Tourismus zum Nulltarif

von Rose Beyer

Der geplante Zusammenschluss der ATS und TTT zu einer Dachorganisation ist derzeit das beherrschende Thema in den Rathäusern im Tal. In vier Gemeinden rund um den See wurde der Grundsatzbeschluss bereits abgesegnet – meist einstimmig, aber auch mal mit Zweifeln.

In Waakirchen gab es gestern Abend viele positive Stimmen. Verständlich, denn die Gemeinde bekommt Tourismus zum Nulltarif.

Mit dem neuen Lanserhof rutscht Waakirchen auch touristisch näher an das Tegernseer Tal ran

„Wir sparen uns in den nächsten drei Jahren einen Haufen Geld“, brachte Bürgermeister Josef Hartl die Zustimmung des kompletten Gemeinderates auf den Punkt. ATS-Geschäftsführer Harald Gmeiner hatte zuvor dem Gremium in seinem Vortrag die Vorzüge der Fusion schmackhaft gemacht. In gewohnter Manier trug er eine Kurzfassung des Konzepts vor.

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In dieser ging Gmeiner auf sämtliche Punkte ein, also wie der Zusammenschluss vonstatten gehen soll, wer welche Stimmrechte haben wird, wie Marketing und Destinationsrechte angedacht und welche Synergieeffekte zu erwarten sind. Auch die Beteiligung des Landkreises und die Ersparnis, die sich dadurch für einzelnen Gemeinden ergibt, kamen auf den Tisch.

Tourismus zum Nulltarif

Gmeiner unterfütterte seinen Vortrag unter anderem mit den zu erwartenden Kosten. Und diese betragen für die Kommune am nördlichen Rand des Tegernseer Tals genau 0 Euro. Der Grund liegt in der Zuordnung Waakirchens zu den Nord-Gemeinden. Diese werden nicht an den Kosten der Fusion beteiligt, da das Konzept sie entlasten soll.

So hat Waakirchen auch keine Premiumumlage wie die anderen fünf Tal-Gemeinden. Insgesamt spart man damit mehr als 30.000 Euro pro Jahr. Bisher waren knapp über 10.000 Euro an Kosten für Tourismusleistungen angefallen.

Trotzdem gesunder Diskussionsbedarf

Gemeinderätin Gisela Hölscher (FWG) wollte über die Kosten hinaus noch wissen, ob es in den anderen Gremien Zweifler gegeben habe. Gmeiner berichtete, dass es vor allem in Rottach-Egern sieben Gegenstimmen gegeben habe sowie zwei in Irschenberg.

„Welches Versprechen geben Sie uns heute?“ Mit dieser Frage spielte Hölscher außerdem darauf an, dass sie die nötige Transparenz bei den Touristikern vermisse. Sie wünsche sich regelmäßige Berichte und Feedback. Gmeiner signalisierte eine gewisse Zustimmung, in Zukunft mehr Feedback zu geben.

Georg Overs von der TTT und Harald Gmeiner von der ATS ‒ die "Köpfe" hinter der Fusion
Georg Overs von der TTT und Harald Gmeiner von der ATS ‒ die „Köpfe“ hinter der Fusion

Für Gwendolin Kalch erschlossen sich die mit etwa 15.000 angegebenen Übernachtungszahlen nicht. „Wo sollen die herkommen?“, fragte sie sich.
Kämmerer Toni Demmelmeier konnte Aufklärung schaffen, indem er anmerkte, diese Zahlen seien geschätzt – abgeleitet davon, wie viele Betten in den Übernachtungsstätten im Ort existierten.

„Wir müssen was tun“

Rudolf Reber machte sich Sorgen, dass Waakirchen langfristig drauflegen könnte. „Erst wird alles schöngeredet, und dann wird die Kreisumlage erhöht“, befürchtete er. Nichtsdestotrotz müsse man im Bereich Tourismus nachlegen.

Dem stimmte auch Andreas Hagleitner zu. „Wir haben keine gesicherten Übernachtungszahlen, weil wir nichts getan haben“, bemerkte er. „Und was haben wir eigentlich für die 10.000 Euro bekommen?“ Man müsse mehr tun, und das am besten strukturiert, forderte er. „Und das, ohne eine komplette Vollzeitkraft beschäftigen zu müssen.“

Harald Gmeiner will bis zur kommenden Gemeinderatssitzung in Waakirchen Punkte ausarbeiten, wie sich die Gemeinde touristisch aufstellen könnte. Eine mögliche Einstufung als Erholungsort sowie die Einführung einer Fremdenverkehrsabgabe gehören dazu. Der Lanserhof habe laut Bürgermeister Hartl bereits danach gefragt.

Mit Waakirchen haben nun die meisten der Kommunen dem Grundsatzbeschluss zugestimmt. Lediglich Kreuth, Bayrischzell, Otterfing und Schliersee stehen noch aus.

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