Kinderstation in Agatharied voll belegt
Tripledemic: Wie gefährlich ist die Virus-Lage für die Kleinen?

von Melanie Süss

Diesen Winter kommt zur Influenza und der Corona-Pandemie auch noch der RS-Virus bei Kindern hinzu. Experten warnen vor einem „Tripledemic”-Kollaps – auch im Krankenhaus Agatharied? 

Bekommen wir durch den Anstieg dreier Atemwegserkrankungen einen Kollaps im Gesundheitssystem? / Quelle: Lenka Li Lilling

Seit Wochen werden in den Medien Berichte über den sogenannten RS-Virus bei Kindern laut. Zahlreiche Krankenhäuser stehen diesen Winter mit der nach wie vor herrschenden Corona-Pandemie, der Influenza und dem jetzt hinzukommenden RS-Virus vor einem zu befürchtenden Kollaps aufgrund des Anstiegs dreier Atemwegserkrankungen.

Auch im Kreiskrankenhaus ist die Lage ernst: “Unsere Kinderstation ist voll belegt. Aktuell haben zirka 80 Prozent der Patienten auf der Kinderstation das RS-Virus. Dazu kommen noch Kinder mit Influenza”, sagt Melanie Speicher, Pressesprecherin des Krankenhauses Agatharied. Bei Kindern sei die Infektion mit dem RS-Virus meist eine Erstinfektion mit dem sehr weit verbreiteten Erreger, welche dadurch häufig schwerer verliefe, sagt Speicher.

Besonders Kleinkinder und Säuglinge betroffen

Speicher betont, dass der Respiratorische Synzytial-Virus vor allem bei Kleinkindern und Säuglingen hervortrete. Liegen besondere Risiken vor, wie Frühgeborene, Kinder mit Herz- oder Lungenerkrankungen oder Immunschwäche, kann der Verlauf sogar lebensbedrohlich sein. “Deshalb bekommen diese Kinder in den ersten beiden Lebensjahren eine Prophylaxe”, so die Pressesprecherin.

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Typische Symptome seien: hohes Fieber, Trinkschwäche, eine Entzündung der kleinen Bronchien, Husten und eine rasselnde Atmung. “Es kann zu Atemnot und einer verminderten Sauerstoffsättigung kommen, die eine stationäre Versorgung notwendig machen”. Bei Frühgeborenen komme es manchmal zu Atempausen.

Vielfach entspannter sei die Situation hingegen bei Erwachsenen. Dort zeige sich der Virus lediglich durch eine Erkältungssymptomatik.

Zusammenhang mit der Corona-Pandemie

Doch warum sind Kinder in diesem Jahr so anfällig für das gefährliche Virus? Die Pressesprecherin vermutet einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie dahingehend, dass die reduzierten Kontakte, das ständige Tragen einer Maske und die viele Händedesinfektion dafür gesorgt haben, dass das Immunsystem der Kinder weniger gestärkt wurde. Das mache sie für die Viren anfälliger.

Viele Kleinkinder seien im Säuglingsalter nicht mit dem RS-Virus in Berührung gekommen und haben ihre Erstinfektion erst jetzt. “Damit summieren sich die erkrankten Säuglinge aus diesem Jahr und die RS-infizierten Kleinkinder auf und wir sehen besonders viele kleine Patienten gleichzeitig”, so Speicher.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig

Für die Behandlung sei eine gesicherte und ausreichende Flüssigkeitszufuhr essenziell. Sofern die Behandlung ambulant erfolge, sei die Absprache und Betreuung durch den Kinderarzt wichtig. Inhalationen helfen, den Husten zu lindern und auch abschwellende Nasentropfen seien wirksam.

“Wir achten auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, wenn nötig auch durch Infusionen, führen Inhalationen durch, überwachen die Kinder am Monitor und geben bei Bedarf Sauerstoff”, erklärt Speicher die stationäre Behandlung der Kleinkinder.

Corona-Lage hat sich beruhigt

Nach der intensiven Welle im Oktober habe sich die Corona-Station währenddessen vorerst beruhigt. Derzeit seien nur etwa sieben Corona-Patienten auf der Normalstation und keine Corona-Patienten auf der Intensivstation.

Bei den Kindern spiele Corona momentan keine Rolle mehr, “da haben wir schon seit Wochen kein Kind mehr, das eine stationäre Versorgung benötigt”, äußert Speicher.

Die noch immer geltende FFP2-Maskenpflicht, eine sorgfältige Hygiene und regelmäßiges Testen werde diesen Winter intensiv fortgeführt, um die Lage bestmöglich im Griff zu haben.

Fachkräftemangel spürbar

Auch hinsichtlich des Personals hat sich die Lage laut Speicher etwas entspannt: Die krankheitsbedingten Ausfälle seien wieder auf einem normalen Niveau, wie es im Herbst/Winter üblich sei. Dennoch spüre man, wie andere Kliniken auch, den seit Jahren andauernden Fachkräftemangel.

“Es dauert meist zu lange, offene Stellen nachzubesetzen. Das kostet Mitarbeiter und Führungskräfte natürlich auch Kraft”, betont die Pressesprecherin. Dennoch seien Operationen vollständig in Betrieb. Man könne zum Teil auch die verschobenen Behandlungen aus Oktober nachholen.

Keine Tripledemic wahrscheinlich

Laut Medienberichten zweifeln Experten daran, dass es wirklich zu einem Kollaps im Gesundheitssystem kommen werde. Dennoch fällt immer wieder das Wort “Tripledemic”. Wie Speicher abschließend erklärt, sei es durchaus möglich, dass die verschiedenen Viren in aufeinanderfolgenden Wellen zirkulieren.

Die Entwicklungen bezüglich einer Tripledemic (Corona, Influenza, RS-Virus) sind aus unserer Sicht aber schwer vorhersehbar. Melanie Speicher, Pressesprecherin des Krankenhaus Agatharied

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