob nun aus Ziegel oder Holz – entschieden, dessen Kosten sich über 20 Jahre refinanzieren sollen: zehn Jahre zahlt das Landratsamt die Miete der Asylbewerber und die darauffolgenden zehn Jahre rechnet die Gemeinde mit regulären Mieteinnahmen, erklärt Hagleitner das Vorhaben.

Warum viele Gemeinden oftmals doch zur Traglufthalle tendieren, ist eher eine „politische Geschichte“, wie Bscheider mittlerweile die Erfahrung gelehrt hat. Gerade Gemeinden mit viel Fremdenverkehr wollen später gar keine großen, sozialen Bauten haben, weiß er. Sobald die Asylbewerber „abgezogen“ sind, hat man auch keinen Ärger mehr mit der Unterkunft, denn eine Traglufthalle ist als „fliegender Bau“ schnell abgebaut.

Oft handelt es sich bei den Gründen, die Gemeinden gegen eine massive Bauweise angeben, um baurechtliche: die betroffenen Grundstücke dürfen meist baurechtlich noch nicht genutzt werden.

Auch Hagleitner sieht das „Politikum“ hinter den Traglufthallen. Er schätzt, dass hier „mit weniger Gegenwehr seitens der Bürger“ gerechnet werden kann. „Die Angst des Bürgers konnten wir jedoch ausräumen“, erklärt er. Im Waakirchner Vorhaben wurde „die Anschlussnutzung“ bereits vertraglich festgeschrieben: auf zehn Jahre wohnen hier Asylbewerber, in den darauffolgenden Jahren ist die Weiternutzung des Wohnraums im Mietvertrag auf dem Niveau sozialen Wohnens festgelegt.

Auch für den Fall, dass einige Asylbewerber dauerhaft anerkannt und daher in der Asylunterkunft als „Fehlbeleger“ gelten werden, hätte die Gemeinde einige Wohnungen in petto, die dann von anerkannten Flüchtlingen übergangsweise genutzt werden könnten. Die Angst einiger Bürger, dass der Schaftlacher Buchkogl also für Jahrzehnte von Asylbewerbern bewohnt sein wird, beschreibt Hagleitner als „unbegründet“. Ob nun aus Holz oder Ziegel, die Neubauten will Waakirchen auf jeden Fall nachhaltig planen, bauen und nutzen, um „bleibende Werte zu schaffen”. Schon im Frühjahr sollen die Bauarbeiten starten, damit die Unterkünfte im Herbst einzugsbereit sind.

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