4.500 Gebirgsschützen feiern Patronatstag

Tradition zieht Tausende nach Gmund

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„I hob scho ois fotografiert im Kopf“, kommentiert ein Garmischer Schütze den hohen Fotografen- und Prominentenanteil Sonntagfrüh auf der Kaltenbrunner Festwiese. Es ist diese typisch bayerische Atmosphäre, die jedem gefällt ‒ nicht nur den Leuten im Tal, auch denen, die die Bilder der Fotografen später in Zeitungen, im Fernsehen und im Internet sehen werden.

Saftige grüne Wiesen, strahlender Sonnenschein, weißblauer Himmel. Mittendrin die bunten Trachten der Gebirgsschützen, die, gerade vom Festzug herunter, auf der Wiese ankommen. Säuberlich abgesteckt ist der Platz mit Tafeln, wo jeder „Zug“ sich aufstellen soll. Tradition braucht auch Ordnung.

Aufmachung ist regionalen Regeln unterworfen

Die Schützen haben sich feierlich herausgeputzt. Auch der Garmischer, dessen Augen mit seiner Trompete um die Wette blinken. „I bin von der Musi“, erzählt er, weshalb er auch keine der symbolischen Waffen trägt, die viele der übrigen Schützen heute bei sich haben.

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Die Kleidung der Schützen – die sogenannte Montur – ist strengen Regeln unterworfen. Günther Zieglmeier, geschäftsführender Offizier und Adjutant vom Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien, erklärt, was ein Schütze tragen sollte: Hut, Anzug, Socken und Haferlschuhe.

Die Aufmachung sei jeweils regional verschieden: Farbe und Form der Hüte, Farbe der Joppe beziehungsweise des Rockes, Farbe und Bestickung der Socken. Auf dem Hut tragen die einen eine Birkhahnfeder, andere eine Hahnenfeder, wieder andere einen Gamsbart, je nachdem, wie sich das in den Kompanien so eingebürgert hat. „Das ist ja das Schöne dran“, findet Zieglmeier.

Männer und Frauen aus dem ganzen Oberland

Welche Embleme man auf der Joppe tragen darf, bestimmt das eigene Abschneiden bei den Schießen. Während Zieglmeiers Eicheln in der Sonne glänzen, haben andere ganz unterschiedliche Zeichen angesteckt. Als Schütze ist es Sitte, sich mit anderen bei Sportschießen zu messen und sich solche Anstecker zu erwerben.

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Ein paar kleine Mädchen in bunten Dirndln und mit kunstvollen Flechtfrisuren gehen kichernd vorbei. Auch Frauen sind heute gar nicht mal so selten anzutreffen. Fesche Miederdirndln, die manchmal auch ein kleines Holzfass bei sich tragen. „Da ist Schnaps drin“, so Zieglmeier. Früher führten die „Marketenderinnen“ noch echte Versorgungsfunktionen aus. Heute dient das Fässchen nur noch zur Zierde und Spaß.

„Garmisch, Reichersbeuern, Gaißach“ steht auf den kleinen Holztaferln geschrieben, die der sogenannte Taferlbua, der jeder Schützenkompanie im Festzug vorausgeht, trägt. „Alle 47 aus dem Oberland sind gekommen“, freut sich Ziegelmeier. 4.500 Mann von Oberammergau bis Reichenhall. Auch ein paar Musikkapellen und Spielmannszüge mischen sich unter die Menge. Und rund 5.000 Zuschauer wollen sich das Spektakel ebenfalls nicht entgehen lassen.

Pflichttermin für jeden Schützen

Der Patronatstag ist der höchste Feiertag der Schützen. Dann wird der Schutzfrau Bayerns ‒ der Patrona Bavaria ‒ gedacht. Dass man sich dazu am ersten Sonntag im Mai trifft, ist Tradition. Der Ort wechselt jedes Jahr. Heuer ist Gmund dran. Dabei ist heute ein ganz besonderes Treffen. Die neue Bundesfahne wird geweiht.

Und weil das ein ganz besonderer Akt ist, sind neben Tausenden von Gebirgsschützen auch zahlreiche illustre Gäste nach Gmund gekommen: Ministerpräsident Horst Seehofer nebst Gattin, Herzog Max und Herzogin Elisabeth mit den Töchtern Anna und Helene, Ministerin Ilse Aigner, Pater Leo Weber, die Landtagsabgeordneten Alexander Radwan und Philipp Graf von Lerchenfeld, um nur einige zu nennen. Allein die Begrüßungsrede von Landeshauptmann Karl Steininger füllt etliche Minuten des Festgottesdienstes.

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Die Musikkapelle spielt die „Bad Wiesseer Fanfare“, die unzähligen Fahnen geben ihre leisen Untertöne im leichten Wind dazu, eine BOB fährt vorbei – ein langes Hupen ist ihr Beitrag zum Festgeschehen. Die Rösser, die die paar Kutschen hierhergezogen haben – jetzt stehen sie schnaubend da und ruhen sich aus.

Weihbischof Wolfgang Bischof hebt an, um die Festmesse zu zelebrieren. „Keine Angst, ich wiederhole jetzt nicht die ganze Begrüßung“, amüsiert er die Festgäste. In seiner Messe geht es um Frieden, um Streit mit anschließender Versöhnung und wie einen eine „Win-Win-Situation“ glücklich machen könnte.

Kurze Stipvisite

Mit Sprüchen wie „Des war oiwei scho so“ komme man heute nicht mehr weiter, weshalb er auch für eine Kirche mit neuen Argumenten sei. „Tradition mit Leben füllen“, das sei das Zauberwort. Dann wird die Fahne feierlich geweiht. Heimat und Glauben soll sie symbolisieren. Und viel Freude machen an den zahlreichen Feiertagen, zu denen die Gebirgsschützen ausrücken. „Die Fahnen senken zum Fahnengruß“ – mit diesen Worten tragen sorgsame Schützen sie von der Bühne.

Um Platz zu machen für den Ministerpräsidenten Horst Seehofer und dessen Fünf-Minuten-Rede. „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf“, beginnt Seehofer mit Martin Luthers Worten. Die 24-seitige Festrede hätte er im Auto gelassen, um sich die Sympathien der Tegernseer nicht zu verscherzen. Deshalb habe er lediglich einen zweifachen Dank und eine zweifache Bitte.

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Der erste Dank gilt dem Weihbischof für sein Kommen, der zweite all den Gebirgsschützen, die die Treuhänder der Tradition und des christlichen Glaubens darstellen. „Bayern wird überall anerkannt, nicht zuletzt wegen seiner Tradition.“ Seehofers Bitten fordern: die Flamme der Begeisterung niemals enden zu lassen. Und andere anzustecken mit der Liebe zur Heimat und dem Engagement.

„Zuschuss brauch ma ned ‒ Geld hamma selba“

Dann muss er sich bereits verabschieden, um seinen Nachfolgetermin zum 150. Jubiläum der Befreiungshalle in Kelheim zu erreichen. Zurück lässt Seehofer noch einen Lacher. Der Gmunder Bürgermeister Georg von Preysing sei der erste Rathaus-Chef gewesen, der sein Angebot zu einem Zuschuss abgelehnt hätte: „Des brauch ma ned, Geld hamma selba.“

Von Preysings Rede schließt sich in ihrer Kürze derjenigen des Ministerpräsidenten an. Er wünsche den Gästen lediglich, „dass der Ostwind bis Nachmittag andauert“ und dass das Wetter somit aushält. Mit einer kleinen „Spitze“ auf die vergangenen Streitigkeiten mit dem Denkmalamt in Sachen „Hotelbau Kaltenbrunn“ entlässt er die Masse zum Festzug und anschließendem Festausklang zurück nach Dürnbach. Denn feiern, das wollen die Gebirgsschützen dann doch lieber sitzend im Festzelt als im Stehen auf der Kaltenbrunner Wiese.

Große Fotostrecke vom Patronatstag in Gmund

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